Berlin: SPD-Chef Krach stellt Enteignung großer Konzerne infrage
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 09:32 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBerlins SPD-Landes- und Fraktionschef Steffen Krach stellt während der Sondierungen für eine mögliche rot-grün-rote Koalition die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne infrage. Er hält das Vorhaben nach eigenen Angaben juristisch und finanziell nicht für umsetzbar und sieht darin zudem nicht den schnellsten Weg zur Lösung des Berliner Wohnraumproblems.
SPD sieht fehlendes Konzept
Krach sagte dem Fernsehsender „Welt“, an seiner Haltung habe sich seit der Zeit vor der Wahl nichts geändert. Die Debatte dürfte zu einer der größten Belastungsproben der anlaufenden Sondierungen werden, da die Positionen zwischen SPD, Grünen und Linken weit auseinanderliegen.
Besonders kritisierte der SPD-Politiker, dass die Befürworter einer Vergesellschaftung bislang kein belastbares Konzept vorgelegt hätten. Im Wahlkampf habe auf Plakaten zwar die Forderung „Deutsche Wohnen enteignen“ gestanden, die Kosten und der konkrete Nutzen seien aber nicht ernsthaft diskutiert worden.
Haushalt zwingt zu Einschnitten
Nach Einschätzung Krachs könnten die finanziellen Folgen einer Vergesellschaftung den ohnehin angespannten Berliner Haushalt zusätzlich belasten. Er verwies auf milliardenschwere Sparzwänge und machte deutlich, dass die künftige Koalition unabhängig von ihrer Zusammensetzung harte Einschnitte vornehmen müsse.
„Wir werden schon 2027 und 2028 kürzen müssen, weil das Geld fehlt. Das wird wehtun“, sagte Krach. Zugleich räumte er ein, dass die Auseinandersetzung über die Vergesellschaftung in den Sondierungen schwierig werde.
Die Berliner SPD geht mit einer klaren finanziellen und rechtlichen Vorbehaltsposition in die Sondierungen mit Grünen und Linken. Die drei Parteien haben sich nach der Wahl zum Abgeordnetenhaus auf Gespräche über eine mögliche Regierungsbildung verständigt; Sondierungen sind dabei noch keine Koalitionsverhandlungen, sondern sollen zunächst zentrale Streitpunkte und gemeinsame Grundlagen klären.
Die Vergesellschaftung großer privater Immobilienkonzerne gehört zu den konfliktträchtigsten Themen. Ein entsprechender Volksentscheid aus dem Jahr 2021 hatte den Berliner Senat aufgefordert, große Wohnungsunternehmen gegen Entschädigung in Gemeineigentum zu überführen. Die Umsetzung ist politisch, rechtlich und finanziell anspruchsvoll. Dazu zählen die Bewertung der betroffenen Bestände, die Höhe einer möglichen Entschädigung sowie die Frage, wie ein dauerhaft leistungsfähiger öffentlicher Wohnungssektor organisiert werden könnte.
Haushalt als entscheidender Prüfstein
Krach verknüpft die Debatte mit der Berliner Haushaltslage. Nach den von ihm angekündigten Kürzungen für 2027 und 2028 dürfte jede Vereinbarung über zusätzliche Ausgaben besonders begründungspflichtig sein. Für die Sondierungen bedeutet das: Die Linke muss ihre Forderung nach Vergesellschaftung mit einem belastbaren Finanzierungskonzept verbinden, während die SPD auf kurzfristig wirksame Maßnahmen gegen den Wohnungsmangel drängt.
Der Streit betrifft damit nicht nur eine einzelne Sachfrage. Er berührt den grundsätzlichen Kurs der möglichen Koalition: Soll Berlin vorrangig Bestände großer Unternehmen übernehmen oder den Wohnungsbau, die landeseigenen Gesellschaften und die Nutzung vorhandener Flächen stärken? Eine Einigung müsste zudem klären, welche Vorhaben trotz der angekündigten Einsparungen finanzierbar sind.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
rbb24: „Die rot-grün-rote Theorie steht, jetzt kommt der Praxis-Test“ (08.10.2026)
Der Beitrag ordnet die gestarteten Sondierungen als Praxistest für die zuvor vereinbarten politischen Grundlagen ein. Als zentrale offene Streitpunkte nennt er die Vergesellschaftung großer privater Immobilienkonzerne und die Frage, was angesichts der schwierigen Haushaltslage finanziell umsetzbar ist.
tagesschau.de: „Berlin-Wahl: Linke, Grüne und SPD kündigen Sondierungsgespräche an“ (08.10.2026)
Die Meldung bestätigt den Beginn der Sondierungsgespräche nach der Abgeordnetenhauswahl und hebt hervor, dass die Gespräche noch keine Koalitionsverhandlungen sind. Im Mittelpunkt stehen zunächst gemeinsame politische Voraussetzungen und die Frage, ob eine weitergehende Regierungsbildung erfolgversprechend ist.
Beide Beiträge beschreiben den Start der Gespräche als formal vereinbart, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Während der rbb24-Beitrag die konkrete Konfliktlage bei Immobilienpolitik und Finanzen betont, konzentriert sich tagesschau.de stärker auf den institutionellen Ablauf und die Voraussetzungen der Regierungsbildung. Offen bleibt, ob die Parteien bei der Vergesellschaftung und bei den finanziellen Prioritäten einen tragfähigen Kompromiss finden.
