Kliniken vor Umbau - Lauterbach erwartet 'starke Dynamik' ab Herbst
11.04.2024 - 16:53:21(Neu: Details)
BERLIN (dpa-AFX) - Patientinnen und Patienten bekommen es laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ab Herbst 2024 schrittweise mit einer deutlich spezialisierteren Kliniklandschaft in Deutschland zu tun. Dann werde es eine "starke Dynamik" geben, sagte Lauterbach am Donnerstag in Berlin. Lauterbach Ă€uĂerte sich zum Auftakt einer Reihe von GesprĂ€chen zur geplanten Klinikreform mit kommunalen SpitzenverbĂ€nden, Selbstverwaltung und LĂ€ndern. Der Minister zeigte sich zuversichtlich, dass der Zeitplan fĂŒr das gesundheitspolitische GroĂprojekt gehalten werden könne.
Ab Mai: Per Klick zur Klinik
Ab Mai könnten Versicherte mit dem neuen Online-Klinik-Atlas recherchieren, welcher Eingriff in ihrer jeweiligen Region in welcher Klinik wie hĂ€ufig vorgenommen werde. Ăber Komplikationsraten werde dort in einem nĂ€chsten Schritt informiert, so Lauterbach. Der Bundesrat hatte das entsprechende Gesetz zum Aufbau eines staatlichen Online-Atlas im MĂ€rz passieren lassen. Das neue "Transparenzverzeichnis" soll als interaktives Portal verstĂ€ndlich ĂŒber das jeweilige Angebot an den gut 1700 Kliniken in Deutschland Auskunft geben.
Im April: Klinikreform auf Zielgeraden
Die eigentliche Klinikreform will Lauterbach möglichst am 24. April durchs Bundeskabinett bringen. In der aktuell laufenden Abstimmung innerhalb der Regierung gehe es noch um "sehr viele juristische Punkte", die bei dieser groĂen Reform geprĂŒft werden mĂŒssten. FĂŒr 17. April ist noch einmal ein Bund-LĂ€nder-Treffen zu dem Projekt geplant. Die LĂ€nder hatten zuletzt Klarheit fĂŒr ihre Klinik-Planungen angemahnt. Das Gesetz fĂŒr den Online-Klinik-Atlas hatte der Bundesrat erst im zweiten Anlauf durchgehen lassen, nachdem er es zunĂ€chst in den Vermittlungsausschuss mit dem Parlament geschickt hatte.
"Der Bundesgesundheitsminister lÀuft Gefahr, die Krankenhausreform mit vollem Tempo an die Wand zu fahren", sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch. Brysch kritisierte, dass Lauterbach an heute fehlender Koordination zwischen Patienten, Angehörigen und Mitarbeitern in den Kliniken nichts Àndern wolle. Einzelne LÀnder hingegen forderten vor allem mehr Geld vom Bund noch in diesem Jahr.
Weiteres frisches Geld sieht Lauterbach im Moment aber nicht als nötig an, um ungeordnetes Kliniksterben abzuwenden. "Wir werden kein dramatisches Krankenhaussterben bekommen." Vergangenes Jahr habe es 33 Insolvenzverfahren gegeben. 7 von 1720 Kliniken hĂ€tten schlieĂen mĂŒssen. Unterm Strich gebe es nach wie vor deutlich zu viele KrankenhĂ€user. FĂŒr sie fehle lĂ€ngerfristig Personal und Geld. Diese Kliniken seien aber auch nicht dauerhaft alle nötig. Ein rasches Kliniksterben hingegen werde durch jĂŒngst beschlossene Milliardenhilfen und Refinanzierung von Lohnsteigerungen verhindert. Insgesamt sei ein RĂŒckbau aber nötig, so Lauterbach. Zu diesem werde es kommen.
Ab Herbst 2024: Mehr Klinik-Transparenz
Noch im laufenden Jahr bekommen die LĂ€nder laut Lauterbach ein neues Instrument fĂŒr die Krankenhausplanung, und zwar zur FolgenabschĂ€tzung. AbgeschĂ€tzt werden sollen beispielsweise die Folgen, wenn an bestimmten HĂ€user einzelne Leistungsangebote gestrichen werden. DafĂŒr sei Deutschland in 84 000 Zellen je 1000 Einwohner eingeteilt worden. Ein Beispiel: Damit könne etwa geprĂŒft werden, wie viele HĂ€user in einer Region WirbelsĂ€ulenchirurgie anböten, wo das fĂŒr die Sicherstellung der Versorgung nötig sei - und ob ein Wegfall dieses Angebots in vertretbarer Entfernung ausgeglichen werden könne.
Lauterbachs Erwartungen sind hoch: Mit den neuen Informationen ĂŒber das gesamte Spektrum der Leistungen der KrankenhĂ€user - sortiert nach sogenannten Leistungsgruppen - gebe es ab Herbst "eine Riesentransparenz". Bisher sei das Krankenhaussystem in Deutschland im Blindflug gefahren worden - fĂŒr rund 90 Milliarden Euro Behandlungskosten pro Jahr. Nun werde es erstmals Planung aufgrund solider Daten geben. LĂ€nder, Kommunen, TrĂ€ger könnten sehen, wo sich Investition oder Kooperation lohnten oder wo auf Angeboten verzichtet werden sollte. "Wir werden einen drastischen Umbau sehen."
Konzentration komplizierter Therapien
Ziel dahinter seien "Strukturverbesserungen, sagte Lauterbach. "Die HĂ€lfte der KrankenhĂ€user in Deutschland hat weniger als 150 Betten." Kleinere HĂ€user wĂŒrden - wo nötig - durch ein geĂ€ndertes Finanzierungssystem am Netz gehalten. Spitzenmedizin könne es hier nur zum Beispiel fĂŒr kleinere chirurgische Eingriffe, innere Medizin, Geburtshilfe oder Notfallversorgung geben - aber nicht fĂŒr komplizierte Krebsmedizin. Bei komplexen planbaren Eingriffen wird es den PlĂ€nen zufolge viel mehr Konzentration geben.

