SouverÀnitÀt, Zahlungsverkehr

SouverÀnitÀt im Zahlungsverkehr / Digitaler Euro & Co. - StÀrken die Gesetzesvorhaben von heute Europas Zahlungsverkehr von morgen?

21.03.2024 - 10:55:08

Berlin - Die EuropĂ€ische Union hat im vergangenen Jahr eine Vielzahl von regulatorischen Vorhaben auf den Weg gebracht, die den europĂ€ischen Zahlungsverkehr von morgen stĂ€rken und souverĂ€ner aufstellen sollen - so die Idee. Doch gerade die EinfĂŒhrung des digitalen Euro hat das Potential, den Zahlungsverkehrsmarkt in Europa gĂ€nzlich neu zu ordnen und die Position der aktuellen Marktteilnehmer neu zu bestimmen. Wie viel Innovationspotenzial und SouverĂ€nitĂ€tskraft bringen die aktuellen Regulierungsvorhaben und Marktinitiativen fĂŒr den Zahlungsverkehr in Europa tatsĂ€chlich mit? LĂ€uft die EU Gefahr mit den geplanten Regulierungen vielversprechende privatwirtschaftliche Innovationen zu hemmen? Über diese und viele weitere Fragen wurde im Rahmen des Parlamentarischen Abends der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. gestern in Berlin diskutiert.

Die aktuellen Regulierungsvorhaben sollen eine stĂ€rkere Innovations- und WettbewerbsfĂ€higkeit fĂŒr Europas Zahlungsverkehr mitbringen - insbesondere der digitale Euro. Vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Konflikte in Europa hat das Streben nach SouverĂ€nitĂ€t in diesem Bereich einen immer höheren Stellenwert gewonnen. FĂŒr privatwirtschaftliche Akteure, die zwangslĂ€ufig an der Umsetzung und Bereitstellung des digitalen Euro beteiligt sind, ergeben sich noch viele Fragen. Nicht nur zu allgemeinen Themen wie der praktischen Ausgestaltung, sondern auch dem Zusammenwirken mit bereits existierenden Bezahlsystemen in Europa - wie etwa dem digitalen Wallet "wero" der European Payment Initiative (EPI). Gemeinsam diskutierten ĂŒber 110 GĂ€ste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft auf dem 18. Parlamentarischen Abend der Initiative ĂŒber diese Fragestellungen. Eröffnet wurde der Abend von Dr. Eva Wimmer, Leiterin der Abteilung Finanzmarktpolitik im Bundesministerium der Finanzen, die einen Überblick zu den aktuellen Entwicklungen im europĂ€ischen Zahlungsverkehrsrecht und dessen Auswirkungen fĂŒr Deutschland und Europa gab.

Bestehende vs. neue Bezahlsysteme - wie gelingt der Spagat im europÀischen Zahlungsverkehr?

Welche Chancen aber auch Herausforderungen die aktuellen europĂ€ischen Regulierungsvorhaben fĂŒr die Zahlungsverkehrsbranche mit sich bringen, hat Dr. Joachim Schmalzl, geschĂ€ftsfĂŒhrendes Vorstandsmitglied beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband e.V., in seinem anschließenden Vortrag nĂ€her beleuchtet. Als Vertreter der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) machte er deutlich, dass europĂ€ische Regulierungsvorhaben auch souverĂ€ne, nationale Zahlungsverfahren schĂŒtzen und fördern sollten: "Die girocard steht im Zentrum unseres nationalen Zahlungsverkehrs und bietet sowohl Verbraucherinnen und Verbrauchern als auch dem Handel bedeutende Vorteile, weil sie ein Ă€ußerst effizientes Zahlverfahren ist. Sie ist ein Symbol fĂŒr Wirtschaftlichkeit und SouverĂ€nitĂ€t in Deutschland und Europa." Neben nationalen Bezahlverfahren, wie der girocard, betrachtete Dr. Joachim Schmalzl als Aufsichtsratsvorsitzender von EPI vor allem auch die EinfĂŒhrung des digitalen Wallets "wero" als wichtigen Baustein auf dem Weg zu mehr SouverĂ€nitĂ€t im europĂ€ischen Zahlungsverkehr: "Beide Systeme, girocard und wero, tragen auf ihre Weise dazu bei, eine zukunftssichere und unabhĂ€ngige Zahlungsinfrastruktur in Europa zu schaffen."

Mit dem digitalen Euro zu einem souverÀneren Europa?

Ob und wie der digitale Euro konkret zu mehr SouverĂ€nitĂ€t und Innovationskraft in der Zahlungsverkehrslandschaft von Europa beitragen kann, wurde in der anschließenden Podiumsdiskussion diskutiert. Katharina Paust-Bokrezion, Head of Payments & Digital Policy bei der Deutsche Bank AG, machte dabei deutlich, dass der Weg zu einem souverĂ€neren Europa auch stark mit Ressourceneffizienz zusammenhĂ€nge. Im aktuellen geopolitischen Umfeld mĂŒsse die EU Themen fĂŒr mehr UnabhĂ€ngigkeit und SouverĂ€nitĂ€t priorisieren, um ihre WettbewerbsfĂ€higkeit zu sichern: "Dazu gehört auch die UnabhĂ€ngigkeit und Resilienz des europĂ€ischen Zahlungsverkehrs in allen EU-LĂ€ndern und fĂŒr alle EU-WĂ€hrungen. Der digitale Euro wird dabei eine wichtige Rolle spielen, kann aber nur ein Teil der EU-weiten Zahlungslandschaft bestehend aus der gut funktionierenden SEPA- Infrastruktur, weitverbreiteten Karten-Schemes und multifunktionalen Wallet-Angeboten, wie wero von EPI, sein."

