Berlin Linke Neukölln: Clan-Mitglied Issa Remmo taucht auf Wahlparty auf – Partei zieht klare Grenze
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 20:34 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Nach dem Besuch des bekannten Clan-Mitglieds Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linken in Berlin-Neukölln hat der Bezirksverband jede Nähe zu ihm zurückgewiesen.
Linke Neukölln betont fehlende Beziehungen
Die Linke in Berlin-Neukölln teilte mit, es gebe weder politische noch persönliche Beziehungen zu der Person. Es habe sich um eine öffentliche Veranstaltung gehandelt, zu der auch ungeladene Gäste Zutritt gehabt hätten, erklärte Jorinde Schulz aus dem Bezirksvorstand der Neuköllner Linken auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.
Nach ihren Angaben war Issa Remmo den Verantwortlichen und seine Anwesenheit im Speziellen nicht bekannt, er habe nicht auf der Anmeldeliste gestanden. Der Besuch der Wahlparty ändere nichts daran, dass es keinerlei Verbindungen gebe.
Kritik von Kai Wegner an Auftreten von Remmo
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner reagierte mit deutlichen Worten auf den Vorfall. Er schrieb auf der Plattform X, das Auftauchen von Issa Remmo auf der Wahlparty der Berliner Linken sei ein verstörendes Signal.
Eine Partei, die Verantwortung für die Stadt übernehmen wolle, müsse nach Wegners Darstellung unmissverständlich klarstellen, dass es keine Nähe zu Strukturen geben dürfe, die zur organisierten Kriminalität zählen.
Grünen-Landeschefin fordert Klärung durch die Linke
Die Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr zeigte sich laut dpa extrem irritiert über den Auftritt des Clan-Mitglieds. Sie sagte, die Linke müsse klären, was geschehen sei und warum es zu diesem Besuch gekommen sei.
Stahr erwartet, dass der Landesverband der Linken mit den Akteuren in Neukölln spricht, sowohl mit Blick auf diesen Vorfall als auch im Zusammenhang mit der Antisemitismus-Debatte der vergangenen Wochen. Nach ihren Worten müsse Klarheit bestehen, bevor eine mögliche Regierungsbildung anstehe.
Clan-Strukturen und Berliner Landespolitik
Der Vorfall berührt zentrale Konfliktlinien der Berliner Innenpolitik. Die Remmo-Familie gilt seit Jahren als eine der bekanntesten Großfamilien, die von Sicherheitsbehörden mit organisierter Kriminalität in Verbindung gebracht wird. Wenn ein führendes Clan-Mitglied auf einer Wahlparty einer Partei erscheint, die nach der Wahl Verantwortung im Land übernehmen will, entsteht unmittelbarer Druck, jede Form von Nähe oder Einflussmöglichkeit klar auszuschließen. Genau darauf zielt die deutliche Distanzierung der Linken in Neukölln ab, die betont, dass es sich um eine öffentliche Veranstaltung mit Zutritt auch für unangemeldete Gäste gehandelt habe.
Koalitionsoptionen und Antisemitismus-Debatte
Die Reaktionen von Kai Wegner und Nina Stahr zeigen, dass der Vorfall auch im Kontext möglicher Regierungsbildungen gesehen wird. Der Regierende Bürgermeister hebt die Verantwortung von Parteien hervor, jegliche Verbindung zu kriminellen Strukturen zu vermeiden, während die Grünen-Landesvorsitzende darauf dringt, dass die Linke intern klärt, wie es zu dem Auftritt kam. Ihre Forderung nach „Klarheit vor einer Regierungsbildung“ spielt zugleich auf die vorausgegangene Antisemitismus-Debatte innerhalb der Linken an. Damit wird deutlich, dass es nicht nur um einen einzelnen Abend geht, sondern um die Frage, wie glaubwürdig die Partei im Umgang mit extremen Positionen und mit kriminalitätsnahen Milieus auftritt.
Vertrauen, öffentliche Räume und Sicherheitsfragen
Für Bürgerinnen und Bürger wirft der Vorgang die Frage auf, wie sicher öffentliche politische Veranstaltungen sind und wie Parteien mit unangemeldeten Gästen umgehen. Die Linke in Neukölln stellt klar, dass keine persönliche oder politische Verbindung zu dem Clan-Mitglied besteht und der Besuch daran nichts ändere. Politisch kann der Vorfall dennoch nachwirken: In Koalitionsverhandlungen und öffentlichen Debatten dürfte die Forderung nach konsequenter Abgrenzung von kriminellen Strukturen und nach klarer Positionierung gegenüber Antisemitismus eine größere Rolle spielen. Parteien stehen unter dem Druck, Transparenz über interne Abläufe herzustellen, um Vertrauen in ihre Fähigkeit zur Regierungsverantwortung zu sichern.
