Reform der Gamesförderung: BundeslĂ€nder Ă€uĂern Kritik
22.08.2024 - 15:34:03Der StaatssekretĂ€r im Bundeswirtschaftsministerium Michael Kellner (GrĂŒne) stellte auf der Kölner Messe Gamescom eine Förderrichtlinie vor, der zufolge sich der Bund aus der Förderung kleiner Projekte verabschiedet und dies den LĂ€ndern ĂŒberlassen will. AuĂerdem soll eine Spieleentwicklung nicht mehr Geld sowohl vom Bund als auch von einem Bundesland bekommen dĂŒrfen - so soll eine Kumulierung verboten werden.
NRW-Medienminister Nathanael Liminski (CDU) bezeichnete dies bei der Gamescom als "echtes Problem", weil eine Firma dann weniger staatliche UnterstĂŒtzung bekommen könnte als zuvor. Berlins Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) sagte: "Wir sollten uns nicht der Möglichkeit beschneiden, dass Bund und LĂ€nder gemeinsam etwas bewirken können." Digitalminister Fabian Mehring (Freie WĂ€hler) schloss sich der Kritik an.
Der Bundespolitiker Kellner argumentierte hingegen, dass der Bundesrechnungshof die bisherige Doppelförderung beanstandet habe und dass diese Praxis sehr kompliziert sei. "Das ist ein wahnsinnig bĂŒrokratischer Aufwand."
Bund will die kleinen Projekte den LĂ€ndern ĂŒberlassen
Laut dem Vorhaben des Bundeswirtschaftsministeriums sollen Gamesentwicklungen erst ab einem Projektvolumen von 300.000 Euro vom Bund gefördert werden können. Alles darunter sollen die BundeslĂ€nder ĂŒbernehmen. "Das ist eine Arbeitsteilung zwischen Bund und LĂ€ndern, von der ich mir erhoffe, dass sie insgesamt den Gamesstandort voranbringt, weil sie auch die LĂ€nder in die Verantwortung nimmt", sagt Kellner.
Er will, dass die LÀnder mehr Geld investieren. "Wir können als Bund nicht sagen, wir machen alles - da brauchen wir auch die LÀnder, wenn wir ein starker Gamesstandort sein wollen." Von diesem Appell wiederum sind Vertreter der BundeslÀnder wenig begeistert.
Kellner: Am Ende haben wir mehr Steuereinnahmen
Die vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten Steuererleichterungen fĂŒr Gamesfirmen werden von den BundeslĂ€ndern zwar grundsĂ€tzlich unterstĂŒtzt - fĂŒr eine Reform ist ihre Zustimmung nötig. Allerdings fordern sie hierbei "ein faires Angebot" des Bundes, wie es NRW-Vertreter Liminski formuliert. Bei dem "Tax Credit System" können Gamesfirmen bestimmte Kosten steuerlich geltend machen. Dadurch sinken die Steuereinnahmen des Staates zunĂ€chst.
"Wir können jetzt nicht sagen, wir [als Bund] ersetzen die SteuerausfĂ€lle der BundeslĂ€nder, das ist fifty-fifty", sagt Bundespolitiker Kellner und weist darauf hin, dass sich dank der Steuererleichterungen mehr Firmen ansiedeln oder vergröĂern und gute GeschĂ€fte machen könnten. "Ich in ĂŒberzeugt davon, mit dem Modell gewinnt der Standort Deutschland und am Ende haben wir mehr Steuereinnahmen."
Verband warnt vor Verschlechterung der Bedingungen
Der Branchenverband Game ist zwar erfreut ĂŒber die SteuerplĂ€ne des Bundesministeriums. Die Richtlinie hingegen, in der die Regeln fĂŒr Fördergeld festgeschrieben werden und fĂŒr die noch grĂŒnes Licht von der EU-Kommission benötigt wird, sieht der Verband kritisch.
"Die neue Förderrichtlinie droht die Rahmenbedingungen fĂŒr Games-Unternehmen in Deutschland zu verschlechtern", sagt GeschĂ€ftsfĂŒhrer Felix Falk. "Damit werden wir in Deutschland weiterhin nicht wettbewerbsfĂ€hig sein können." Dem Verband zufolge sind Gamesentwicklungen in Deutschland fast ein Drittel teurer als in anderen Staaten wie Frankreich und Kanada.
Bund fördert mit 50 Millionen Euro im Jahr
Der Bund fördert die Games-Branche in Deutschland in diesem Jahr mit 50 Millionen Euro, nĂ€chstes Jahr soll der Betrag gleich bleiben. "Es ist ein groĂer Erfolg, dass wir die Fördermittel stabil halten können in Zeiten des KĂŒrzungsdrucks", sagt Bundespolitiker Kellner. Die LĂ€nder insgesamt geben weniger. Nordrhein-Westfalen gibt beispielsweise etwa 5 Millionen Euro pro Jahr, in Baden-WĂŒrttemberg sind es 1,2 Millionen Euro.
Games sind ein MilliardengeschĂ€ft, im vergangenen Jahr gaben die BundesbĂŒrger knapp zehn Milliarden Euro fĂŒr Computer- und Videospiele sowie dazugehörige Hardware und Online-Dienste aus. Allerdings ging es hierbei vor allem um Produkte aus dem Ausland. Der Anteil von Games, die in Deutschland entwickelt werden, liegt schĂ€tzungsweise nur bei fĂŒnf Prozent. Mit der staatlichen Förderung soll dieser kleine Anteil perspektivisch gröĂer werden.

