Keine Facharztpraxis mehr fĂŒr Kassenpatienten?
07.05.2024 - 15:25:09Zur Lösung des Problems empfiehlt die Regierungskommission, dass fast alle fachÀrztlichen Behandlungen nur noch an oder gemeinsam mit KrankenhÀusern stattfinden sollen. Zeitgleich verfolgt die Regierung das erklÀrte Ziel, die Anzahl der KrankenhÀuser um circa zwei Drittel zu reduzieren:
Lange Wartezeiten auf einen Termin beim Facharzt drohen wie bereits in England oder Schweden - sowie das Ende der Klinik vor Ort.
Weiterhin sollen PrimĂ€rversorgungszentren statt hausĂ€rztliche Praxen entstehen, die KrankenhĂ€user werden fĂŒr die hausĂ€rztliche Versorgung geöffnet - das bedeutet das Ende der persönlichen Betreuung durch den Hausarzt.
Vertreter aus Klinik und Praxis warnen:
"Die Wartezeiten fĂŒr Kassenpatienten sind in vielen Bereichen und Regionen schon jetzt nicht mehr akzeptabel. Frauen finden keinen betreuenden GynĂ€kologen, Termine fĂŒr eine MRT sind im Quartal nicht mehr zu bekommen - nur um Beispiele zu nennen.
Auch in meiner orthopĂ€dischen Praxis stehen wir vor enormen Herausforderungen bei der Terminvergabe - die Mitarbeiter sind am Anschlag", so Dr. Burkhard Lembeck, PrĂ€sident des Berufsverbandes fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie (BVOU).
Kooperation von haus- und fachÀrztlichen Praxen
"Statt auf planwirtschaftliche Lösungen, bauen wir auf bessere Steuerung und Weiterentwicklung eines Systems von leistungsfĂ€higen, inhabergefĂŒhrten Haus- und Facharztpraxen. Nur dieses schlanke System kann es leisten, den jetzigen Versorgungsgrad einigermaĂen aufrecht zu erhalten. Wer einmal mit der VersorgungsrealitĂ€t in England, Schweden oder sonstigen Teilen der EU konfrontiert war, weiĂ, wovon ich spreche", mahnt der BVOU-PrĂ€sident. FachĂ€rztliche Termine nur ĂŒber Beziehungen oder gegen Barzahlung - das kann nicht die Perspektive fĂŒr Deutschland sein." Als Lösungsbeispiel fĂŒhrt er das Modell von Haus- und FacharztvertrĂ€gen in Baden-WĂŒrttemberg an. Die Ărzte stehen hier fĂŒr ein koordiniertes Miteinander von haus- und fachĂ€rztlichen Praxen.
HausÀrzteverband: Abschaffung von doppelter Facharztschiene ist eine Hiobsbotschaft
"Die Sicherstellung der ambulanten Versorgung durch Haus- und FachĂ€rzte ist das Fundament unseres Gesundheitswesens. Die HausĂ€rzte sind dabei die erste Anlaufstelle, die viele Anliegen bereits abschlieĂend klĂ€ren und den Versorgungsprozess koordinieren. In den FĂ€llen, bei denen die Patienten auf die fachĂ€rztliche Expertise angewiesen sind, braucht es schnelle und koordinierte Prozesse. Das geht nur, wenn es eine wohnortnahe und niedrigschwellige Versorgung gibt! Das können KrankenhĂ€user nicht leisten.
Deswegen sind wir klar gegen die pauschale Verlagerung von hausĂ€rztlichen und fachĂ€rztlichen Aufgaben in die KrankenhĂ€user, die nach eigener Aussage sowieso schon ĂŒberfordert sind", so Prof. Dr. Nicola Buhlinger Göpfarth, VorstĂ€ndin des HausĂ€rzteverbandes-Deutschland. Sie erklĂ€rt weiter:
"Die komplette Abschaffung der doppelten Facharztschiene wĂ€re daher fĂŒr die Patienten eine echte Hiobsbotschaft. Die Folge wĂ€re, dass Millionen Patienten stĂ€ndig in weit entfernte Kliniken mĂŒssten, statt wohnortnah versorgt zu werden. Wer so etwas fordert, der ist sich entweder der Auswirkungen nicht bewusst oder nimmt sie sogar billigend in Kauf. Wie es besser geht, zeigen wir in den VertrĂ€gen zur hausarztzentrierten Versorgung. Durch die Anbindung der FacharztvertrĂ€ge stellen wir ein koordiniertes und effizientes Miteinander sicher - und das bei deutlich besserer QualitĂ€t. Das sollte der Weg in die Zukunft sein."
DGOU und BVOU setzen auf intelligente Patientensteuerung
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie (DGOU) setzt auf bessere Abstimmung und Steuerung des bestehenden Netzwerks an ambulanten und stationĂ€ren Ressourcen - sowohl bei elektiven Eingriffen als auch in der Notfallversorgung.
FĂŒr die Notfallversorgung haben DGOU und BVOU in einem gemeinsamen Positionspapier bereits 2022 formuliert, wie die Herausforderungen durch eine intelligente Patientensteuerung gemeistert werden können. Die Regierung agiert jedoch wiederholt am Patienten und an der Wirklichkeit vorbei. "Die Regierungskommission hat unter ihren Mitgliedern im chirurgischen Bereich keine Kompetenz versammelt. Dementsprechend sehen die Koalition und der Gesundheitsminister als einfachstes Instrument eine breite KĂŒrzung mit einem Kahlschlag bei Kliniken und Praxen mit schwerem Schaden fĂŒr die noch funktionierende Kooperation ĂŒber die Sektoren", erklĂ€rt DGOU-GeneralsekretĂ€r Prof. Dr. Dietmar Pennig. "Kahlschlag bei den Kliniken, SchlieĂung der fachĂ€rztlichen Praxen - wer versorgt dann in naher Zukunft flĂ€chendeckend die alternde Bevölkerung bei steigendem Versorgungsbedarf, beispielsweise bei osteoporotischen Frakturen?"
Ăber den BVOU:
Der Berufsverband fĂŒr OrthopĂ€die und Unfallchirurgie e.V. (BVOU) ist die berufspolitische Vertretung fĂŒr mehr als 7.000 in Praxis und Klinik tĂ€tige Kollegen und Kolleginnen. Der BVOU setzt die beruflichen Interessen seiner Mitglieder durch, indem er zum Vorteil der Patienten und des Gemeinwohls gemeinsam mit den wissenschaftlichen Gesellschaften den Standard orthopĂ€disch-unfallchirurgischer Versorgung entwickelt, die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen prĂ€gt und dadurch die öffentliche Wahrnehmung seiner Mitglieder als Experten fĂŒr orthopĂ€disch-unfallchirurgische Versorgung gestaltet.
Quelle: https://ots.de/BP1yau
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