Geplante Streiks an kommunalen Kliniken zunÀchst abgesagt
14.01.2025 - 12:45:11(Neu: drittletzter Absatz mit Kommentierung VKA)
BERLIN/MĂNCHEN (dpa-AFX) - An den kommunalen KrankenhĂ€usern in Deutschland wird in dieser Woche doch nicht gestreikt. Der Ausstand werde zunĂ€chst ausgesetzt, teilte die Ărztegewerkschaft Marburger Bund mit. Es habe erneute GesprĂ€che mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeber (VKA) gegeben, bei denen man sich auf ein Paket verstĂ€ndigt habe. Dieses werde nun den Mitgliedern zur Urabstimmung vorgelegt.
Nachdem in der Tarifrunde zunĂ€chst keine Einigung zustande gekommen war, hatte der Marburger Bund die Ărztinnen und Ărzte an kommunalen Kliniken bundesweit von Mittwoch bis Freitag zum Streik aufgerufen. WĂ€hrenddessen sollten nicht dringende Behandlungen und Operationen entfallen, NotfĂ€lle jedoch behandelt werden.
Bayern wÀre von dem Streik besonders betroffen gewesen, weil es dort mit rund 200 HÀusern mehr als ein Drittel aller kommunalen KrankenhÀuser in Deutschland gibt.
Acht Prozent Gehaltssteigerung bis Ende 2026
Das nun erzielte Sondierungsergebnis sieht laut Marburger Bund vor, dass die GehĂ€lter der mehr als 61.000 Ărztinnen und Ărzte rĂŒckwirkend zum 1. Juli 2024 - in direktem Anschluss an die vorausgehende Tarifregelung - um vier Prozent linear steigen. Am 1. August 2025 soll eine zweite Erhöhung um zwei Prozent folgen, bevor es am 1. Juni 2026 eine dritte Steigerung um weitere zwei Prozent geben soll.
"Das sind bis zum Ende der Laufzeit am 31. Dezember 2026 insgesamt acht Prozent lineare Gehaltserhöhung", bilanzierte der Marburger Bund. Andere Gehaltsbestandteile wie die Bereitschaftsdienstentgelte und der Einsatzzuschlag im Rettungsdienst erhöhten sich entsprechend.
Reform bei der Schichtarbeit
Auch bei der von der Gewerkschaft mit Nachdruck geforderten Reform der Regelungen zur Schichtarbeit gab es einen Kompromiss. Das vorliegende Ergebnis sei zwar noch kein Systemwechsel, aber eine merkliche Verbesserung gegenĂŒber dem Status quo, urteilte die Gewerkschaft.
Unter anderem sollten die Zulagen fĂŒr Schichtarbeit und Wechselschichtarbeit vereinheitlicht und angehoben werden. Auch sollten Regelungen, die bisher die GewĂ€hrung von Zulagen und Zusatzurlaub fĂŒr Schichtarbeit verhindert haben, zugunsten der Ărztinnen und Ărzte gestrichen werden.
Der VerhandlungsfĂŒhrer der VKA, Dirk Köcher, kommentierte, das Paket sei ausgewogen und trage "sowohl den berechtigten Interessen der Ărztinnen und Ărzte als auch der schwierigen wirtschaftlichen Situation der kommunalen KrankenhĂ€user Rechnung". Die Laufzeit von 30 Monaten gebe zudem Planungssicherheit.
Organisation der Urabstimmung angelaufen
Dem Marburger Bund zufolge lĂ€uft bereits die Organisation der Urabstimmung. Das Ergebnis werde in der zweiten Februarwoche vorliegen. Gewerkschaft und VKA hatten eine ErklĂ€rungsfrist bis zum 14. Februar 2025 vereinbart. Bis dahin verzichtet die Gewerkschaft auf ArbeitskampfmaĂnahmen.
Vor dem nun erzielten Sondierungsergebnis hatten die kommunalen Arbeitgeber unter anderem ein Gehaltsplus von 5,5 Prozent angeboten, welches in mehreren Schritten bis Ende 2026 kommen sollte. Der Marburger Bund hingegen hatte 8,5 Prozent mehr Geld bezogen auf ein Jahr gefordert und eine Reform von Regelungen zur Schichtarbeit.

