Gemeinsamer Appell von 39 NGOs an das EU-Parlament: Tunesien ist kein sicherer Ort
10.02.2026 - 07:00:03Gemeinsam mit anderen Organisationen wie Pro Asyl fordert SOS Humanity - aktiv in Suche und Rettung im zentralen Mittelmeer - die europĂ€ischen Parlamentarier auf, die antidemokratische staatliche Transformation des nordafrikanischen Partners der EU zu berĂŒcksichtigen: das harte Vorgehen gegen die Zivilgesellschaft, einschlieĂlich der Gewalt gegen Migranten und FlĂŒchtlinge.
"Wir sind zutiefst besorgt, dass die EU versucht, ihre bisherige Politik der Verhinderung von Asyl an der EU-AuĂengrenze Mittelmeer auf Europa auszuweiten", sagt Marie Michel, politische Expertin bei SOS Humanity. "Seit Jahren beobachten wir die rĂŒcksichtslose Abschreckungsstrategie der EU, ihr Grenzmanagement auszulagern: mit gewaltsamen RĂŒckfĂŒhrungen von Schutzsuchenden, die von den nordafrikanischen KĂŒsten fliehen. Durch die Einstufung von Staaten wie Tunesien als sichere HerkunftslĂ€nder wird Menschen auf der Flucht ihr Recht auf Schutz vorenthalten, selbst wenn sie das GlĂŒck hatten, die KĂŒsten des scheinbar sicheren Europas zu erreichen. Dies ist eine zynische Verletzung des Rechts auf Asyl."
Menschenrechtsorganisationen in Tunesien sind gleichermaĂen besorgt ĂŒber die sich verschlechternde Lage im Land, darunter die zunehmende UnterdrĂŒckung von Oppositionellen, die EinschrĂ€nkung der UnabhĂ€ngigkeit von Justiz und Medien sowie schwere Menschenrechtsverletzungen gegen tunesische Staatsangehörige. "Die Neueinstufung Tunesiens als sicheres Land gibt den Behörden praktisch erneut grĂŒnes Licht fĂŒr die Fortsetzung ihres repressiven Vorgehens", sagt Romdhane Ben Amor, Sprecher des tunesischen Forums fĂŒr wirtschaftliche und soziale Rechte (FTDES). "Dies richtet sich nicht nur gegen Migranten und FlĂŒchtlinge, sondern erleichtert auch eine strengere Kontrolle des öffentlichen Raums durch die anhaltende Kriminalisierung und Stigmatisierung von politischem, zivilem und gewerkschaftlichem Aktivismus. Da Polizei und Justiz unter strenger Kontrolle stehen, droht denjenigen, denen die Flucht gelingt, weiterhin die Ausweisung und Abschiebung."
Der Generaldirektor der deutschen Menschenrechtsorganisation Pro Asyl, Karl Kopp, betont, dass das Konzept der "sicheren HerkunftslĂ€nder" Gewalt und Verfolgung in diesen Staaten legitimiert. "Durch die Einstufung von LĂ€ndern als "sichere HerkunftslĂ€nder" verleiht das EU-Parlament als Mitgesetzgeber Regierungen, die in ihren eigenen LĂ€ndern autoritĂ€r regieren und Menschenrechte verletzen, eine Art Menschenrechts-GĂŒtesiegel. Die Lage in LĂ€ndern wie Tunesien, Ăgypten und der TĂŒrkei wird beschönigt, und die EU diskreditiert sich in Menschenrechtsfragen völlig. Sie lĂ€sst die Menschen, die in diesen LĂ€ndern verfolgt werden, im Stich."
Forderung der NGOs an die EU
Die Such- und Rettungsorganisationen sowie Menschenrechtsorganisationen betonen in ihrer ErklĂ€rung, dass sie in den letzten Jahren den humanitĂ€ren Preis der Migrationsabkommen zwischen der EU und Tunesien miterlebt haben: mehr Menschenrechtsverletzungen gegenĂŒber FlĂŒchtlingen und Migranten und mehr TodesfĂ€lle auf See. Daher fordern sie das EuropĂ€ische Parlament auf, das EU-Recht und internationale Verpflichtungen einzuhalten und sich solidarisch mit Menschen zu zeigen, die Schutz suchen - und daher den Vorschlag einer EU-Liste "sicherer HerkunftslĂ€nder" abzulehnen.
Hier finden Sie das vollstÀndige Statement der NGOs.
Pressekontakt:
Petra Krischok
Pressesprecherin und Referentin fĂŒr Ăffentlichkeitsarbeit
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Fotos vom aktuellen Rettungseinsatz von SOS Humanity fĂŒr redaktionelle Zwecke sowie Videomaterial stehen unter folgendem Link zur VerfĂŒgung: https://mediahub.ai/en/share/album/7601961a-a805-4a16-8200-641754911c5d
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