Beauftragter:Â Problem durch Antisemitismus an Schulen
10.10.2023 - 15:47:59 | dpa.de
Der Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus, Samuel Salzborn, hĂ€lt ein stĂ€rkeres Vorgehen gegen Hass auf Juden und auf den Staat Israel an Schulen fĂŒr nötig. «Antisemitismus muss in den Schulunterricht als festes Themenfeld verankert werden», sagte Salzborn der Deutschen Presse-Agentur. «Wir kommen nicht umhin, hier nachzusteuern.»
Nach seiner EinschĂ€tzung sollten die RahmenlehrplĂ€ne bundesweit entsprechend verĂ€ndert werden, zumindest in FĂ€chern wie Ethik oder Sozialkunde. Infrage kĂ€men auch Geografie oder zum Beispiel Musik, da oft sogenannter Gangsta-Rap antisemitische BezĂŒge habe.
Das Wort Jude als Schimpfwort
Nach den Erfahrungen Salzborns haben Antisemitismus und Hass auf Israel bei Berliner SchĂŒlern in den letzten 10 bis 15 Jahren deutlich zugenommen. Auch Kinder und Jugendliche aus Familien mit muslimischen und arabischen Wurzeln hĂ€tten diese Einstellungen.
«Das Problem ist virulent, in der Vergangenheit gab es auch immer wieder GewaltvorfĂ€lle in dem Zusammenhang», sagte Salzborn. «Dass das Wort Jude als Schimpfwort und auch als Drohung benutzt wird, ist weit verbreitet.» Das löse bei jĂŒdischen, aber auch anderen MitschĂŒlerinnen und MitschĂŒlern Angst aus.
«Wir hören immer wieder, dass Eltern jĂŒdischer Kinder diese abmelden von staatlichen Schulen und sie in jĂŒdischen Schulen anmelden.» Die Bildungsverwaltung versuche in solchen FĂ€llen, Betroffenen unbĂŒrokratisch zu helfen und einen Schulwechsel zu ermöglichen.
Im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt, so auch aktuell nach dem Angriff der Terrororganisation Hamas auf Israel mit vielen Toten, eskaliere die Situation an den Schulen immer wieder mal, sagte Salzborn. «Aber die Ressentiments gegen Juden und Israel sind auch an den anderen Tagen da.» Kinder und Jugendliche brÀchten sie aus ihrem sozialen und familiÀren Umfeld mit.
Schulungsangebot fĂŒr LehrkrĂ€fte
Salzborn begrĂŒĂte, dass die Berliner Bildungsverwaltung dazu aufgerufen habe, den Angriff der Hamas und seine Folgen im Unterricht offensiv anzusprechen und zu diskutieren. Es sei gut, dass es dazu auch Materialien und Schulungsangebote fĂŒr LehrkrĂ€fte gebe.
«Es wĂ€re aber auch wichtig, dass sich jetzt insbesondere muslimische VerbĂ€nde ganz klar gegen Terror und Gewalt positionieren», sagte Salzborn. Auch diese hĂ€tten eine Verantwortung, gerade Kindern und Jugendlichen deutlich zu machen, dass Gewalt keine Lösung fĂŒr Konflikte sein kann.
Neuköllner BĂŒrgermeister: Nahost-Konflikt Thema an Schulen
Nach EinschĂ€tzung des BezirksbĂŒrgermeisters erschwert der Nahost-Konflikt an manchen Schulen in Berlin-Neukölln schon seit lĂ€ngerem den Unterricht. Er beobachte, dass der Nahost-Konflikt auch an einzelnen Schulen in seinem Bezirk ausgetragen wird, sagte Martin Hikel (SPD) dem RBB-Sender Radio Eins. Dabei gehe es vor allem um SchĂŒler und SchĂŒlerinnen, die in ihren Familien viel arabische Medien, etwa Fernsehsender und Internetportale, konsumieren wĂŒrden.
Er sei daher in Kontakt mit den Schulen und dem Berliner Senat, sagte Hikel. «Weil natĂŒrlich kann es nicht sein, dass ein Konflikt, der Tausende von Kilometer von Berlin stattfindet, hier auch dafĂŒr sorgt, dass unter UmstĂ€nden die Kolleginnen und Kollegen in den Schulen nicht vernĂŒnftig unterrichten können.»
Am Montag war es nach dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel zu einem gewalttĂ€tigen Auseinandersetzung zwischen einem SchĂŒler und einem Lehrer an einem Gymnasium in Neukölln gekommen. Ein 14-jĂ€hriger SchĂŒler sei mit einer PalĂ€stina-Flagge und einem PalĂ€stinensertuch in der Schule erschienen, teilte die Polizei mit. Der 61-jĂ€hrige Lehrer wollte ihm das Tragen der politischen Symbole verbieten. Daraufhin griff ein 15-jĂ€hriger SchĂŒler ein und versetzte dem Lehrer einen KopfstoĂ. Der Lehrer wehrte sich den Angaben zufolge und schlug den SchĂŒler, der dann wiederum nach dem Lehrer trat. Die Polizei wurde alarmiert und ermittelt wegen Körperverletzung.
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