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Berlin-Wahl: Linke will mit SPD und Grünen regieren und setzt auf Vergesellschaftung

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 18:36 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Die Linke will nach ihrem Wahlsieg in Berlin mit Grünen und SPD in Sondierungen gehen und setzt die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne auf die Agenda. Zugleich belasten Vorwürfe und Distanzierungsforderungen nach Vorfällen auf Wahlpartys die Regierungsbildung.

  • Elif Eralp könnte in Berlin erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden.  - Bild: Britta Pedersen/dpa
    Elif Eralp könnte in Berlin erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden. - Bild: Britta Pedersen/dpa
  • Die politische Zukunft von SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (2. von rechts) ist offen.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    Die politische Zukunft von SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (2. von rechts) ist offen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers kann sich nach der Berlin-Wahl Gespräche mit den Parteien der Mitte vorstellen.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa
    CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers kann sich nach der Berlin-Wahl Gespräche mit den Parteien der Mitte vorstellen. - Bild: Kay Nietfeld/dpa
  • Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf stellt Bedingungen für eine Koalition mit der Linken. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
    Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf stellt Bedingungen für eine Koalition mit der Linken. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa
Elif Eralp könnte in Berlin erste Regierende Bürgermeisterin der Linken werden.  - Bild: Britta Pedersen/dpa Die politische Zukunft von SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach (2. von rechts) ist offen.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers kann sich nach der Berlin-Wahl Gespräche mit den Parteien der Mitte vorstellen.  - Bild: Kay Nietfeld/dpa Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf stellt Bedingungen für eine Koalition mit der Linken. - Bild: Sebastian Gollnow/dpa

Nach ihrem Wahlsieg bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus will die Linke mit Grünen und SPD eine Koalition schmieden.

Sondierungen nach dem Sieg

Der geschäftsführende Landesvorstand habe dazu geraten, beiden Parteien Sondierungsgespräche anzubieten, sagte Spitzenkandidatin Elif Eralp. Am Abend wolle der erweiterte Landesvorstand beraten, am Freitag sei ein Parteitag geplant. Eralp erwarte ein klares Mandat für Gespräche mit Grünen und SPD.

Vergesellschaftung im Fokus

In möglichen Koalitionsverhandlungen will Eralp die Enteignung von Wohnungskonzernen gegen Entschädigung in den Mittelpunkt stellen. Sie verwies auf den Volksentscheid von 2021 und sagte, in einer Regierung müsse auch vergesellschaftet werden.

Die Linke sieht darin ein zentrales Instrument gegen hohe Mieten und Spekulation mit Wohnraum in der Hauptstadt. Eralp stellte zugleich klar, dass Kompromisse nötig sein würden.

Mehrheit im Parlament

Bei der Wahl am Sonntag wurde die Linke mit 25,7 Prozent stärkste Kraft. Dahinter folgten CDU, AfD, Grüne und SPD. Im neuen Abgeordnetenhaus verfügt die Linke über 47 Sitze, die bisher regierende CDU/SPD-Koalition hat ihre Mehrheit verloren.

Rechnerisch möglich sind damit ein Bündnis aus Linke, Grünen und SPD oder ein Dreierbündnis aus CDU, Grünen und SPD. Mit der AfD will niemand koalieren.

Belastung durch Vorfälle am Wahlabend

Die Regierungsbildung dürfte dennoch schwierig werden. Nach Vorfällen bei Linken-Wahlpartys forderten Grüne und SPD vor einer Zusammenarbeit ein klares Bekenntnis gegen Antisemitismus.

Eralp und die Bundesvorsitzende Ines Schwerdtner distanzierten sich von Gewaltverherrlichung und Terrorverherrlichung. SPD-Landeschef Steffen Krach kündigte sachbezogene Gespräche an, machte aber deutlich, dass es zuvor Klärungsbedarf gebe.

Auch die Berliner SPD muss nach ihrem historisch schlechten Ergebnis ihre Rolle neu bestimmen. Offen ist zudem, ob Steffen Krach selbst eine politische Zukunft auf Landesebene hat oder ob die Partei personell und inhaltlich neu aufgestellt wird.

