ApothekenreformplÀne, Arzneimittel

ApothekenreformplÀne entwerten Arzneimittel

25.06.2024 - 11:27:02

Berlin - "Wenn die PlĂ€ne so umgesetzt werden, riskiert man eine deutliche Verschlechterung in der Arzneimitteltherapie und der Patientensicherheit, mit absehbaren Folgekosten fĂŒr die Sozialsysteme", kommentiert der BPI-HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer Dr. Kai Joachimsen, anlĂ€sslich der heutigen Anhörung zum Referentenentwurf eines Apothekenreformgesetzes im Bundesgesundheitsministerium. "Arzneimittel sind viel mehr als ein Konsumgut, das durch Handel und Logistik zum Patienten transportiert wird. Es sind sensible Produkte, die in aller Regel Beratung in den Apotheken vor Ort erfordern. Eine Apotheke light fĂŒhrt demzufolge auch zu einer Arzneimittelversorgung light und das können wir gegenĂŒber den Patientinnen und Patienten nicht verantworten."

"Ein zentrales Ziel des Referentenentwurfs ist "der Erhalt eines flĂ€chendeckenden Apothekennetzes mit persönlicher Vor-Ort-Beratung". Die vorgesehenen Maßnahmen, um dieses Ziel zu erreichen, wenden sich aber von dem heute bekannten und gut funktionierenden Modell der inhabergefĂŒhrten Apotheke ab. Sie ebnen den Weg fĂŒr Fremdbesitz an Arzneimittelvertriebsstellen. Durch die Zulassung von BetriebsstĂ€tten ohne anwesende Apotheker wird der Begriff "Apotheke" seines wesentlichen Kerns beraubt, die Apothekenpflicht de facto abgeschafft und der Weg fĂŒr Fremdbesitz geebnet. Dies wird negative Folgen fĂŒr die Gesundheitsversorgung und das Angebot ortsnaher ArbeitsplĂ€tze haben, was im Widerspruch zu den zusĂ€tzlichen Aufgaben fĂŒr Apotheken in anderen Gesetzgebungsverfahren steht. Die Möglichkeit, zusĂ€tzlich zu den heute maximal vier BetriebsstĂ€tten einer Apotheke zwei "Zweigapotheken" betreiben zu dĂŒrfen, und große Entfernungen zwischen den BetriebsstĂ€tten zuzulassen, entwertet die eigenverantwortliche Leitung einer Apotheke durch einen freien Heilberuf. Dies untergrĂ€bt das gesetzliche Berufsbild des "Apothekers in seiner Apotheke". Zudem verĂ€ndert es den Vertriebsweg von Arzneimitteln erheblich. Die lokale VerfĂŒgbarkeit und die persönliche Beratung durch den Apotheker werden durch grĂ¶ĂŸere, zentralisierte Strukturen und Fernberatung ersetzt. Dies fĂŒhrt zu einer Fragmentierung des Versorgungsweges und einer verminderten Kontrolle ĂŒber die Arzneimittelsicherheit", so Joachimsen.

"Die negativen Folgen fĂŒr die Versorgung der Bevölkerung können nicht durch "telepharmazeutische" Angebote kompensiert werden, da diese nur genutzt werden, wenn ein Bedarf vom Patienten oder Angehörigen erkannt wird. Ein Kernelement hochwertiger Versorgung, nĂ€mlich die individuelle Beratung durch den Apotheker, entfĂ€llt. Zudem wird die EinfĂŒhrung von Abgabeautomaten nicht verhindert werden können, da pharmazeutisches Personal bei der Auslieferung eines Arzneimittels verzichtbar gemacht wird, wenn die Beratung telepharmazeutisch erfolgt. Dies fĂŒhrt zur Trivialisierung des Arzneimittels mit nachteiligen Folgen fĂŒr den Gesundheitsschutz und die individuelle Sicherheit der Patienten."

"Auch an der Existenzsicherung der Apotheken geht der Gesetzesentwurf vorbei. Hinsichtlich der ApothekenvergĂŒtung ist lediglich eine Umverteilung geplant, Einsparungen sollen durch abgesenkte QualitĂ€tsanforderungen generiert werden. Dies behebt weder die Unterfinanzierung der Apotheken, noch wĂŒrdigt es Arzneimittel als "besondere GĂŒter". Ein Punkt im Referentenentwurf ist hingegen wichtig und richtig: Die Impfquoten sollen erhöht werden, was wir sehr begrĂŒĂŸen. Aber gerade auch dafĂŒr benötigen wir die vollwertige Apotheke vor Ort. Stattdessen soll es in Zukunft in Richtung fremdfinanzierte Apothekenketten mit einem großen Versandhandelsanteil gehen. Das lehnen wir entschieden ab", so Joachimsen.

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