Bonner, Diplomaten

Bonner Diplomaten blickten 1993 gönnerhaft auf Merkel

05.07.2024 - 13:00:00

Bonner Diplomaten haben auf die spÀtere Kanzlerin Angela Merkel offenbar zunÀchst gönnerhaft herabgeblickt.

Das legt ein Bericht nahe, den der Generalkonsul in San Francisco Elmar Weindel nach einem Besuch Merkels 1993 fĂŒr das AuswĂ€rtige Amt (AA) schrieb und ĂŒber den der "Spiegel" berichtet. Merkel war damals Ministerin fĂŒr Frauen und Jugend im Kabinett Helmut Kohls. Weindel hatte nach eigenen Angaben der Besucherin ein "sehr anregendes Damen-Abendessen" ausgerichtet, bei dem sie "EindrĂŒcke von der sozialen und politischen Wirklichkeit in Kalifornien" gewonnen habe.

Merkel habe stets Englisch gesprochen - und durch "ihre unprĂ€tentiöse und ungekĂŒnstelt erfrischende Art ĂŒberzeugt, die durch ihre Einfachheit und Ehrlichkeit bestach". Ein Diplomat des USA-Referats setzte ein Ausrufezeichen an den Rand. Besonders scheint Weindel gefallen zu haben, dass die Ministerin mit DDR-Vergangenheit "von ihren ostdeutschen Landsleuten" mehr Verantwortungsbereitschaft im Vereinigungsprozess verlangte. Das habe Merkels GlaubwĂŒrdigkeit erhöht. Heute hat Merkel laut einer Sprecherin "sehr gute Erinnerungen an ihre USA-Reise 1993, aber keine besonderen, die sie mit der Öffentlichkeit teilen wĂŒrde". Die Aufzeichnung Weindels findet sich in einer Dokumentensammlung, die nun das Institut fĂŒr Zeitgeschichte im Auftrag des AA veröffentlicht.

@ dts-nachrichtenagentur.de