EU-Parlament nimmt Position zum EU-Pharmapaket an
11.04.2024 - 09:51:20Unterlagenschutz ist essenziell fĂŒr Therapieinnovationen
"Mit Blick auf den Unterlagenschutz hat das Parlament zumindest erkannt, wie wichtig ein attraktives und verlĂ€ssliches Anreizsystem im Markt ist. Der Unterlagenschutz wurde nochmals von sechs auf 7,5 Jahre erhöht - und kann unter bestimmten Voraussetzungen maximal um ein Jahr verlĂ€ngert werden. Beispielsweise bei der DurchfĂŒhrung vergleichender klinischer Studien, der ErfĂŒllung eines "ungedeckten medizinischen Bedarfs" oder der Forschung am Standort Europa. Doch genau hier sehen wir Potential: Sinnvoll wĂ€re es, diese Begrenzung aufzuheben und Unternehmen so zu fördern, dass sie mehr als 8,5 Jahre Unterlagenschutz erhalten, wenn sie alle vorgenannten Voraussetzungen erfĂŒllen", betont Joachimsen.
"Auch bei der Entwicklung von Therapien fĂŒr seltene Erkrankungen hat das Parlament leider die Chance verpasst, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Noch immer gibt es weitreichende Einschnitte, die dem ursprĂŒnglichen Ziel des EU-Pharmapakets entgegenwirken, kĂŒnftig mehr seltene Erkrankungen behandeln zu können. Hierzu zĂ€hlen das Absenken der MarktexklusivitĂ€t von derzeit zehn auf neun Jahre. Und indem das Parlament an der "Global Marketing Authorisation" (GOMA) festhĂ€lt, wird der Forschungsanreiz auf MarktexklusivitĂ€t auf nur zwei zusĂ€tzliche Indikationen begrenzt", sagt Joachimsen.
"Beim Thema "Repurposing" springt die Position des Parlaments ebenfalls zu kurz: Neu entwickelte Therapien auf Basis bewĂ€hrter Wirkstoffe werden zwar mit einem Unterlagenschutz von vier Jahren honoriert, doch ich hĂ€tte mir gewĂŒnscht, dass der Unterlagenschutz mehrmals vergeben werden kann", so Joachimsen.
"Positiv bewerte ich den Vorschlag des EuropĂ€ischen Parlaments, den Unterlagenschutz von der Vermarktung in allen EU-Mitgliedstaaten zu entkoppeln. Sie berĂŒcksichtigt, dass die MarkteinfĂŒhrung neuer Therapien nicht allein von den Zulassungsinhabern abhĂ€ngt, sondern auch von den jeweiligen Bedingungen in den Mitgliedstaaten", betont Joachimsen.
Nachhaltige Arzneimittelproduktion ist mit logistischen HĂŒrden fĂŒr Hersteller verbunden
Auch bei der UmweltvertrĂ€glichkeitsprĂŒfung besteht Nachbesserungsbedarf: "Das Environmental Risk Assessment (ERA) muss dem Parlament zufolge den gesamten Produktlebenszyklus eines Arzneimittels abbilden. Es ist fraglich, ob insbesondere die vielen kleinen und mittelstĂ€ndischen Unternehmen diesen bĂŒrokratischen Mehraufwand fĂŒr jedes einzelne Arzneimittel ĂŒberhaupt leisten können", sagt Joachimsen.
"Gut ist, dass die elektronische Packungsbeilage auf den Weg gebracht wird - wenn auch die EU-Mitgliedstaaten selbst darĂŒber entscheiden können, ob und fĂŒr welche Produktgruppen sie diese einfĂŒhren. Ein Flickenteppich stellt die Hersteller vor logistische Herausforderungen. Hier ist mehr Harmonisierung wĂŒnschenswert", ergĂ€nzt Joachimsen.
RealitÀtsferne EU-Regeln im Kampf gegen LieferengpÀsse
Im Kampf gegen LieferengpĂ€sse besteht ebenfalls dringender Ănderungsbedarf: "Bedauerlicherweise ist das Parlament nicht vom Vorschlag der EU-Kommission abgewichen. Die Meldefristen bei LieferengpĂ€sse bleiben unrealistisch. Zudem mĂŒssen Hersteller grundsĂ€tzlich fĂŒr alle Arzneimittel ihrer Produktpalette einen "Shortage Prevention Plan" anfertigen - nicht nur fĂŒr die PrĂ€parate auf der Liste kritischer Arzneimittel. All diese Regeln sind nicht zweckdienlich und verhindern keinen einzigen Lieferengpass. Sie ĂŒberfrachten die Unternehmen mit noch mehr BĂŒrokratie", sagt Joachimsen.
Vom lokalen zum globalen: Synergieeffekte nutzen
"Insgesamt gibt es beim EU-Pharmapaket noch viel Raum fĂŒr Verbesserungen. Der Ball liegt jetzt bei den EU-Mitgliedstaaten. Deutschland hat bereits mit seiner Nationalen Pharmastrategie einen ersten guten VorstoĂ geleistet. Die guten AnsĂ€tze mĂŒssen nun auch auf europĂ€ischer Ebene durchdringen. Der Pharmastandort und die Menschen in Europa werden es uns danken!", betont Joachimsen.
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