WĂŒtende, Bauern

WĂŒtende Bauern hindern Habeck am Verlassen einer FĂ€hre

05.01.2024 - 00:26:59

Bauern protestieren gegen die Ampel-PlĂ€ne zu Agrarsubventionen. Habeck bekommt den Unmut ganz persönlich zu spĂŒren - und zeigt sich beunruhigt. Die Stimmung im Land heizt sich auf, sagt er.

  • Demonstranten haben Vizekanzler Robert Habeck in Schleswig-Holstein am Verlassen einer FĂ€hre gehindert. - Foto: Michael Kappeler/dpa

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  • Mehr als hundert Demonstranten hinderten Vizekanzler Robert Habeck am Verlassen einer FĂ€hre. - Foto: -/WestkĂŒstenNews/dpa

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Demonstranten haben Vizekanzler Robert Habeck in Schleswig-Holstein am Verlassen einer FĂ€hre gehindert. - Foto: Michael Kappeler/dpaMehr als hundert Demonstranten hinderten Vizekanzler Robert Habeck am Verlassen einer FĂ€hre. - Foto: -/WestkĂŒstenNews/dpa

WĂŒtende Bauern haben Vizekanzler Robert Habeck (GrĂŒne) an der NordseekĂŒste am Verlassen einer FĂ€hre gehindert. Sie hĂ€tten am Donnerstag den Anleger in SchlĂŒttsiel blockiert, sagte ein Polizeisprecher.

Habeck habe deshalb wieder auf die Hallig Hooge zurĂŒckkehren mĂŒssen. Erst in der Nacht erreichte der Wirtschaftsminister das Festland mit einer weiteren FĂ€hre, wie die Flensburger Polizei und ein Ministeriumssprecher am Morgen bestĂ€tigen. Der Minister war laut Ministerium privat unterwegs.

Nach ersten Angaben der Polizei handelte es sich um mehr als hundert Demonstranten. Rund 30 Beamte seien im Einsatz gewesen. Sie hĂ€tten auch Pfefferspray eingesetzt, sagte ein Polizeisprecher. Von Verletzten ist nichts bekannt. Bundesregierung und Politiker von GrĂŒnen, FDP und CDU kritisierten die Protestaktion. Die Bauern sind empört wegen des von der Ampel-Koalition geplanten Abbaus von Subventionen.

Polizei: Aufrufe in sozialen Medien zu Blockadeaktion

Nach der Blockadeaktion gab die Flensburger Polizei neue Details zu ihrem Einsatz bekannt. «In den sozialen Medien wurden Aufrufe zur Demonstration am FĂ€hranleger SchlĂŒttsiel verbreitet, an welchem Herr Dr. Habeck am Nachmittag eintreffen sollte», teilte die Polizei am Freitag in Flensburg mit. Etwa 80 landwirtschaftliche Fahrzeuge hĂ€tten sich am Donnerstag auf den Weg zum FĂ€hranleger gemacht. Bis zu 300 Menschen hĂ€tten sich dort eingefunden, um gegen KĂŒrzungsplĂ€ne der Bundesregierung zu demonstrieren.

Als die FĂ€hre gegen 17.00 SchlĂŒttssiel erreichte, sei die Lage angespannt gewesen, ein Dialog zwischen Habeck und den Versammlungsleitern habe nicht ermöglicht werden können, berichtete die Polizei. Aus der Versammlung heraus hĂ€tten 25 bis 30 Menschen versucht, auf die FĂ€hre zu gelangen. EinsatzkrĂ€fte hĂ€tten diese teilweise unter Einsatz von Pfefferspray zurĂŒckgehalten. «Nach Ablegen der FĂ€hre beruhigte sich die Lage und die Versammlung löste sich gegen 19.00 Uhr auf.»

Habeck: Stimmung im Land heizt sich auf

Habeck zeigte sich beunruhigt ĂŒber die Stimmung in Deutschland. Der GrĂŒnen-Politiker erklĂ€rte am Freitag: «Was mir Gedanken, ja Sorgen macht, ist, dass sich die Stimmung im Land so sehr aufheizt. Als Minister habe ich qua Amt Schutz der Polizei. Viele, viele andere mĂŒssen Angriffe allein abwehren, können ihre Verunsicherung nicht teilen. Sie sind die Helden und Heldinnen der Demokratie.» Zuvor hatten darĂŒber die «LĂŒbecker Nachrichten» berichtet.

«Protestieren in Deutschland ist ein hohes Gut», so der Vizekanzler weiter. «Nötigung und Gewalt zerstören dieses Gut. In Worten wie Taten sollten wir dem entgegentreten.»

