Ruf nach mehr Transparenz bei Lebensmittelpreisen
29.08.2024 - 16:09:43(neu: mehr Details und Hintergrund)
BERLIN (dpa-AFX) - Die Verbraucherzentralen dringen wegen weiterhin teurer Lebensmittel in den SupermĂ€rkten auf mehr Transparenz durch eine Preisbeobachtungsstelle. Die Chefin des Bundesverbands, Ramona Pop, sagte: "Die Lebensmittelpreise gleichen einer Blackbox." Niemand wisse, wo in der Kette von den Bauern bis zum Handel möglicherweise unberechtigte Preissteigerungen und Gewinne entstĂŒnden. Der Bauernverband reagierte zurĂŒckhaltend, vom Einzelhandel kam Kritik.
Konkret schlagen die Verbraucherzentralen die Einrichtung einer Beobachtungsstelle bei der Bundesanstalt fĂŒr Landwirtschaft und ErnĂ€hrung vor. Sie erfasse bereits Daten zu Preisen und Kosten fĂŒr Lebensmittel und Produktgruppen, die bisher aber nicht strukturiert aufbereitet wĂŒrden. Die Beobachtung sollte mit nicht oder wenig verarbeiteten Grundnahrungsmitteln wie Obst und GemĂŒse starten. Erkenntnisse sollten einmal im Jahr dem Bundestag vorgelegt und zur Debatte gestellt werden. Dabei sollten Bio-Produkte wegen anderer Bedingungen separat betrachtet werden.
Transparenz soll unfaire Praktiken aufdecken
"Die Bundesregierung muss endlich Licht ins Dunkel der Preisgestaltung bei Lebensmitteln bringen", forderte Pop bei der Vorstellung einer in Auftrag gegebenen Machbarkeitsanalyse der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft. Transparenz könne unfaire Praktiken aufdecken und vor zu hohen Ladenpreisen schĂŒtzen. Beschwerden bei den Verbraucherzentralen dazu seien zuletzt gestiegen. Es sei bedenklich, dass der Einkauf fĂŒr viele mit geringen Einkommen zu einer Belastung geworden sei.
Die Preise fĂŒr Lebensmittel waren angesichts angespannter AgrarmĂ€rkte und hoher Energiepreise infolge von Russlands Krieg gegen die Ukraine 2022 und 2023 stark gestiegen und in Deutschland lange ein Inflationstreiber. Dies schwĂ€chte sich ab. Im August war Nahrung 1,5 Prozent teurer als ein Jahr zuvor - bei einer allgemeinen Inflationsrate von 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt nach vorlĂ€ufigen Daten mitteilte. Die Preise hĂ€tten sich auf hohem Niveau eingependelt, sagte Pop.
Unterschiedliche Reaktionen von Handel und Landwirte
Der Handelsverband erklĂ€rte, schon jetzt gebe es umfassende Meldepflichten entlang der Lebensmittelkette - und viele Möglichkeiten zum Preisvergleich. Der Vorschlag der Verbraucherzentralen folge der ĂŒberholten Theorie, wonach es einen von vornherein "gerechten" Preis gĂ€be. Der Wettbewerb funktioniere aber, und die Wettbewerbsfreiheit setze auch die Wahrung des GeschĂ€ftsgeheimnisses voraus. Mehr Transparenz wĂŒrde daher den Wettbewerb beschrĂ€nken und nicht zu niedrigen, sondern tendenziell höheren Verbraucherpreisen fĂŒhren.
Der Bauernverband erklĂ€rte, mehr Transparenz sei grundsĂ€tzlich positiv, eine Preisbeobachtungsstelle allein bringe aber noch keine Verbesserung. "Wirklich neue Erkenntnisse ĂŒber Preise und Handelsspannen sind nicht zu erwarten", sagte der stellvertretende GeneralsekretĂ€r Gerald Dohme der Deutschen Presse-Agentur. "Entscheidend ist, dass am Ende noch deutlich mehr auf den Betrieben ankommt." Derzeit bestehe dazu kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.
In der Machbarkeitsanalyse erlĂ€utert die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft, Beispiele aus anderen LĂ€ndern zeigten, dass die Einrichtung einer Preisbeobachtungsstelle in Deutschland möglich sei. DafĂŒr seien Geld und Personal nötig. Bei dem kontrovers diskutierten Thema sollten zudem alle relevanten Gruppen und Akteure eingebunden werden, um die notwendige Akzeptanz sicherzustellen.
Experte Hans-Christian Behr erlĂ€uterte, auf welche Kostenfaktoren der Ladenpreis beispielsweise bei Rispentomaten aus Deutschland zurĂŒckgeht: von Kosten etwa fĂŒr Pflanzenschutz, Arbeit und Transport bei den Bauern ĂŒber Kosten fĂŒr Verpackungen bei GroĂhandel oder Verarbeitern bis zur Marge und der Mehrwertsteuer im Handel.

