Berliner SPD, Die Linke

Berlin: SPD nimmt Einladung der Linken zu Sondierungsgesprächen an

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 20:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Berliner SPD nimmt die Einladung der Linken zu Sondierungsgesprächen an. Ein rot-grün-rotes Bündnis bleibt möglich, doch beim Umgang mit Antisemitismus und beim Anspruch auf das Bürgermeisteramt stehen schwierige Gespräche bevor.

Wer übernimmt hier künftig das Steuer? (Archivbild)  - Bild: Britta Pedersen/dpa
Wer übernimmt hier künftig das Steuer? (Archivbild) - Bild: Britta Pedersen/dpa

Die Berliner SPD will mit der Linken über eine mögliche Regierungszusammenarbeit sprechen und nimmt dafür die Einladung zu Sondierungsgesprächen an.

Landesvorstand stimmt einstimmig zu

Der Landesvorstand beschloss die Annahme der Einladung einstimmig. Dem Sondierungsteam sollen bis zu fünf Personen angehören: die Landesvorsitzenden Bettina König und Steffen Krach sowie Derya Caglar für die Fraktion.

Je nach Gesprächsthema können bis zu zwei weitere Mitglieder des geschäftsführenden Landesvorstands oder andere Fachleute hinzukommen.

Linke ist stärkste Kraft

Die Linke wurde bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am vergangenen Sonntag mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Ein Parteitag beschloss mit breiter Mehrheit, Grüne und SPD zu Sondierungen für ein mögliches rot-grün-rotes Bündnis einzuladen.

Die Linke will mit ihrer Spitzenkandidatin Elif Eralp erstmals die Regierende Bürgermeisterin stellen. Die SPD kam bei der Wahl auf den fünften Platz.

Sondierungen sind keine Koalitionsverhandlungen

In den Gesprächen sollen die Parteien zunächst klären, welche Themen ihnen besonders wichtig sind und ob die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen erfolgversprechend wäre. Eine Entscheidung über ein Regierungsbündnis fällt damit noch nicht.

Hohe Hürden für Zusammenarbeit

SPD-Landeschef Steffen Krach hatte vor dem Linke-Parteitag erklärt, der Erfolg der Gespräche sei nicht selbstverständlich. Es gebe „durchaus sehr hohe Hürden“; die vergangenen Tage seien zudem nicht absolut vertrauensbildend gewesen.

Die Berliner Linke steht unter anderem wegen umstrittener Positionen von Teilen der Partei zum Nahostkonflikt in der Kritik. Die Parteispitze hat Antisemitismusvorwürfe zurückgewiesen.

Auch Bündnis mit CDU möglich

Rechnerisch möglich wäre auch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD. Krach hatte erklärt, er würde auch mit der CDU sprechen, falls diese einlade. Die Grünen wollen nach erfolgreichen Sondierungen einen kleinen Parteitag über den Einstieg in Koalitionsverhandlungen entscheiden lassen.

Mehrheit nur rechnerisch möglich

Die Berliner Linke ist bei der Abgeordnetenhauswahl mit 25,7 Prozent stärkste Kraft geworden. CDU, Grüne und SPD folgten dahinter; die bisherige schwarz-rote Regierung verfügt nach dem Wahlergebnis nicht mehr über eine eigene Mehrheit. Für die Regierungsbildung sind deshalb Bündnisse aus drei Parteien erforderlich.

Ein rot-grün-rotes Bündnis hätte politisch unterschiedliche Interessen zusammenzuführen. Die Linke verbindet ihren Wahlerfolg mit dem Anspruch, erstmals die Regierende Bürgermeisterin zu stellen. SPD und Grüne müssten zugleich klären, ob sie diesen Führungsanspruch akzeptieren und welche gemeinsamen Vorhaben verbindlich vereinbart werden könnten.

Antisemitismus als zentrale Belastungsprobe

Zu den früh absehbaren Konfliktfeldern gehört der Umgang mit antisemitischen Positionen und Vorfällen im Umfeld der Berliner Linken. SPD und Grüne verlangen hierzu klare Abgrenzungen sowie Aussagen zum Schutz jüdischen Lebens. Auch Fragen zu Sicherheit, Migration, Mieten und gesellschaftlichem Zusammenhalt dürften die Gespräche prägen.

Die Sondierungen dienen zunächst dazu, politische Schnittmengen und unüberwindbare Gegensätze festzustellen. Selbst ein gemeinsamer Auftakt führt daher nicht automatisch zu Koalitionsverhandlungen. Als Alternative bleibt rechnerisch ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD möglich, das allerdings ebenfalls drei Parteien mit unterschiedlichen Prioritäten zusammenführen müsste.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Berliner Zeitung: „Berliner Linke stimmt für Sondierungen mit Grünen und SPD“ (25.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, die Berliner Linke habe mit deutlicher Mehrheit Gespräche mit Grünen und SPD beschlossen. Anders als die dpa-Meldung richte er den Schwerpunkt zusätzlich auf die innerparteilichen Positionen von SPD und Grünen sowie auf mögliche Themen wie Mieten, Migration und den Umgang mit Antisemitismus.

Der Artikel bestätige, dass Sondierungen noch keine Koalitionsverhandlungen seien und dass neben einem rot-grün-roten Bündnis auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD rechnerisch möglich bleibe. Offen bleibe insbesondere, ob die beteiligten Parteien bei den politischen und personellen Streitpunkten ausreichend Gemeinsamkeiten fänden.

FOCUS online: „Berliner Linke will mit Grünen und SPD sondieren“ (25.09.2026)

FOCUS online schreibe, die Linke wolle als Wahlsiegerin mit Grünen und SPD über eine Regierungsbildung sprechen; zunächst sollten getrennte Gespräche, danach ein Dreierformat folgen. Der Beitrag setze einen stärkeren Akzent auf die Debatte über Antisemitismus und Kontakte ins Clan-Milieu als die dpa-Meldung.

Das Medium bestätige zugleich die grundsätzliche Gesprächsbereitschaft von Grünen und SPD und betone, daraus entstehe kein Automatismus für Koalitionsverhandlungen. Als weiterer offener Punkt werde dargestellt, wie die möglichen Partner auf die Kontroversen im Berliner Landesverband der Linken reagierten.

Die Berichte stimmten darin überein, dass die Linke nach ihrem Wahlsieg Gespräche anstrebe und die Regierungsbildung offen sei. Unterschiede lägen vor allem in der Gewichtung innerparteilicher Konflikte und möglicher Sachthemen.

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