Koalitionsbildung unter Druck

Der Wahlsieg der Linken verschiebt die Machtverhältnisse in Berlin deutlich. Mit dem klaren Vorsprung vor CDU, Grünen und SPD hat die Partei den Regierungsauftrag zunächst auf ihrer Seite, zugleich braucht sie für eine Mehrheit Partner, die in zentralen Fragen nicht weit genug von ihr entfernt sind.

Besonders die Wohnungsfrage bleibt der politisch schärfste Konflikt. Die von Elif Eralp angekündigte Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne knüpft an den Volksentscheid von 2021 an und trifft auf ein Stadtbild, das seit Jahren von hohen Mieten, Wohnungsengpässen und Verdrängung geprägt ist. Für viele Wähler ist das ein Kernversprechen, für potenzielle Partner aber ein schwerer Verhandlungspunkt.

Sicherheit, Vertrauen und Mehrheiten

Mindestens ebenso wichtig wie die Wohnungspolitik ist die Frage des politischen Klimas nach den Vorfällen auf der Wahlparty. Grüne und SPD machen ihre Gesprächsbereitschaft davon abhängig, wie die Linke mit antisemitischen Grenzüberschreitungen in den eigenen Reihen umgeht. Damit geht es nicht nur um Personal oder Disziplin, sondern um Vertrauen in eine mögliche Koalition.

Für die Stadt bedeutet das: Die Regierungsbildung dürfte langsamer und konfliktreicher verlaufen als der Wahlsieg vermuten lässt. Gleichzeitig steht Berlin vor der üblichen Probe nach einem Regierungswechsel in einer fragmentierten Parteienlandschaft: Wer mitregieren will, muss programmatische Ziele, Sicherheitsfragen und finanzpolitische Grenzen zugleich austarieren.

Signal über Berlin hinaus

Der Ausgang der Wahl wirkt auch über die Hauptstadt hinaus. Die Debatte um Enteignung, Mietpolitik und den Umgang mit Antisemitismus dürfte bundespolitisch nachhallen, weil Berlin erneut zum Testfall für linke Regierungsfähigkeit wird. Für die Berlinerinnen und Berliner entscheidet sich daran, ob der Wahlauftrag rasch in belastbare Gespräche oder in einen langen Koalitionspoker mündet.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Tagesspiegel: „Newsblog zur Berlin-Wahl 2026: Bundeskanzler Merz will ...“ (21.09.2026)

Der Bericht hebe hervor, dass die Linke die Wahl klar gewonnen habe und Elif Eralp die Vergesellschaftung großer Wohnungskonzerne in mögliche Koalitionsgespräche tragen wolle. Zugleich setze der Artikel einen anderen Schwerpunkt als die dpa-Meldung, indem er die bundespolitische Reaktion von Friedrich Merz und die Frage nach einem Anti-Enteignungs-Gesetz stärker betone.

Deutschlandfunk: „Linke in Berlin Reichinnek weist Antisemitismus-Vorwürfe zurück - Grüne fordern Auseinandersetzung“ (21.09.2026)

Der Beitrag bestätige die Spannung zwischen Wahlsieg und Regierungsbildung und rücke die Antisemitismus-Debatte sowie die Erwartungen der Grünen an die Linke in den Mittelpunkt. Anders als die dpa-Meldung stelle der Bericht vor allem die innerparteiliche Abgrenzung und die Reaktionen des Zentralrats der Juden heraus.

fr.de: „Linke Elif Eralp gewinnt in Berlin – doch Antisemitismus-Streit bedroht ihre Koalition“ (20.09.2026)

Das Medium schreibe, der Jubel über den Sieg der Linken werde von den Streitpunkten um Antisemitismus und mögliche Bündnisse überlagert. Der Bericht ergänze die dpa-Meldung vor allem um die Stimmung am Wahlabend und die politische Belastung, die aus den Vorfällen für die Koalitionsbildung entstehen könne.

Übereinstimmend zeichneten die Berichte das Bild einer Siegerin, die regieren wolle, aber auf Partner und Vertrauen angewiesen bleibe. Offen bleibe vor allem, ob die Gespräche mit Grünen und SPD an der Wohnungsfrage, an der Antisemitismus-Debatte oder an beidem zugleich scheiterten oder in eine tragfähige Mehrheit mündeten.

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