Zufallstreffer: Festnahme mutmaĂlicher Spione in Bayern
23.04.2026 - 15:09:48 | dpa.de
In Bayern hat die Polizei bei einer Routinekontrolle auf der Autobahn möglicherweise zwei auslĂ€ndische Agenten aus dem Verkehr gezogen. Die beiden MĂ€nner, ein 45-jĂ€hriger Lette und ein 43-jĂ€hriger Ukrainer seien bereits am 12. April auf der Autobahn 6 im mittelfrĂ€nkischen Neuendettelsau festgenommen worden, teilte das Landeskriminalamt in MĂŒnchen mit. Beide sitzen seither in Untersuchungshaft.Â
FĂŒr wen die MĂ€nner spionierten, blieb in der knappen Mitteilung offen. Es bestehe der Verdacht, dass sie «im Auftrag einer Vereinigung beziehungsweise einer Einrichtung auĂerhalb Deutschlands handelten», hieĂ es nur. Auch die Generalstaatsanwaltschaft in MĂŒnchen, sie hatte den Haftbefehl beantragt, wollte auf Nachfrage keine weiteren Details zu dem Fall nennen.
Fest steht bisher nur, dass nach den mutmaĂlichen Spionen, die wohl eine Person ausgespĂ€ht haben sollen, nicht gefahndet worden war. Auch waren die MĂ€nner, den deutschen Sicherheitsbehörden zuvor nach bisherigen Erkenntnissen nicht bekannt. Dass den Polizeibeamten bei der Kontrolle etwas verdĂ€chtig erschien, hĂ€ngt dem Vernehmen nach mit den Papieren, die sie vorgezeigt haben, zusammen.
Innenminister lobt Ermittlungserfolg und mahnt Wachsamkeit an
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann lobte auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur den Ermittlungserfolg, «der zeigt, dass wir konsequent gegen jede Art der Spionage und jegliche AgententĂ€tigkeiten, insbesondere aus dem Ausland, vorgehen». Angesichts der zunehmenden Bedrohung seien alle aufgerufen, «sensibel zu sein, weil niemand davor gefeit ist, Opfer von Sabotage, Spionage oder Desinformation zu werden». Spionage und Sabotage wĂŒrden in Deutschland wie in Bayern zunehmen und die Behörden anhaltend beschĂ€ftigen.Â
Polizei findet im Auto «verdÀchtige GegenstÀnde» wie eine Drohne
Im Auto der beiden MĂ€nner hĂ€tten die Beamten den Angaben zufolge bei der Kontrolle «diverse verdĂ€chtige GegenstĂ€nde» sichergestellt, hieĂ es weiter. Darunter seien gefĂ€lschte Ausweisdokumente, Kameras, eine Drohne, GPS-Tracker, FunkgerĂ€te sowie mehrere Telefone samt SIM-Karten gewesen. Die beiden MĂ€nner seien in ihrem Auto auf dem Weg in Richtung Waidhaus/Pilsen - also nach Tschechien - unterwegs gewesen. Beide MĂ€nner hĂ€tten zudem keinen festen Wohnsitz in Deutschland. Gegen sie wird wegen des Verdachts der AgententĂ€tigkeit zu Sabotagezwecken sowie des Verschaffens von gefĂ€lschten Ausweisen ermittelt.Â
VerfassungsschutzprÀsident: Mehr Spionage in Deutschland
Der PrĂ€sident des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz (BfV), Sinan Selen, hatte ebenfalls bereits vor einiger Zeit erklĂ€rt, dass das Niveau von gegen Deutschland gerichteter Spionage, Sabotage und gefĂ€hrlichen Aktionen nach EinschĂ€tzung seiner Behörde deutlich zugenommen habe. Auch «Tötungsoperationen» auf deutschem Boden seien demnach nicht mehr auszuschlieĂen.
Deutschland werde etwa von Russland «als Gegner, mitunter als Feind Nummer eins» wahrgenommen, sagte der BfV-PrĂ€sident damals. Im Fokus auslĂ€ndischer Operationen stĂŒnden insbesondere die Logistikbranche sowie der RĂŒstungs- und der Technologiesektor. Russland sei dabei der maĂgebliche Kontrahent, aber bei weitem nicht der Einzige. Ob die beiden festgenommenen MĂ€nner in einem Zusammenhang zu Russland stehen, wurde aber nicht bestĂ€tigt.Â
Nach verschiedenen Sabotageakten in den vergangenen Monaten hieà es aus den Sicherheitsbehörden, Deutschland stehe zwar im Fokus solcher russischen AktivitÀten. Es sei aber falsch, in jedem Fall von Sabotage vorschnell die Urheberschaft eines russischen Geheimdienstes zu vermuten.
Im MĂ€rz ebenfalls Festnahme von zwei mutmaĂlichen SpionenÂ
Im MĂ€rz hatte die Bundesanwaltschaft Rheine in Nordrhein-Westfalen eine 45 Jahre RumĂ€nin und im spanischen Elda einen 43-jĂ€hrigen Ukrainer wegen mutmaĂlicher geheimdienstlicher AgententĂ€tigkeiten festnehmen lassen. Sie sollen einen Mann aus Deutschland, der Drohnen und dazugehörige Bauteile in die Ukraine liefert, im Auftrag eines russischen Geheimdienstes ausspioniert haben. Damals war das Bayerische Landeskriminalamt ebenso wie das BfV in die Ermittlungen involviert.
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