Apotheker klagen ĂŒber AusfĂ€lle im System fĂŒr E-Rezepte
08.08.2025 - 16:10:54(neu: Stellungnahme Gematik)
BERLIN (dpa-AFX) - Die ApothekerverbĂ€nde beklagen, dass das E-Rezept-System öfter ausfĂ€llt oder instabil lĂ€uft. Das elektronische Rezept laufe der Deutschen Bahn in Sachen UnzuverlĂ€ssigkeit den Rang ab, sagte der Chef der Bundesvereinigung, Thomas Preis, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). "Ein ausgefallener Zug ist Ă€rgerlich, aber ein nicht abrufbares E-Rezept kann erhebliche Konsequenzen fĂŒr die Gesundheit von Menschen haben."
Allein in den vergangenen beiden Wochen sei es an fĂŒnf Tagen zu KomplettausfĂ€llen oder erheblichen BeeintrĂ€chtigungen im E-Rezept-System oder der dahinter liegenden Telematik-Infrastruktur gekommen, sagte er. "Jedes Mal sind Zehntausende Patienten betroffen."
"Diese UnzuverlÀssigkeit ist nicht hinnehmbar"
Weiter sagte Preis, zur Digitalisierung des Gesundheitswesens gebe es keine Alternative. "Aber diese UnzuverlĂ€ssigkeit ist nicht hinnehmbar." Die verantwortliche Gesellschaft Gematik mĂŒsse dafĂŒr sorgen, dass Apotheken und Arztpraxen in einem stabilen System arbeiten können. "Die Ausfallsicherheit des Systems muss wesentlich verbessert werden." Und bei AusfĂ€llen brĂ€uchten Apotheken mehr Handlungsfreiheiten, um Patienten trotzdem zu versorgen.
Die Gematik erklĂ€rte auf Anfrage, es gebe nur selten EinschrĂ€nkungen, die die Gesamtinfrastruktur beim E-Rezept betreffen. "Dennoch gibt es Komponenten und Dienste, die fĂŒr die Nutzung des E-Rezepts benötigt werden und die in letzter Zeit von BeeintrĂ€chtigungen betroffen waren", rĂ€umte die Gesellschaft ein. Ein stabiler und sicherer Betrieb habe oberste PrioritĂ€t. Die Gematik arbeite kontinuierlich daran, die VerlĂ€sslichkeit und StabilitĂ€t des Systems - insbesondere des E-Rezepts - weiter zu verbessern, hieĂ es.
Seit Januar 2024 ist das E-Rezept verpflichtend
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte ein Vorwarnsystem fĂŒr Störungen. "Die Zeiten der Blackbox E-Rezept sind unverzĂŒglich zu beenden", sagte Vorstand Eugen Brysch. Mit einem "tagesaktuellen E-Rezept-Radar" könnten Ărzte direkt darĂŒber informiert werden, ob das System funktioniert oder ein Papierrezept ausgegeben werden muss. Von Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) verlangte Brysch, sie mĂŒsse die Gematik anweisen, einen monatlichen Störungsbericht vorzulegen.
Seit Januar 2024 ist das E-Rezept fĂŒr verschreibungspflichtige Medikamente verpflichtend. Das Ziel: mehr Komfort und weniger Wege in die Arztpraxis. HĂ€ndische Unterschriften und Wege entfallen, Folgerezepte können ohne erneuten Patientenbesuch ausgestellt werden. Wer will, kann das Rezept auch als Papierausdruck bekommen.

