Borussia Mönchengladbach trennt sich nach drei Spielen von Trainer Eugen Polanski
Veröffentlicht am: 13.09.2026 um 11:25 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBorussia Mönchengladbach hat sich nach nur drei Spieltagen der neuen Bundesliga-Saison von Cheftrainer Eugen Polanski getrennt.
Polanski muss nach schlechtem Saisonstart gehen
Der Verein bestĂ€tigte die Entscheidung rund eine Stunde nach ersten Medienberichten und einen Tag nach der 0:5-Niederlage beim SC Freiburg. Der Club ist nach drei Partien noch ohne Punkt und vollzog damit den ersten Trainerwechsel der laufenden Bundesliga-Saison. Polanski, der die Borussia im Vorjahr ĂŒbernommen hatte, ist damit nicht mehr Coach des Traditionsvereins vom Niederrhein.
Sportchef Rouven Schröder begrĂŒndete die Trennung mit ausbleibenden Ergebnissen trotz ordentlicher Vorbereitung und positiver AnsĂ€tze. Neben Polanski verlĂ€sst auch Co-Trainer Tobias Trulsen den Verein. Die zuletzt gezeigten Leistungen hĂ€tten zu der Entscheidung gefĂŒhrt, den 40-JĂ€hrigen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden.
Emotionaler Abschied und Blick nach vorn
Polanski bedankte sich fĂŒr die gemeinsame Zeit und bezeichnete Borussia Mönchengladbach als seinen Verein. Zugleich machte er deutlich, wie sehr ihn die Entwicklung trifft. Nach dem erreichten Klassenerhalt in der vergangenen Spielzeit habe man zur neuen Saison vieles verĂ€ndern wollen, die PlĂ€ne aber nicht wie erhofft umsetzen können. Er Ă€uĂerte die Hoffnung, dass die Mannschaft schnell wieder in die Spur findet.
Als Interimstrainer ĂŒbernimmt zunĂ€chst Co-Trainer Jan-Moritz Lichte. Er soll nach Vereinsangaben auch beim kommenden Bundesligaspiel gegen den FSV Mainz 05 an der Seitenlinie stehen und wird von Markus Gellhaus sowie dem ĂŒbrigen Trainerteam unterstĂŒtzt. Lichte war im Sommer aus dem Nachwuchsbereich von Manchester City nach Mönchengladbach gewechselt und hatte dort zunĂ€chst als Assistent mit Schwerpunkt Entwicklung gearbeitet.
Parallelen zur Vorsaison und Druck auf die Verantwortlichen
Der aktuelle Schritt erinnert auffallend an die Vorsaison, als sich Gladbach ebenfalls nach drei Ligaspielen von Trainer Gerardo Seoane getrennt hatte. Damals ĂŒbernahm Polanski die Profimannschaft, nachdem er zuvor das Regionalligateam des Vereins betreut hatte. Die vergangene Saison schloss Borussia Mönchengladbach schlieĂlich auf Tabellenplatz zwölf ab.
Wie im Fall Seoane war die Mannschaft auch mit Polanski trotz deutlicher Zweifel im Umfeld und im Aufsichtsrat in die neue Spielzeit gegangen. Die damalige Entscheidung hatte noch der frĂŒhere Sportchef Roland Virkus verantwortet, der kurz darauf seinen Posten rĂ€umte. Nun trifft Nachfolger Schröder die Entscheidung, sich von Polanski zu trennen, und steht vor der Aufgabe, einen neuen Cheftrainer zu finden.
Umbau des Kaders bleibt vorerst ohne Wirkung
Nach der enttĂ€uschenden Vorsaison hatte Schröder gemeinsam mit dem Trainerteam den Kader umfassend verĂ€ndert und insgesamt elf neue Spieler verpflichtet. Diese Neuausrichtung sollte die Grundlage fĂŒr eine stabilere Saison ohne Abstiegssorgen bilden. Nach drei Niederlagen zu Beginn und dem klaren 0:5 in Freiburg ist jedoch ErnĂŒchterung eingekehrt.
ZusĂ€tzlich belastet ein ausgeprĂ€gtes Verletzungspech die Lage: FĂŒnf Spieler fehlen aktuell teils schwer verletzt. Trotz dieser schwierigen Voraussetzungen hatten sich Schröder und Polanski zuletzt optimistisch gezeigt. Am Ende gaben der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte und ein Punkteschnitt von nur 1,09 in 34 Bundesligapartien den Ausschlag, den Trainerwechsel erneut frĂŒh in der Saison zu vollziehen.
Erneuter Umbruch bei Borussia Mönchengladbach
Die Trennung von Eugen Polanski nach nur drei Spieltagen markiert fĂŒr Borussia Mönchengladbach einen weiteren tiefgreifenden Einschnitt in einer ohnehin bewegten Phase. Der Club hatte nach einer schwankenden vergangenen Saison und Platz zwölf auf umfangreiche Kader- und StrukturverĂ€nderungen gesetzt, statt frĂŒh den Trainer zu wechseln. Nun folgt doch der schnelle Bruch â und das zum zweiten Mal in Folge bereits unmittelbar nach dem Saisonstart. FĂŒr Fans und Umfeld verfestigt sich damit der Eindruck, dass sich der Verein in einer anhaltenden Phase der Neuorientierung befindet.
Sportliche Lage und struktureller Druck
Der sportliche Hintergrund ist drastisch: Drei Niederlagen zum Auftakt, ein 0:5 in Freiburg und der schlechteste Saisonstart der Vereinsgeschichte sind ein deutlicher Hinweis auf grundlegende Probleme im Spiel der Mannschaft. Hinzu kommt ein erheblicher Verletzungsstau mit mehreren AusfĂ€llen, der die ohnehin neu zusammengestellte Mannschaft zusĂ€tzlich belastet. Unter diesen Bedingungen steigt der Druck auf die sportliche Leitung, kurzfristig StabilitĂ€t zu erzeugen. Die Entscheidung, zunĂ€chst Co-Trainer Jan-Moritz Lichte als Interimslösung zu installieren, schafft Zeit, nimmt der KlubfĂŒhrung aber nicht die Pflicht, rasch eine tragfĂ€hige mittelfristige Lösung zu finden.
Konsequenzen fĂŒr Verein und Umfeld
FĂŒr Gladbach hat der erneute frĂŒhzeitige Trainerwechsel strategische Folgen. Einerseits soll der Schritt verhindern, dass die Saison frĂŒh in Richtung Abstiegskampf abgleitet, andererseits wirft er Fragen zur langfristigen Planung und zur Auswahl der Trainer auf. Dass nacheinander unterschiedliche Sportchefs nach Ă€hnlichem Muster handeln, verdeutlicht den hohen Erwartungsdruck aus Aufsichtsrat, Umfeld und Bundesliga-Konkurrenz. FĂŒr die Mannschaft bedeutet die Entscheidung erneut Anpassung an neue Ideen und FĂŒhrungspersonen. FĂŒr die AnhĂ€nger ist die Lage ambivalent: Zwischen der Hoffnung auf eine sportliche Trendwende und der Sorge, dass die vielen UmbrĂŒche KontinuitĂ€t und IdentitĂ€t der Borussia weiter belasten.
