Berlin: Linke, Grüne und SPD starten Koalitionsverhandlungen
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 18:14 Uhr | dpa, AD HOC NEWSDie nächsten Berliner Verhandlungsschritte
- Die Dachgruppe von Linken, Grünen und SPD trifft sich am Mittwoch erneut im Abgeordnetenhaus.
- Insgesamt sollen 14 Facharbeitsgruppen spätestens ab Montag kommender Woche beraten.
- Die Parteien wollen jährlich mindestens 400 Millionen Euro zusätzlich auf der Einnahmenseite erreichen.
Linke, Grüne und SPD starten Berliner Koalitionsgespräche
Sechs Wochen nach der Wahl haben Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen aufgenommen. Die Parteien wollen bereits am Mittwoch weiter beraten und zunächst vor allem Fragen des Landeshaushalts sowie den weiteren Zeitplan klären.
Haushalt steht im Mittelpunkt
Nach dem ersten Verhandlungstag im Abgeordnetenhaus sagte die Linke-Fraktionsvorsitzende Elif Eralp, die Gespräche seien sehr gut verlaufen. Zugleich verwies sie auf große Herausforderungen und kündigte eine solide, langfristige Haushaltsstrategie an.
Die drei Parteien wollen die soziale Infrastruktur schützen und den Haushalt langfristig konsolidieren. Auf der Einnahmenseite streben sie ein Plus von mindestens 400 Millionen Euro jährlich an; erste Vorschläge wurden bereits diskutiert.
14 Facharbeitsgruppen sollen Details klären
SPD-Landeschefin Bettina König kündigte für Mittwoch ein weiteres Treffen der Dachgruppe der Hauptverhandler an. Dabei soll es unter anderem um Einzelheiten des Zeitplans und organisatorische Fragen gehen.
Grünen-Landeschefin Nina Stahr zufolge sollen bald auch Fachthemen von Verkehr bis Klimapolitik beraten werden. Dafür sind 14 Facharbeitsgruppen vorgesehen, die spätestens ab Montag kommender Woche tagen sollen; einige könnten bereits am Wochenende starten.
Parteien wollen Sondierung vertiefen
Zum Auftakt kamen die Verhandler im Landesparlament zusammen. Eralp sagte, die Berlinerinnen und Berliner hätten in den vergangenen Wochen wiederholt nach dem Beginn der Gespräche gefragt.
Bei den Sondierungen hätten sich die Parteien bereits in vielen Punkten angenähert, darunter bei Miet-, Vergesellschaftungs-, Wirtschafts- und Klimafragen. In den Koalitionsverhandlungen sollen diese Themen ebenso wie weitere Vorhaben nun im Detail beraten werden.
Skepsis begleitet das mögliche Bündnis
Stahr räumte ein, dass Menschen die mögliche Regierung teilweise skeptisch betrachteten. Sie zeigte sich zugleich optimistisch, diese Bedenken in den kommenden Wochen ausräumen zu können.
Die Gespräche werden durch bundesweite Diskussionen über den Umgang mit Antisemitismus erschwert. Anlass waren mehrere Vorfälle bei der Linken, die Kritik auslösten; auch innerhalb von SPD und Linken gibt es Vorbehalte gegen Rot-Grün-Rot.
Die Linke stimmte am Samstag mit breiter Mehrheit für die Aufnahme der Verhandlungen, nachdem Grüne und SPD bereits zwei Wochen zuvor zugestimmt hatten. Wie lange die Gespräche dauern, ist nicht absehbar.
Mit dem Start der Koalitionsverhandlungen beginnt in Berlin sechs Wochen nach der Abgeordnetenhauswahl die entscheidende Phase der Regierungsbildung. Linke, Grüne und SPD müssen aus den Ergebnissen ihrer Sondierungen ein gemeinsames Programm und einen finanzierbaren Koalitionsvertrag entwickeln.
Besonders anspruchsvoll ist die Verbindung von sozialen Zusagen und Haushaltskonsolidierung. Die drei Parteien wollen die soziale Infrastruktur schützen und zugleich auf der Einnahmenseite jährlich mindestens 400 Millionen Euro zusätzlich erreichen. Damit werden Finanzierungsfragen voraussichtlich zu einem zentralen Maßstab für alle weiteren Vorhaben in Bereichen wie Wohnen, Verkehr und Klimapolitik.
Viele Themen, viele Beteiligte
Die geplanten 14 Facharbeitsgruppen sollen die politischen Einzelheiten ausarbeiten. Dass jeweils mehr als 100 Parteimitglieder beteiligt sein sollen, zeigt die Breite des Prozesses, erhöht aber auch den Abstimmungsbedarf. Die Dachgruppe der Spitzenvertreter muss anschließend unterschiedliche Interessen zu verbindlichen Entscheidungen zusammenführen.
Politisch steht das Bündnis zudem unter besonderer Beobachtung. Die Debatten über Antisemitismus innerhalb der Linken und die öffentliche Skepsis gegenüber einer rot-grün-roten Regierung begleiten die Gespräche von Beginn an. Für die Berlinerinnen und Berliner wird deshalb nicht nur entscheidend sein, ob sich die Parteien inhaltlich einigen, sondern auch, ob sie einen belastbaren Zeitplan und klare Prioritäten vorlegen.
Entscheidungen stehen noch aus
Das nächste Treffen der Dachgruppe ist für Mittwoch angekündigt. Wie lange die Verhandlungen dauern und ob am Ende ein Koalitionsvertrag zustande kommt, bleibt offen; bis dahin müssen die Parteien insbesondere Haushalt, soziale Infrastruktur und die Fachpolitik miteinander vereinbaren.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: „Koalitionsbildung in Berlin: Jetzt geht's loooos!“ (02.11.2026)
Der Beitrag bestätige den Beginn der Verhandlungen rund sechs Wochen nach der Wahl und beschreibe die Dacharbeitsgruppe sowie die geplanten Facharbeitsgruppen. Als zusätzlichen Schwerpunkt nenne er einen möglichen Abschluss bis Dezember und die anschließenden innerparteilichen Verfahren.
rbb24: „Berliner Linke, Grüne und SPD starten Koalitionsgespräche“ (02.11.2026)
Der Beitrag ordne den Auftakt in die vorausgegangenen Sondierungen ein und verweise auf ein Ziel, die Gespräche bis Weihnachten abzuschließen. Anders als die dpa-Meldung betone er zudem die vorgesehenen Verfahren zur Zustimmung der Parteimitglieder und die politischen Konflikte im Vorfeld.
Beide Beiträge bestätigten den Verhandlungsbeginn und die geplante breite Arbeitsstruktur. Unterschiede gebe es vor allem beim Blick auf einen möglichen Zeitrahmen und auf die innerparteilichen Abstimmungen; offen bleibe, ob die drei Parteien die strittigen Sachfragen in einen gemeinsamen Vertrag überführen könnten.
