Zölle, Irrweg

Zölle sind ein Irrweg: BPI warnt vor Folgen fĂŒr die Gesundheitsversorgung

09.04.2025 - 14:46:42

Berlin - AnlĂ€sslich der heute in Kraft getretenen US-Zölle in Höhe von 20 Prozent auf europĂ€ische Produkte warnt der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie e.V. (BPI) vor möglichen Folgen fĂŒr die medizinische Versorgung: "Medizinische Versorgungssicherheit darf nicht zum Spielball geopolitischer Auseinandersetzungen werden. Handelshemmnisse wie Strafzölle schaden allen Beteiligten - Unternehmen, Gesundheitssystemen und am Ende sind vor allem die Patientinnen und Patienten die Leidtragenden. Zwar sind Pharmazeutika (Fertigarzneimittel) aktuell noch von den Zollmaßnahmen ausgenommen, allerdings scheint dies nur eine Frage der Zeit zu sein. Weitere Zölle drohen und schon jetzt ist der Gesundheitsbereich in mehrfacher Hinsicht betroffen - direkt und indirekt", betont Kirst.

Medizinprodukte bereits betroffen

"Medizinprodukte unterliegen bereits den aktuell eingefĂŒhrten US-Zöllen in Höhe von 20 Prozent. Auch bei ihren oftmals verwendeten Komponenten, wie Stahl- und Aluminiumprodukten, wird ein Zollsatz von 25 Prozent erhoben", erklĂ€rt Kirst. "Fraglich bleibt, ob die US-Zölle sektoral und temporĂ€r weiter ausgeweitet werden. Inwieweit auch Kombinationen von Medizinprodukten und Arzneimitteln davon betroffen sein wĂŒrden, lĂ€sst sich derzeit nur schwer abschĂ€tzen. Ebenso wie Arzneimittel mĂŒssen auch Medizinprodukte von Handelskonflikten ausgenommen sein. Gleiches gilt fĂŒr die Tiermedizin - fĂŒr Tierarzneimittel und veterinĂ€rmedizintechnische Produkte", betont Kirst.

Plasmaversorgung in kritischer AbhÀngigkeit

Ein besonders sensibler Bereich ist die Versorgung mit Blutplasma. "Die USA sind weltweit fĂŒhrend bei Plasmaspenden. Auch im Sinne der Patientensicherheit sind sie fĂŒr Deutschland ein unverzichtbarer Partner. Rund 20 Millionen Liter Plasma werden jĂ€hrlich aus den USA nach Europa geliefert. Europa selbst produziert nur etwa 8,8 Millionen Liter jĂ€hrlich - bei einem Bedarf von etwa zwölf Millionen Litern. Der Rest muss folglich durch Importe aus den USA gedeckt werden", erklĂ€rt Kirst.

"WĂ€hrend Europa zwar ĂŒber die nötige ProduktionskapazitĂ€t zur Weiterverarbeitung des Rohplasmas in europĂ€ischen Fraktionieranlagen verfĂŒgt, mangelt es hierzulande jedoch an ausreichend eigenen Plasmaspenden. Zudem ist die Herstellung von Blutplasmaprodukten hochkomplex und erfordert eine lange Produktionsvorlaufzeit. VersorgungsengpĂ€sse werden erst nach etwa sieben bis zwölf Monaten sichtbar. Seit vielen Jahren weisen wir als BPI darauf hin, dass die Versorgungslage angespannt ist. Wir plĂ€dieren fĂŒr unterschiedliche politische Hebel, um die Patientenversorgung mit Blutplasmaprodukten langfristig zu stabilisieren (vgl. BPI-Positionspapier: Liefersicherheit von lebenswichtigen Blutplasmaprodukten)", betont Kirst. "Zölle auf Vorprodukte wie Rohplasma oder Teilfraktionen als Form einer möglichen Gegenreaktion der EU wĂŒrden die Situation zusĂ€tzlich verschĂ€rfen", ergĂ€nzt Kirst.

USA: Bislang wichtigster Handelspartner fĂŒr die deutsche Pharmaindustrie

Die USA sind fĂŒr Deutschland sowohl der wichtigste Export- als auch Importpartner im pharmazeutischen Bereich. Die BPI-Pharma-Daten 2024 zeigen:

Ein RĂŒckgang dieser Handelsströme hĂ€tte auch laut dem Ifo-Institut Konsequenzen: Allein im pharmazeutischen Bereich könnten deutsche Exporte in die USA um bis zu 35 Prozent einbrechen - mit potenziellen Folgen fĂŒr Produktion, BeschĂ€ftigung und Forschung in Deutschland.

"Die Probleme sind vielschichtig: Zölle verteuern nicht nur die Einfuhren und damit den Marktzugang in den USA, sondern belasten auch das US-Gesundheitssystem selbst. Sie treiben die Kosten hoch und wirken sich auf die Bezahlbarkeit von Therapien aus. Am Ende sind vor allem die Patientinnen und Patienten die Leidtragenden", sagt Kirst.

BPI ruft Politik auf: EU-Pharmastandort weiter stÀrken

"Wir verstehen die aktuellen Entwicklungen als Weckruf fĂŒr die Politik, AbhĂ€ngigkeiten erneut zu hinterfragen und den Pharmastandort Europa gezielt zu stĂ€rken. Unsere Industrie ist auf stabile, globale Lieferketten angewiesen", betont Kirst. "Entscheidend ist jetzt eine entschlossene Industrie- und Standortpolitik. Unsere Unternehmen brauchen Planungssicherheit. Zudem mĂŒssen wir unsere strategische Autonomie in alle Richtungen stĂ€rken - mit Blick auf AbsatzmĂ€rkte, Importquellen pharmazeutischer Erzeugnisse und Handelspartner. Gerade bei der Gesundheitsversorgung muss der Schutz des Menschen im Vordergrund stehen - nicht der Zolltarif", betont Kirst.

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