Nach Lina-E.-Urteil erneut Krawalle in Leipzig
03.06.2023 - 21:00:30 | dpa.deIn Leipzig hat die Polizei bis in die frĂŒhen Morgenstunden Demonstranten eingekesselt. Das teilte ein Sprecher der Leipziger Polizei am Sonntagmorgen mit. Am Samstagabend hatte die Polizei begonnen, Personalien aufzunehmen. Insgesamt seien schĂ€tzungsweise 500 Menschen eingekesselt worden, hieĂ es. Um IdentitĂ€ten festzustellen, seien auch Demonstranten mit auf die Polizeiwache gebracht worden.
Nach der Demonstration hat ein Haftrichter bis zum Abend fĂŒnf Haftbefehle erlassen. Das teilte eine Sprecherin der Polizei am Samstagabend auf Anfrage mit. Betroffen seien fĂŒnf MĂ€nner im Alter zwischen 20 und 32 Jahren. Sie hatten an der Demonstration am Alexis-Schumann-Platz teilgenommen. Nach Angaben der Sprecherin wird ihnen Landfriedensbruch vorgeworfen.
In Leipzig hat es am Samstag nach dem Urteil gegen Lina E. wegen linksextremistischer Gewalttaten erneut Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten gegeben. Bei einer Demonstration am Alexis-Schumann-Platz gab es BöllerschĂŒsse, Steine, Flaschen und ein Brandsatz wurden auf Polizisten geworfen.
Mehrere Beamte wurden verletzt
Rund 1500 Teilnehmer hatten sich laut Polizei am Samstagnachmittag zu der Demonstration versammelt, davon nach diesen Angaben ein Drittel gewaltbereite. Angemeldet waren 100 Demonstranten. Die Versammlung blieb zunÀchst friedlich, eskalierte dann aber. Mehrere Beamte seien von Steinen und anderen Wurfgeschossen getroffen und verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher am Samstagabend. Zur genauen Zahl der verletzten Beamten machte die Polizei zunÀchst keine Angaben.
«Die Lage auf der Karl-Liebknecht-StraĂe wird unfriedlich. Unsere KrĂ€fte werden immer wieder attackiert und mit Steinen/Pyrotechnik beworfen», schrieb die Polizei am Samstagabend bei Twitter. Man appelliere an alle Personen dort, sich von StraftĂ€tern zu distanzieren und friedlich zu verhalten. «Unbeteiligte werden gebeten, den Bereich zu verlassen bzw. zu meiden.»
In linken Kreisen war bundesweit fĂŒr die Demonstration am Samstag mobilisiert worden. Anlass ist das Urteil gegen Lina E. und drei Mitangeklagte wegen ĂberfĂ€llen auf vermeintliche oder tatsĂ€chliche Neonazis, bei denen mehrere Menschen teils schwer verletzt worden waren. Die 28-JĂ€hrige war am Mittwoch vom Oberlandesgericht Dresden zu fĂŒnf Jahren und drei Monaten Haft verurteilt worden.
Bis zum Nachmittag war die Lage zunĂ€chst friedlich geblieben. Trotz des endgĂŒltigen Verbots einer groĂen «Tag X»-Demonstration der linksradikalen Szene war die Polizei mit einem GroĂaufgebot in der Stadt prĂ€sent. Zudem fanden in der Stadt das Sachsenpokal-Finale, das Stadtfest sowie ein Konzert von Herbert Grönemeyer statt. An Zufahrtswegen in die Stadt sowie am Bahnhof gab es den ganzen Tag Kontrollstellen. Am frĂŒhen Samstagnachmittag brannten mehrere Fahrzeuge und MĂŒlltonnen.
Eilantrag in Karlsruhe erfolglos
Die «Tag X»-Demo sollte eigentlich am Samstag um 17.00 Uhr in der Wolfgang-Heinze-StraĂe stattfinden. Die Stadt hatte diese jedoch verboten. Das Verbot war sowohl vom Verwaltungsgericht Leipzig als auch vom SĂ€chsischen Oberverwaltungsgericht bestĂ€tigt worden. Auch eine Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht blieb erfolglos. Sie wurde nicht zur Entscheidung angenommen.
Nach den Krawallen gab es Kritik der Linken am Vorgehen der Polizei. Ihr ParlamentsgeschĂ€ftsfĂŒhrer im sĂ€chsischen Landtag, Marco Böhme, warf der Polizei bei Twitter vor, sie habe die Lage durch das «faktische Verbot» eskalieren lassen. Die Linken-Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz kritisierte die Entscheidung, die Demonstranten nicht laufen zu lassen. «Deeskalation sieht anders», so die Politikerin bei Twitter. Das linksgerichtete BĂŒndnis «Dresden Nazifrei» bezeichnete das Auftreten der Polizei als «martialisch».
Der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Fischer verteidigte den Einsatz: «Das Gewaltmonopol liegt beim Staat! Wer Gewalt ausĂŒbt, spĂŒrt die Konsequenzen», so der Politiker via Twitter. Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer, der mit Innenminister Armin Schuster (beide CDU) am Nachmittag das Lagezentrum besucht hatte, dankte der Polizei fĂŒr ihren Einsatz. «Das Ziel ist Menschen und Sachwerte zu beschĂŒtzen und GewalttĂ€ter festzunehmen», erklĂ€rte der CDU-Politiker via Twitter.
Brennende Barrikaden
Bereits am Freitagabend hatte es in Connewitz Randale gegeben. Vermummte hatten Polizisten angegriffen. Nach dem zunĂ€chst friedlichen Verlauf einer Versammlung am Wiedebachplatz im Stadtteil Connewitz wurden aus einer Menge von bis zu 700 Vermummten heraus Steine geworfen und Pyrotechnik gezĂŒndet. Sowohl dort als auch in NebenstraĂen brannten Barrikaden aus MĂŒlltonnen und Baustellenabsperrungen. Die Polizei setzte TrĂ€nengas ein und wurde nach eigenen Angaben von HausdĂ€chern mit GegenstĂ€nden beworfen.
Die meisten brennenden Barrikaden waren kurz nach Mitternacht gelöscht, teils mit Hilfe von Wasserwerfern. Nach ersten Erkenntnissen wurden 23 Beamte verletzt. Einer von ihnen wurde im Krankenhaus behandelt. Ein Journalist wurde den Angaben zufolge von einer unbekannten Person attackiert und leicht verletzt. 17 Einsatzfahrzeuge der Polizei wurden beschÀdigt. Acht Fahrzeuge waren in Brand gesetzt worden, darunter auch Autos von Anwohnern, hieà es.
An einer Bankfiliale wurde Schaden «in hoher fĂŒnfstelliger Summe» verursacht, wie die Polizei mitteilte. Ermittelt wird unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs. Den Angaben zufolge wurden fĂŒnf TatverdĂ€chtige festgenommen, drei Menschen kamen in Gewahrsam.
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