BDI fordert Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege
Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 03:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) drĂ€ngt Union und SPD auf die Umsetzung der Reformen bei Rente, Gesundheit und Pflege. BDI-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin Tanja Gönner warnte in der âNeuen OsnabrĂŒcker Zeitungâ davor, dass ein Stopp oder eine VerwĂ€sserung der Vorhaben den wirtschaftlichen Erholungskurs gefĂ€hrden könnte.
BDI warnt vor steigenden Sozialkosten
âDie Reformen sind Bedingung dafĂŒr, dass Deutschland wieder auf einen nachhaltigen Wachstumspfad kommtâ, sagte Gönner der Zeitung. Bei Gesundheit und Pflege mĂŒsse schnell gehandelt werden, um BeitragssprĂŒnge abzuwenden.
Gönner verwies auf einen möglichen Teufelskreis aus höheren Sozialkosten, nachlassender WettbewerbsfĂ€higkeit und steigender Arbeitslosigkeit. Wachstumspolitik sei deshalb nicht nur fĂŒr Unternehmer wichtig, sondern fĂŒr alle, sagte die BDI-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrerin.
Mittelstand schlieĂt Betriebe direkt
Die nach oben korrigierten Wachstumsprognosen wertet der BDI nicht als Entwarnung. Gönner sagte, eine Vielzahl mittelstĂ€ndischer Unternehmen schlieĂe den Betrieb, ohne Insolvenz anzumelden.
Die direkte Liquidation von Unternehmen sei eine Entwicklung, die man bislang nicht gekannt habe, sagte Gönner. Dadurch gehe industrielle Substanz dauerhaft verloren.
Die Forderung des BDI fĂ€llt in eine Phase, in der die Bundesregierung bei der Pflege zunĂ€chst kurzfristige Finanzierungsprobleme angeht, eine umfassendere Strukturreform aber auf spĂ€ter verschiebt. Der am 30. September 2026 beschlossene Entwurf soll eine erwartete FinanzlĂŒcke von rund acht Milliarden Euro im kommenden Jahr schlieĂen. Vorgesehen sind unter anderem ein höherer Zuschlag fĂŒr Kinderlose und eine angehobene Beitragsbemessungsgrenze.
Reformdruck bei Sozialversicherungen
Damit adressiert die Koalition zwar akute Kostenrisiken, verschiebt zentrale Entscheidungen zur langfristigen Finanzierung jedoch in Kommissionen und weitere Gesetzgebungsverfahren. Bei der Pflege soll ein Expertengremium VorschlĂ€ge fĂŒr eine strukturelle Neuordnung erarbeiten. Der BDI verbindet diese Debatte mit der WettbewerbsfĂ€higkeit der Industrie, weil steigende SozialbeitrĂ€ge die Arbeitskosten erhöhen und BeschĂ€ftigte sowie Unternehmen zusĂ€tzlich belasten.
Auch in der Rentenversicherung verschĂ€rft der demografische Wandel den Handlungsdruck: Einer wachsenden Zahl Ă€lterer Menschen steht eine im VerhĂ€ltnis kleinere Zahl von Beitragszahlern gegenĂŒber. In der Kranken- und Pflegeversicherung treiben zudem medizinischer Fortschritt, höhere Löhne im Gesundheitswesen und mehr PflegebedĂŒrftige die Ausgaben. Reformen mĂŒssen deshalb Finanzierung, Leistungsumfang und Arbeitsangebot zugleich berĂŒcksichtigen.
Bedeutung fĂŒr Unternehmen und BeschĂ€ftigte
FĂŒr BĂŒrger können Ănderungen bei BeitrĂ€gen und Leistungen direkt spĂŒrbar werden. Unternehmen bewerten daneben die Planbarkeit der Lohnnebenkosten und die VerfĂŒgbarkeit von FachkrĂ€ften. Die von Tanja Gönner angesprochenen BetriebsschlieĂungen ohne Insolvenz wĂŒrden dabei nicht nur ArbeitsplĂ€tze betreffen, sondern auch Lieferketten und regionale industrielle Strukturen. Ob die angekĂŒndigten Reformen diese Belastungen tatsĂ€chlich begrenzen, hĂ€ngt vom weiteren Gesetzgebungsverfahren und von den langfristigen Entscheidungen zur Finanzierung der Sozialversicherung ab.