Die Bundesregierung bezeichnete die Blockade der Ankunft von Habeck auf dem Anleger als beschĂ€mend. «Bei allem VerstĂ€ndnis fĂŒr eine lebendige Protestkultur: Eine solche Verrohung der politischen Sitten sollte keinem egal sein», schrieb Regierungssprecher Steffen Hebestreit auf der Plattform X, vormals Twitter. Die Blockade von Habecks Ankunft im FĂ€hrhafen SchĂŒttsiel «ist beschĂ€mend und verstĂ¶ĂŸt gegen die Regeln des demokratischen Miteinanders», hieß es.

Reaktionen aus der Politik

Die Vorsitzende der GrĂŒnen im Bundestag, Britta Haßelmann, zeigte sich entsetzt: «Es ist erschreckend, was dort passiert ist und empört mich zutiefst. Es ist eine völlige GrenzĂŒberschreitung und ein Angriff auf die PrivatsphĂ€re von Robert Habeck», teilte sie mit. Dies habe nichts mit friedlichem Protest in einer lebendigen Demokratie zu tun.

Justizminister Marco Buschmann (FDP) schrieb auf der Plattform X (ehemals Twitter): «Dass man auch mal wĂŒtend ist: geschenkt. Aber klar ist: Gewalt gegen Menschen oder Sachen hat in der politischen Auseinandersetzung nichts verloren! Das diskreditiert das Anliegen vieler Landwirte, die friedlich demonstrieren.»

«Feuchte TrĂ€ume von UmstĂŒrzen»

Agrarminister Cem Özdemir (GrĂŒne) sagte am Freitag im ARD-«Morgenmagazin»: «Das sind Leute, denen geht es nicht um die deutsche Landwirtschaft, die haben feuchte TrĂ€ume von UmstĂŒrzen, und das wird es nicht geben.» Er bezeichnete den Vorgang als inakzeptabel.

Umweltministerin Steffi Lemke schrieb auf X: «Das ist das Gegenteil von dem, was ich heute in der durch Hochwasser gebeutelten Region Mansfeld-SĂŒdharz erlebte - SolidaritĂ€t, Zusammenhalt, Respekt, Zusammenarbeit unterschiedlichster Gruppen fĂŒr den Schutz der Bevölkerung. Ich erwarte eine Klare Distanz durch @Bauern_Verband.»

Schleswig-Holsteins MinisterprĂ€sident Daniel GĂŒnther (CDU) verurteilte die Blockadeaktion ebenfalls scharf. «Jeder Protest hat Grenzen», sagte GĂŒnther in Kiel. Diese hĂ€tten der Bauernverband und dessen schleswig-holsteinische PrĂ€sident Klaus-Peter Lucht klar formuliert: «Keine Blockadeaktionen und eine eindeutige Distanzierung von extremen Randgruppen, Rechtsbruch oder Aufrufen hierzu.» «Diese Grenzen sind bei der gestrigen Aktion gegen Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck weit ĂŒberschritten worden», so GĂŒnther.

Der frĂŒhere CDU-GeneralsekretĂ€r Paul Ziemiak erklĂ€rte auf X, es werde hier eine Grenze ĂŒberschritten. «Wer die Ampel inhaltlich laut kritisiert, darf jetzt nicht schweigen. Das geht so nicht!»

Bauernverband distanziert sich von Blockade

Der Deutsche Bauernverband verurteilte die Blockade der FÀhre und distanzierte sich von dem Vorgang. «Persönliche Angriffe, Beleidigungen, Bedrohungen, Nötigung oder Gewalt gehen gar nicht», sagte VerbandsprÀsident Joachim Rukwied laut Mitteilung. «Blockaden dieser Art sind ein No-Go.»

«Wir sind ein Verband, der die demokratischen Gepflogenheiten wahrt», sagte Rukwied. Bei allem Unmut ĂŒber die SteuerplĂ€ne des Bundes respektiere sein Verband selbstverstĂ€ndlich die PrivatsphĂ€re von Politikern.

Seit Wochen demonstrieren Landwirte bundesweit gegen das geplante Aus von SteuervergĂŒnstigungen bei Agrardiesel und der Kfz-Steuer. Am Donnerstag hatte die Bundesregierung Teile ihrer PlĂ€ne zurĂŒckgenommen. Der Bauernverband bezeichnete das Einlenken allerdings als unzureichend und hĂ€lt an der geplanten Aktionswoche ab kommendem Montag fest.

@ dpa.de