Nach dem Aus der Ampelregierung: Bleibt das Gewalthilfegesetz auf der Strecke? Und wo bleiben die MĂ€nner?
07.11.2024 - 14:05:03 | presseportal.de
In Deutschland steigt die Zahl der Femizide. Allein durch sogenannte Partnerschaftsgewalt starben im Jahr 2023 laut aktuellem BKA-Bundeslagebild 155 Frauen. 133 getötete Frauen zĂ€hlte die entsprechende Statistik im Vorjahr. Im Jahr 2023 wurden 256.276 Menschen Opfer von hĂ€uslicher Gewalt. Das entspricht einer Zunahme von 6,5 Prozent gegenĂŒber 2022. 70 Prozent der Betroffenen waren weiblich. Und noch immer mangelt es an FrauenhausplĂ€tzen, BeratungskapazitĂ€ten und geeigneten PrĂ€ventionsmaĂnahmen.
Versprechen aus dem Koalitionsvertrag muss eingelöst werden
"Wir werden das Recht auf Schutz vor Gewalt fĂŒr jede Frau und ihre Kinder absichern und einen bundeseinheitlichen Rechtsrahmen fĂŒr eine verlĂ€ssliche Finanzierung von FrauenhĂ€usern sicherstellen." So stand es im Koalitionsvertrag von 2021. "Daran halten wir auch nach dem Kollaps der Regierung fest und hoffen auf den Verstand der politischen Akteure", sagt Antje Buch, PrĂ€sidentin der Union deutscher Zonta Clubs. Im vergangenen November wurde der NGO bei der gemeinsamen Ăbergabe des WirALLE-Manifests von Bundesfamilienministerin Lisa Paus noch zugesichert: "Das Gewalthilfegesetz kommt in dieser Legislaturperiode." Doch das seit Juni von BMFSFJ und BMI angekĂŒndigte und noch am Mittag des 06. November von BM Lisa Paus im Bundestag vorgestellte Gesetzvorhaben hat es nicht mehr bis zum Kabinettsbeschluss geschafft.
Wirtschaftswachstum ankurbeln auf Kosten der Frauen?
Das neue Gesetz sollte die Bereitstellung von Schutz, Beratung und UnterstĂŒtzung sowie MaĂnahmen der PrĂ€vention, einschlieĂlich TĂ€terarbeit, sichern. Mit dem Bruch der Koalition droht es nun, endgĂŒltig zu scheitern. Dazu Susanne v. Bassewitz, Advocacy-Beauftragte bei Zonta International Germany: "Mit dem Gewalthilfegesetz wĂŒrden endlich die umfassenden SchutzmaĂnahmen umgesetzt, zu denen sich Deutschland mit der am 1. Februar 2018 in Kraft getretenen Istanbul Konvention verpflichtet hat. Wenn es um Wirtschaftsfaktoren geht, werden die enormen Kosten von Gewalt gegen Frauen nach wie vor ĂŒbersehen. Wer fĂŒr das Wohlergehen aller, auch der nachfolgenden Generationen sorgen will, darf nicht ignorieren, was Gewalt gegen Frauen fĂŒr die Innovations- und ZukunftsfĂ€higkeit der Gesellschaft bedeutet."
Zahlreiche Appelle, zu wenig MĂ€nner
Schon im Juni 2024 hatten die Zentrale Informationsstelle Autonomer FrauenhĂ€user (ZIF) die Bundesregierung öffentlich aufgefordert, endlich zu handeln. Der ZIF-Petition war am 1. Oktober 2024 ein Brandbrief des Deutschen Frauenrates gefolgt. Die Union deutscher Zonta Clubs hat diese Aktionen unterstĂŒtzt und sucht dazu auch weiterhin den Schulterschluss mit potenziellen Mitstreitern. "Jetzt bleibt uns nur, auf die demokratischen KrĂ€fte in unserem Land zu hoffen. Wir freuen uns dabei ĂŒber die SolidaritĂ€t zahlreicher, auch prominenter MĂ€nner. Und wir wĂŒnschen uns, dass es deutlich mehr werden. Denn wir alle zahlen den Preis, wenn Frauenhass und Gewalt gegen Frauen schulterzuckend hingenommen werden", so Susanne v. Bassewitz.