Eine zentrale Frage hinsichtlich der konkreten Rahmenbedingungen des digitalen Euro zeigte sich in der Diskussion zu seiner praktischen Ausgestaltung. Kevin Hackl, Bereichsleiter Digital Banking & Financial Services beim Bitkom e.V., plĂ€diert vor allem fĂŒr mehr TrennschĂ€rfe in der öffentlichen Debatte. "Die aktuell grĂ¶ĂŸte Unbekannte beim Retail-Euro resultiert in zwei Fragen: Wie ist er ausgestaltet und wer möchte ihn nutzen? HierfĂŒr muss in der Debatte besser zwischen dem Digital-Euro-Token, dem eigentlichen Bezahlmittel, und der Infrastruktur, also der Einsatzumgebung differenziert werden." Der Digitalverband fordert beispielsweise den Einsatz des digitalen Euro auf dezentralen Blockchains. Nur mit einer transparenten und korrekt gefĂŒhrten Diskussion werde man den Interessen der institutionellen und privatwirtschaftlichen Stakeholder gerecht und könne Innovation weiter voranbringen. Dies sei enorm wichtig - vor allem in Hinblick auf das VerstĂ€ndnis innerhalb der Bevölkerung und dem Nutzen fĂŒr Verbraucher:innen.

Die Frage nach der Verbraucherfreundlichkeit ist auch fĂŒr Dr. Jens Zimmermann, Mitglied des Deutschen Bundestages und digitalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, wichtiger Teil der Debatte: "Der digitale Euro muss echtes Zentralbankgeld sein und keine weitere Form von E-Geld, das es bereits gibt. Nur so kann er Verbraucher:innen einen echten Mehrwert bieten. Und darĂŒber hinaus steht fĂŒr Verbraucher:innen die Usability-Frage besonders im Zentrum. Und erst wenn sowohl User, neben anderen Akteuren wie auch Zahlungsdienstleistern, ihre BedĂŒrfnisse durch Funktionen des digitalen Euros abgedeckt sehen, steuert das Projekt auf Erfolg zu." Das sei maßgebend fĂŒr den Erfolg oder das Scheitern der europĂ€ischen ZentralbankwĂ€hrung.

Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Ziel

Bei der Dichte von regulatorischen Vorhaben sowie privatwirtschaftlichen Entwicklungen auf EU-Ebene darf das große Ganze nicht aus den Augen verloren werden: stĂ€rkere SouverĂ€nitĂ€t im (digitalen) Zahlungsverkehr. "Denn auch wenn der digitale Euro das Potential hierfĂŒr mitbringt, muss die Ausgestaltung so vorangetrieben werden, dass zum einen der bestehende Markt nicht aus den Fugen gerĂ€t und zum anderen vielversprechende privatwirtschaftliche Vorhaben nicht an Wertigkeit verlieren - insbesondere, wenn beide das gleiche Ziel verfolgen. Nur gemeinsam kann Europas Zahlungsverkehr souverĂ€n und verbraucherorientiert fĂŒr die Zukunft aufgestellt werden", fasst Ingo Limburg, Vorstandsvorsitzender der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V., am Ende des Abends zusammen.

Zur Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.

Die Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. mit Sitz in Berlin versteht sich als Netzwerk fĂŒr Unternehmen und Institutionen, die die bargeldlosen Bezahlverfahren der Deutschen Kreditwirtschaft akzeptieren oder die notwendige Infrastruktur bereitstellen. Dazu gehört unter anderem auch die girocard als meist genutzte Debitkarte Deutschlands. Als Verein bĂŒndelt die Initiative Interessen von rund 80 Mitgliedern und vertritt sie gegenĂŒber Politik und Medien. Seit mehr als fĂŒnfzehn Jahren beschĂ€ftigt sich die Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. mit dem Bezahlen in Deutschland.

Zu den Bezahlverfahren

Die girocard, als meist genutzte Debitkarte Deutschlands, steckt nahezu in jedem deutschen Geldbeutel. Die Marke "girocard" steht fĂŒr den ĂŒbergeordneten Rahmen der deutschen Kreditwirtschaft: das girocard-Verfahren als Debitkarten-Zahlverfahren und das "Deutsches Geldautomaten-System". Der Name und das Logo girocard wurden 2007 von der Deutschen Kreditwirtschaft eingefĂŒhrt.

Pressekontakt:

Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V.
Elen Anka
Tel.: 030 439732-803
elen.anka@initiative-dz.de

Original-Content von: Initiative Deutsche Zahlungssysteme e.V. ĂŒbermittelt durch news aktuell

http://ots.de/5797e9

@ presseportal.de