Berlin-Spandau, Abgeordnetenhaus Berlin

Berlin-Spandau: AfD holt Direktmandat – Abgeordnetenhaus verliert voraussichtlich fünf Sitze

Veröffentlicht am: 02.10.2026 um 11:40 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine Nachzählung im Wahlkreis Spandau 1 ändert den Sieger: AfD-Kandidat Tommy Tabor erhält das Direktmandat statt der CDU-Kandidatin Bettina Meißner. Dadurch dürfte das Berliner Abgeordnetenhaus künftig fünf Sitze weniger haben.

In einem Wahlkreis in Spandau ist das Ergebnis bei einer Nachzählung nach Angaben von Landeswahlleiter Stephan Bröchler noch geändert worden.  - Bild: Marvin Zubrod/dpa
In einem Wahlkreis in Spandau ist das Ergebnis bei einer Nachzählung nach Angaben von Landeswahlleiter Stephan Bröchler noch geändert worden. - Bild: Marvin Zubrod/dpa

Eine Nachzählung im Berliner Wahlkreis Spandau 1 hat das Direktmandat von der CDU zur AfD verschoben und könnte die Größe des Abgeordnetenhauses verändern.

AfD-Kandidat gewinnt Wahlkreis

Nach der Neuauszählung hat AfD-Kandidat Tommy Tabor die meisten Stimmen erhalten. Damit gewinnt er das Direktmandat in Spandau 1 statt der CDU-Kandidatin Bettina Meißner, wie Landeswahlleiter Stephan Bröchler auf dpa-Anfrage mitteilte.

Auslöser war eine Abweichung zwischen der telefonisch übermittelten Schnellmeldung und der Niederschrift des Wahlvorstands. In der Niederschrift sei das korrekte Ergebnis festgehalten worden. Danach lag Tabor mit 34 Stimmen vorn, nicht Meißner mit 80 Stimmen.

Weniger Sitze im Abgeordnetenhaus

Die Änderung wirkt sich voraussichtlich auf die Sitzverteilung im Berliner Landesparlament aus. Weil Meißner kein Direktmandat erhalten habe, falle ein Überhangmandat weg. Deshalb müsse auch die Zahl der Ausgleichsmandate neu berechnet werden.

Nach dem vorläufigen Stand werden demnach 153 Abgeordnete einen Sitz im Abgeordnetenhaus erhalten. Bisher war mit 158 Sitzen gerechnet worden. Welche Parteien und Kandidaten die fünf Sitze verlieren, war zunächst noch Gegenstand der Berechnungen.

Bestätigung am 12. Oktober

Die endgültige Sitzverteilung muss der Landeswahlausschuss noch bestätigen. Die Sitzung ist für den 12. Oktober vorgesehen. Landeswahlleiter Bröchler machte zugleich deutlich, dass die Berechnung bis dahin noch nicht abgeschlossen ist.

Nachzählung mit Folgen für die Sitzverteilung

Der Vorgang zeigt, wie stark ein knappes Direktmandat die Zusammensetzung eines Landesparlaments beeinflussen kann. In Spandau lagen die entscheidenden Stimmen nicht nur zwischen zwei Kandidaten, sondern veränderten zugleich die Grundlage für die Berechnung von Überhang- und Ausgleichsmandaten.

Überhangmandate entstehen, wenn eine Partei mehr Wahlkreise gewinnt, als ihr nach dem Zweitstimmenergebnis zustehen. Ausgleichsmandate sollen das Kräfteverhältnis anschließend wieder annähern. Fällt ein Überhangmandat weg, kann deshalb auch die Gesamtgröße des Parlaments sinken. Nach dem vorläufigen Berechnungsstand würde das Berliner Abgeordnetenhaus fünf Sitze weniger umfassen.

Entscheidung im Landeswahlausschuss

Für die betroffenen Parteien geht es nicht nur um einen einzelnen Wahlkreis. Die endgültige Sitzverteilung entscheidet darüber, welche Kandidatinnen und Kandidaten über Wahlkreis-, Landes- oder Bezirkslisten ein Mandat erhalten. Damit können sich auch persönliche parlamentarische Perspektiven verändern.

Verbindlich wird die neue Berechnung erst mit der Bestätigung durch den Landeswahlausschuss am 12. Oktober. Bis dahin können sich bei der Verteilung der Sitze noch Verschiebungen ergeben. Für Wählerinnen und Wähler ist der Fall zudem ein Hinweis darauf, welche Bedeutung der Unterschied zwischen einer telefonisch übermittelten Schnellmeldung und der maßgeblichen Niederschrift des Wahlvorstands besitzt.

Disclaimer...

de | politik | 70214580 |