Zonta Says NO Auftakt-Panel mit mÀnnlichen Experten
Seit ihrem Bestehen setzt sich die weltweit aktive Frauenorganisation Zonta International, die mit generellem beratendem Status auch beim ECOSOC der Vereinten Nationen und mit partizipatorischem Status beim Europarat vertreten ist, fĂŒr die Rechte von Frauen und MĂ€dchen ein. Mit der globalen Kampagne Zonta Says NO fordern Zonta Clubs im Rahmen der 16 Aktionstage gegen Gewalt an Frauen der Vereinten Nationen seit vielen Jahren die sofortige und konsequente Umsetzung der Istanbul-Konvention.
Den Auftakt zu den diesjĂ€hrigen bundesweiten Aktionen bildet der digitale Zonta Says NO Talk am 15. November: "Wo bleiben die MĂ€nner? Gewalt gegen Frauen geht uns alle an." Mit den Zontians und ihren GĂ€sten diskutieren Daniel Lörcher, Antidiskriminierungsbeauftragter bei Borussia Dortmund, Jan Pliszewski von der Fachstelle Respekt! fĂŒr Mittelfranken, sowie Martin Schmitz, Leiter des PrĂ€ventionsteams der Polizeiinspektion OsnabrĂŒck, und Buchautor und MĂ€nnerberater Björn SĂŒfke ĂŒber das, was Zonta besonders am Herzen liegt: das erste der "vier P" der Istanbul Konvention: PrĂ€vention, die VerhĂŒtung von Gewalt gegen Frauen.
Weitere Informationen
Zonta Says NO-Talk am 15. November 2024
Interessierte, Pressevertreterinnen und Pressevertreter sind herzlich eingeladen, die digitale Zonta Says NO-Auftaktdiskussion am 15. November ab 17:00 Uhr mit dem BVB- Antidiskriminierungsbeauftragten Daniel Lörcher, Jan Pliszewski von der Fachstelle Respekt! fĂŒr Mittelfranken, Martin Schmitz, Leiter des PrĂ€ventionsteams der Polizeiinspektion OsnabrĂŒck und dem Buchautor und MĂ€nnerberater Björn SĂŒfke live zu verfolgen. Hier direkt zur Veranstaltung anmelden.
Das WirAlle Manifest
Neben Rechtssicherheit sowie dem garantierten Zugang zu Schutz, Hilfe und Beratung fĂŒr alle von geschlechtsbezogener Gewalt Betroffenen, einschlieĂlich ihrer Kinder, fordert das WirALLE-Manifest den bundesweiten Ausbau der PrĂ€ventions- und TĂ€terarbeit. Zu den Kernforderungen zĂ€hlt zudem die Beteiligung der Betroffenen an der ressortĂŒbergreifenden Koordinierung und Umsetzung der Istanbul-Konvention. Gemeinsam mit den Betroffenen-Initiativen, #DieNĂ€chste, One Billion Rising MĂŒnchen e. V. und #T.o.B.e. e. V., der Koordinierungs- und Interventionsstelle gegen hĂ€usliche Gewalt und Stalking (KIS) Leipzig, der Union deutscher Zonta Clubs sowie UN Women Deutschland zĂ€hlen insgesamt 75 Organisationen und Institutionen aus unterschiedlichsten Bereichen der Zivilgesellschaft zu den Erstunterzeichnenden. Das Manifest kann nach wie vor von Allen unterzeichnet werden.
Pressekontakt:
Karin Lange
Pressesprecherin der Union deutscher Zonta Clubs (Zonta International Germany)
+49 (0) 175 2604260
E-Mail: presse@zonta-union.de
www.zonta-union.de
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