Waffen und Sprengstoff? Polizeirazzia bei AfD-Politiker
07.08.2025 - 13:09:51Die Polizei hat bei Durchsuchungen im SĂŒdwesten Mecklenburg-Vorpommerns nach eigenen Angaben Waffen und Sprengstoff sichergestellt - nach dpa-Informationen bei dem AfD-Politiker Philip Steinbeck. Steinbeck, der fĂŒr die AfD im Kreistag von Ludwigslust-Parchim sitzt, schrieb auf Anfrage der dpa: «Schwarzpulver fĂŒr Vorderlader ist kein Sprengstoff und Deko-Waffen sind keine Kriegswaffen!». Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.
Eine Polizeisprecherin sagte, die Funde mĂŒssten nun auf ihre strafrechtliche Relevanz untersucht werden, etwa inwiefern es sich um scharfe Waffen handele.Â
Am Mittwochabend hatte die Behörde ĂŒber Durchsuchungen in LĂŒbtheen (Ludwigslust-Parchim) informiert. Die Rede war von einem 60-jĂ€hrigen TatverdĂ€chtigen und vom Verdacht des unerlaubten Waffenbesitzes sowie des VerstoĂes gegen das Sprengstoffgesetz. Neben dem WohngebĂ€ude des Mannes seien weitere Objekte durchsucht worden. Dabei seien mehrere scharfe Waffen gefunden worden, deren Besitz unter anderem gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoĂe. Auch Sprengstoff in gröĂerer Menge sei sichergestellt worden.
An dem Einsatz waren laut Polizei etwa 60 Beamte beteiligt, darunter SpezialkrÀfte des Landeskriminalamtes. Auch Sprengstoffhunde sowie der Munitionsbergungsdienst waren vor Ort. Eine Polizeisprecherin sagte, die Aktion habe von morgens 6.30 Uhr bis 3.00 Uhr nachts gedauert.
AfD-Politiker verweist auf eigene Bedrohungslage
«Die Polizei ist hier tatsÀchlich nicht als mein Gegner», schrieb Steinbeck. Sie gehe einer Bedrohungslage gegen ihn nach. «Seit Monaten gab es immer wieder VorfÀlle, die mir Anlass zur zunehmenden Sorge bereiteten.»
Im April dieses Jahres war die Polizei nach eigenen Angaben bereits zu demselben Objekt gefahren. Der Hausbesitzer habe per Notruf zwei bewaffnete Einbrecher in seinem Haus gemeldet, schilderte die Polizei damals in einer Mitteilung. Eine Gefahrenlage konnte demnach nicht festgestellt werden.Â
Der Hausbesitzer sei mit einer Pistole angetroffen worden, nach seinen Angaben zur Selbstverteidigung. Er sei kooperativ gewesen und habe die Waffe ausgehĂ€ndigt. Um Gefahren fĂŒr sich selbst oder andere auszuschlieĂen, wurden laut Polizei damals sĂ€mtliche rechtmĂ€Ăig eingetragenen Waffen des SportschĂŒtzen sichergestellt.Â
Landkreis: Waffenverbot ist in Vorbereitung
Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Schwerin bestĂ€tigte, dass auch Erkenntnisse aus dem damaligen Einsatz zur jĂŒngsten Aktion gefĂŒhrt hĂ€tten. Den Namen Steinbeck bestĂ€tigte er nicht.
Der Landkreis Ludwigslust-Parchim erklĂ€rte auf dpa-Anfrage: «Die waffenrechtlichen Erlaubnisse sind widerrufen worden, der Besitz der bei der Waffenbehörde registrierten Waffen wurde untersagt.» Der Landkreis bezog sich auf den Polizeieinsatz, bestĂ€tigte aber nicht, dass Steinbeck betroffen sei. «Ein generelles Waffenverbot ist in Vorbereitung.» GrĂŒnde dafĂŒr wurden nicht genannt.Â
Innenminister lobt EinsatzkrÀfte
Auch der Schweriner Innenminister Ă€uĂerte sich nicht zur IdentitĂ€t des TatverdĂ€chtigen, lobte aber die Aktion. «Mein Dank gilt allen eingesetzten KrĂ€ften, insbesondere den Spezial- und UnterstĂŒtzungseinheiten. Sie haben mit hoher Fachlichkeit, Umsicht und Entschlossenheit gehandelt», wurde Christian Pegel (SPD) zitiert. «Derartige Funde sind alarmierend.»
Der Landesvorsitzende der Linken, Hennis Herbst, nahm die Aktion zum Anlass, auf ein AfD-Verbotsverfahren zu drĂ€ngen. Katharina Horn, Landesvorsitzende der GrĂŒnen, warnte: «Wer jetzt noch mit dem Brandmauer-Abriss spielt, stellt Macht ĂŒber Demokratie â und gefĂ€hrdet uns alle.» Der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Julian Barlen, forderte eine umfassende AufklĂ€rung. «Wir erwarten, dass die Behörden die strafrechtliche Dimension ebenso wie mögliche politische ZusammenhĂ€nge vollstĂ€ndig ausleuchten.»


