Finanzierung des Deutschlandtickets ab 2026 bleibt offen
27.06.2025 - 17:18:10(neu: Mit Aussagen Schnieder und VRR)
BERLIN (dpa-AFX) - Ob und zu welchem Preis FahrgĂ€ste im kommenden Jahr noch mit einem einheitlichen Ticket bundesweit im öffentlichen Nahverkehr (ĂPNV) fahren können, bleibt ungewiss. Bund und LĂ€nder bekannten sich auf der Verkehrsministerkonferenz (VMK) in Berlin zwar grundsĂ€tzlich zum sogenannten Deutschlandticket. Wie das Angebot ĂŒber 2025 hinaus aber finanziert werden soll, blieb offen.
Um noch in diesem Jahr zu einer Einigung zu kommen, soll es neben der regulÀren VMK im Herbst noch eine weitere Sondersitzung des Gremiums geben, hieà es.
"Bund und LÀnder bekennen sich dazu", sagte die saarlÀndische Verkehrsministerin Petra Berg (SPD) im Anschluss an die Sitzung der Verkehrsministerinnen und -minister.
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) sagte, Bund und LÀnder seien sich einig gewesen, das Deutschlandticket fortsetzen zu wollen. "Es ist gut, dass nun eine Koordinationsgruppe von Bund und LÀndern noch vor der nÀchsten regulÀren Verkehrsministerkonferenz einen dauerhaften Finanzierungsmechanismus erarbeiten soll. Dann kann endlich auch bei der Berechnungsgrundlage und den Zahlen Klarheit geschaffen werden."
Mehrkosten von 500 Millionen Euro
Knackpunkt bleibt, wie mögliche Mehrkosten fĂŒr die Verkehrsunternehmen ausgeglichen werden sollen. Laut Sachsen-Anhalts Infrastrukturministerin Lydia HĂŒskens (FDP) geht es um eine Summe von rund 500 Millionen Euro. Auch ĂŒber den kĂŒnftigen Preis des Abos, der bisher bei 58 Euro pro Monat liegt, gab es kein Ăbereinkommen.
Das Deutschland-Abo gibt es seit Mai 2023; es ermöglicht seinen Inhaberinnen und Inhabern bundesweit Fahrten im öffentlichen Regional- und Nahverkehr. Der Preis fĂŒr das Ticket hat sich im Januar um neun Euro erhöht.
Finanziert wird es vor allem mit Mitteln von Bund und LĂ€ndern, die jeweils 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zuschieĂen. DarĂŒber hinaus gehende Kosten wurden bisher ĂŒber die Preissteigerung und ĂŒbriggebliebene Mittel aus dem Jahr 2023 abgedeckt. Doch fĂŒr die Zeit nach 2025 gibt es noch keine Regelung.
NĂ€chste Verhandlungsrunde im Herbst
"Wir LÀnder, wir stehen zum Deutschlandticket", sagte Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU) im Anschluss an die Sitzung. Mehr als die 1,5 Milliarden Euro könnten diese aber nicht mehr zahlen, betonte er. Bayern hat derzeit den Vorsitz in der Verkehrsministerkonferenz (VMK). Bernreiter verwies auf weitere Verhandlungen auf der nÀchsten regulÀren VMK-Sitzung im Herbst in Straubing. Vorher soll eine Arbeitsgruppe zu den Finanzfragen eingerichtet werden.
"Ich bin zuversichtlich, dass wir in den nÀchsten Wochen auch die Detailfragen der Finanzierung lösen werden", teilte der niedersÀchsische Verkehrsminister Grant Hendrik Tonne (SPD) mit.
LĂ€nder: Verantwortung liegt beim Bund
Doch die Verantwortung, da sind sich die LĂ€nder weitgehend einig, liegt beim Bund. Im Koalitionsvertrag bekennt sich auch die neue Regierung zum Deutschlandticket und schlieĂt weitere Preissteigerungen bis 2028 aus. Das nĂ€hmen die LĂ€nder zur Kenntnis, heiĂt es in einem gemeinsamen Beschluss zur VMK. Die daraus entstehenden Mehrkosten, so der Tenor, mĂŒsse dann aber auch der Bund tragen.
Schnieder hat bisher allerdings ebenfalls keine Bereitschaft signalisiert, mehr als die zugesagten 1,5 Milliarden Euro pro Jahr zu ĂŒbernehmen.
Frust ist groĂ
Entsprechend groĂ war der Frust bei Umwelt-, Verkehrs- und VerbraucherverbĂ€nden. "Das Finanzierungs-Hickhack zum Deutschlandticket nimmt kein Ende", teilte der Greenpeace-Verkehrsexperte Benjamin Stephan mit. "Es liegt jetzt an Verkehrsminister Schnieder, dieses unwĂŒrdige Schauspiel zu stoppen und das Ticket mit einer verbindlichen Zusage des Bunds mit einem stabilen Preis zu sichern, so wie es die Bundesregierung im Koalitionsvertrag angekĂŒndigt hat."
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) forderte bereits am Vortag schnellstmögliche Klarheit ĂŒber die Zukunft des Deutschlandtickets. Um die bislang rund 13,5 Millionen Nutzerinnen und Nutzer zu halten, brauche es dringend VerlĂ€sslichkeit, teilte VDV-PrĂ€sident Ingo Wortmann mit. Es brauche einen ĂPNV-spezifischen Preisindex, an dem der Ticketpreis ausgerichtet wird und der Transparenz bei den Kundinnen und Kunden schaffe.
Schnieder betont Jobticket
Schnieder sagte, auch von der LĂ€nderseite sei auf der Sonderkonferenz geĂ€uĂert worden, dass durch Reformen etwa die Vertriebskosten beim Deutschlandticket gesenkt werden können. "Durch zusĂ€tzliche TicketverkĂ€ufe könnten gleichzeitig mehr Erlöse erzielt werden. Ich glaube, dass zum Beispiel beim Deutschlandticket als Jobticket noch deutlich Potenzial nach oben ist. Denn das Deutschlandticket als Jobticket kostet maximal 40,60 Euro."
Verkehrsverbund fordert schnell Klarheit
"Es ist unverantwortlich, dass die Verunsicherung und die Ungewissheit in eine nĂ€chste Runde gehen", sagte Oliver Wittke, Chef des gröĂten deutschen Verkehrsverbundes, des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr, der Deutschen Presse-Agentur. "Wir brauchen schnellstens Planungssicherheit." Das alles sei nicht im Interesse der FahrgĂ€ste. "Die Menschen rennen uns die Busse und Bahnen ein. Sie wollen öffentlichen Nahverkehr nutzen. Sie wissen aber nicht, zu welchen Konditionen." Die Verkehrsunternehmen mĂŒssten an der Preisgestaltung beteiligt werden.

