Boris Pistorius, Berlin

Berlin-Koalition: Pistorius lehnt Bündnis mit Linken ab

Veröffentlicht am: 08.11.2026 um 01:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Verteidigungsminister Boris Pistorius lehnt ein Berliner Bündnis von Linkspartei, SPD und Grünen wegen ungeklärter Fragen und aus seiner Sicht nicht tolerabler Positionen der Linken ab. Seine Äußerungen dürften die innerparteiliche Debatte vor dem angekündigten Mitgliedervotum verschärfen.

Berliner SPD vor Mitgliedervotum

  • Pistorius nennt eine Koalition von Linkspartei, SPD und Grünen in Berlin nicht vorstellbar.
  • Er verweist auf Gegner von Bundeswehr und Sicherheitsbehörden innerhalb der Berliner Linken.
  • Über das Bündnis entscheidet der Berliner SPD-Landesverband nach einem Mitgliedervotum.
Boris Pistorius (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Pistorius kritisiert Berliner Koalitionspläne

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) verschärft seine Kritik an der geplanten Landesregierung von Linkspartei, SPD und Grünen in Berlin. Wegen vieler ungeklärter Fragen und nicht tolerabler Positionen bei der Linken sei eine solche Koalition für ihn nicht vorstellbar, sagte Pistorius den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Vorwürfe gegen Teile der Berliner Linken

Pistorius sagte, er wolle keinen Generalverdacht erheben. Zugleich verwies er auf erbitterte Gegner der Bundeswehr sowie der Polizei und des Verfassungsschutzes unter den Berliner Linken.

In Einzelfällen bestehe zudem eine „verdächtige Nähe zu kriminellen Clan-Angehörigen und zu Sympathisanten radikaler Hamas-Unterstützer“. Darüber müsse man sich Gedanken machen, sagte der SPD-Politiker.

SPD-Landesverband entscheidet

Sollte die SPD einer solchen Koalition zustimmen, werde dies zu heftigen Diskussionen innerhalb der Partei führen, sagte Pistorius. Am Ende entscheide jedoch der Berliner SPD-Landesverband nach einem Mitgliedervotum.

Er wisse, dass viele Stimmen in der Berliner SPD dieses Unwohlsein teilten, fügte der Minister hinzu.

Die geplante Berliner Koalition aus Linkspartei, SPD und Grünen steht politisch unter besonderer Beobachtung, weil sie sicherheits- und verteidigungspolitische Konfliktlinien innerhalb der SPD berührt. Pistorius verbindet seine Kritik mit Positionen einzelner Berliner Linken-Vertreter zu Bundeswehr, Polizei und Verfassungsschutz sowie mit Vorwürfen gegen einzelne Personen.

Für die Berliner SPD entsteht damit ein Spannungsfeld zwischen dem möglichen Regierungswechsel im Land und der bundespolitischen Verantwortung der Partei. Ein Bündnis mit der Linken könnte im Landesverband vor allem dort auf Widerstand stoßen, wo Fragen der inneren Sicherheit, der Außenpolitik und des Umgangs mit Antisemitismus eine zentrale Rolle spielen.

Koalitionsverhandlungen und Mitgliederentscheid

Die drei Parteien wollen ihre Gespräche nach derzeitiger Planung im Januar mit einem Koalitionsvertrag abschließen. Entscheidend ist anschließend das angekündigte Mitgliedervotum der Berliner SPD. Pistorius' Warnung erhöht den innerparteilichen Druck, ersetzt aber nicht das Verfahren, in dem der Landesverband über eine Beteiligung entscheidet.

Die Debatte dürfte deshalb über die konkrete Regierungsbildung hinausreichen. Sie betrifft die Frage, wie weit die Berliner SPD landespolitische Kompromisse mit der Linken tragen kann, ohne bundespolitische Konflikte über Sicherheitsbehörden, die Bundeswehr und den Umgang mit radikalen Positionen zu verschärfen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Berlin: Linke, Grüne und SPD wollen Koalitionsvertrag im Januar vorlegen“ (06.11.2026)

Der Beitrag ordnet den Zeitplan der Berliner Koalitionsverhandlungen ein und nennt Januar als Ziel für den Abschluss des Vertrags. Im Unterschied zur Kritik von Pistorius liegt der Schwerpunkt auf dem weiteren Verfahren und dem möglichen Regierungsprogramm.

rbb24: „Rot-Grün-Rot in Berlin: Das A bis Z der Koalitionsverhandlungen“ (06.11.2026)

Der Überblick beschreibt die politischen Konfliktfelder der Gespräche und führt auch Warnungen vor dem Dreierbündnis an. Damit ergänzt er Pistorius' Einwand um eine breitere Darstellung der inner- und parteipolitischen Widerstände.

Übereinstimmung besteht beim laufenden Verhandlungsprozess und dem geplanten Abschluss im Januar. Offen bleibt, ob die Berliner SPD dem Bündnis nach dem Mitgliedervotum zustimmt und wie stark die sicherheitspolitischen Streitpunkte die Gespräche belasten.

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