Zwischen GKV-Reform und Standortpolitik: Menschen mit Seltenen Erkrankungen brauchen RĂŒckhalt
26.02.2026 - 12:59:26 | presseportal.de
Rund vier Millionen Menschen in Deutschland leben mit einer Seltenen Erkrankung. Weltweit sind etwa 8.000 Seltene Leiden bekannt - doch nur fĂŒr rund 200 existiert bislang eine spezifische Therapie. Arzneimittel gegen Seltene Leiden (Orphan Drugs) sind fĂŒr die betroffenen Patientinnen und Patienten - hĂ€ufig Kinder und junge Menschen - oft die einzige Behandlungsoption und damit Hoffnung auf LebensqualitĂ€t oder gar Ăberleben.
"Gerade in Zeiten intensiver Reformdiskussionen darf die Versorgung der SchwĂ€chsten nicht weiter unter Kostendruck geraten", betont Dr. Matthias Wilken, GeschĂ€ftsfĂŒhrer Market Access beim BPI. "Wer politisch ĂŒber Versorgungssicherheit und gleichzeitig ĂŒber die Frage der globalen WettbewerbsfĂ€higkeit diskutiert, wie attraktiv der Innovationsstandort Deutschland fĂŒr pharmazeutische Unternehmen noch ist, der muss Orphan Drugs in allen Debatten ausdrĂŒcklich mitdenken. Denn hier entscheidet sich, ob medizinischer Fortschritt auch bei kleinsten Patientengruppen mit einem hohen ungedeckten medizinischen Bedarf ankommt."
Forschung fĂŒr kleine Patientengruppen braucht Planungssicherheit
Die EU-Orphan-Drug-Verordnung (EG) Nr. 141/2000 ist ein Meilenstein, um mit gezielten Anreizen die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich auszubauen. Die PrĂŒfung der Bedingungen und die Anerkennung des Orphan-Drug-Status erfolgt ĂŒber die EuropĂ€ische Arzneimittel-Agentur (EMA). Doch bereits in der Vergangenheit wurden auf nationaler Ebene Erstattungsbedingungen fĂŒr Orphan Drugs verschĂ€rft - etwa durch zusĂ€tzliche Bewertungsanforderungen oder abgesenkte Umsatzschwellen.
"Pharmazeutische Unternehmen entwickeln Orphan Drugs mit hohem Risiko und groĂem Ressourceneinsatz fĂŒr sehr kleine Patientengruppen. Wenn zusĂ€tzliche HĂŒrden in der Kostenerstattung aufgebaut und damit wirtschaftliche Perspektiven fĂŒr Unternehmen eingeschrĂ€nkt wĂŒrden, gefĂ€hrdet dies Investitionen in genau jene Therapiebereiche. Gerade mit Blick auf die zunehmend aktive Industriepolitik in den USA braucht Europa - und insbesondere Deutschland - planbare und wettbewerbsfĂ€hige Rahmenbedingungen", ergĂ€nzt Wilken.
Politisch Verantwortung fĂŒr Menschen mit Seltenen Erkrankungen wahrnehmen
"Die Politik steht immer wieder vor wichtigen gesundheits- und industriepolitischen Weichenstellungen. Deutschland sollte in der Pharma-Strategie und bei allen GKV-Reformen deutlich machen: Die UnterstĂŒtzung fĂŒr Menschen mit seltenen Erkrankungen bleibt eine politische PrioritĂ€t. Orphan Drugs sind Ausdruck medizinischen Fortschritts fĂŒr besonders vulnerable Gruppen - sie werden auch zukĂŒnftig dringend benötigt", resĂŒmiert Wilken.
Weitere Informationen zu "Orphan Drugs"
BPI-Themendienst "Orphan Diseases"
BPI-Animationsfilm: "Seltene Leiden - Vorurteile und Fakten"
Podcast "Diagnose-Kompass" zum Thema Seltenen Erkrankungen
Episode 7: Dr. Matthias Wilken, BPI-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Market Access, MĂ€rkte und Versorgung spricht ĂŒber die Herausforderungen und neuen Entwicklungen bei der AMNOG-Bewertung von Orphan Drugs.
Pressekontakt:
Laura Perotti (Kommissarische Pressesprecherin),
Tel. 030 27909-131, presse@bpi.de
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