Elif Eralp, Berliner Linke

Berliner Linke: Eralp kämpft trotz Kritik um das Rote Rathaus

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 12:51 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Die Berliner Linke-Fraktionschefin weist Rücktrittsforderungen und Kritik nach der Sicherheitsdebatte zurück. Auf dem Landesparteitag steht zugleich die Entscheidung über Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen an.

Eralps Rede vor dem Parteitag

  • Elif Eralp bekräftigte auf dem Landesparteitag ihren Anspruch auf das Amt der Regierenden Bürgermeisterin.
  • Die Linke will in Berlin 160.000 Wohnungen großer Konzerne vergesellschaften.
  • Die Delegierten sollen über den Start von Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SPD abstimmen.
Die Berliner Linke-Politikerin Elif Eralp will Regierende Bürgermeisterin werden. - Bild: Christoph Soeder/dpa

Eralp bekräftigt Führungsanspruch auf Berliner Parteitag

Die Berliner Linke-Fraktionschefin Elif Eralp hat ihren Willen bekräftigt, trotz heftiger Kritik Regierende Bürgermeisterin der Hauptstadt zu werden. Auf einem Landesparteitag sagte sie, die Partei und sie selbst würden sich nicht zum Aufgeben zwingen lassen.

Eralp sprach von einer „Angriffswelle“ und warf auch Bundeskanzler Friedrich Merz vor, SPD und Grüne gegen eine rot-grün-rote Regierung in Berlin unter Druck zu setzen.

Kritik an Eralp nach Sicherheitsdebatte

Die Linke-Politikerin bezog sich auf einen am Donnerstag veröffentlichten Bericht des „Spiegel“. Demnach hatte sie in internen Anmerkungen ihre Sorge um die Sicherheit ihrer Familie im Zusammenhang mit einem bekannten Palästina-Aktivisten und Terrorsympathisanten geäußert.

Nach der Veröffentlichung seien Rücktrittsforderungen und weitere Anfeindungen hinzugekommen, sagte Eralp. Sie betonte zugleich, sie werde sich nicht einschüchtern lassen und gegen Menschenfeindlichkeit, Antisemitismus und Rassismus vorgehen.

Linke wirbt für soziale Kernforderungen

Die Fraktionschefin erklärte, die Kritik habe eine „zerstörerische Dimension“ erreicht. Sie begründete den politischen Widerstand gegen ihre Partei mit deren Vorhaben, soziale Interessen in den Mittelpunkt zu stellen und die Eigentumsfrage zu stellen.

In Berlin will die Linke 160.000 Wohnungen großer Konzerne vergesellschaften. Eralp erhielt während ihrer mehr als 20-minütigen Rede mehrfach stehenden Applaus und „Elif, Elif“-Rufe.

Entscheidung über Koalitionsverhandlungen

Die Delegierten sollen nach Grünen und SPD über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden. Erwartet wird eine klare Mehrheit für den Start der Gespräche.

Elif Eralps Rede fällt in eine Phase, in der die Berliner Linke zwischen Regierungsanspruch, innerparteilichen Konflikten und Angriffen von außen steht. Der Parteitag soll über den Beginn von Koalitionsverhandlungen mit SPD und Grünen entscheiden. Damit verbindet sich die Frage, ob die Partei trotz der Debatte um Eralps Sicherheitsbedenken geschlossen genug für eine mögliche Regierungsbildung ist.

Im Zentrum der politischen Auseinandersetzung stehen neben der Bewertung antisemitischer und extremistischer Positionen auch soziale Kernforderungen der Linken. Dazu gehört die geplante Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen. Im Sondierungspapier wurde nach bisherigen Beratungen eine Schwelle von mehr als 10.000 Wohnungen genannt; im Volksentscheid und im Wahlprogramm war zuvor von 3.000 Wohnungen die Rede.

Koalitionssuche unter hohem Druck

Für SPD und Grüne wäre ein Bündnis mit der Linken politisch anspruchsvoll, weil es Fragen der inneren Sicherheit, des Umgangs mit dem Nahostkonflikt und der Wohnungswirtschaft berührt. Zugleich könnte eine Zustimmung der Linken den nächsten formalen Schritt zur Regierungsbildung ermöglichen. Die Debatte um Eralp dürfte deshalb über den Parteitag hinaus die Gespräche und die öffentliche Bewertung einer möglichen Landesregierung prägen.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „Die Linke in Berlin: Aus dem Trubel in die Koalition?“ (31.10.2026)

Der Beitrag ordnet die Entscheidung des Parteitags über Koalitionsverhandlungen als von der Debatte um Eralp und Antisemitismusvorwürfe überschattet ein. Zusätzlich beleuchtet er den Druck aus der Bundespolitik und die geplante Vergesellschaftung von Wohnungen.

rbb24: „Eralp-Debatte überschattet Berlins Regierungsbildung“ (30.10.2026)

Der Beitrag stellt die Sicherheitsdebatte in den Zusammenhang mit weiteren Konflikten in der Berliner Linken, darunter dem Umgang mit einer umstrittenen Abgeordneten und Streit über das Sondierungspapier. Als offene Punkte nennt er die innerparteiliche Abstimmung über Koalitionsgespräche und zentrale Sachfragen wie die Vergesellschaftung.

Beide Beiträge sehen die Koalitionsentscheidung als nächsten formalen Schritt, setzen aber unterschiedliche Schwerpunkte: Die tagesschau fokussiert stärker auf den bundespolitischen und parteiinternen Rahmen, rbb24 auf die konkreten Konfliktlinien in Berlin.

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