Nato: Russische Verluste bei mehr als 600.000 Soldaten
28.10.2024 - 14:57:43(neu: Details)
BRĂSSEL (dpa-AFX) - Die Nato provoziert den russischen PrĂ€sidenten Wladimir Putin mit neuen SchĂ€tzungen zu Moskaus Verlusten und Spekulationen ĂŒber die HintergrĂŒnde der Entsendung nordkoreanischer Soldaten in die Grenzregion Kursk. GeneralsekretĂ€r Mark Rutte bezifferte die Zahl der im Ukraine-Krieg getöteten und verletzten russischen Soldaten auf mehr als 600.000.
Dazu ergĂ€nzte er mit Blick auf Putin: "Er ist nicht in der Lage, seinen Angriff auf die Ukraine ohne auslĂ€ndische UnterstĂŒtzung aufrechtzuerhalten." Die Stationierung nordkoreanischer Truppen in Kursk sei "ein Zeichen fĂŒr die wachsende Verzweiflung".
Sollten die Nato-SchĂ€tzungen stimmen, könnte sich die Opferzahl auf russischer Seite innerhalb eines Jahres rund verdoppelt haben. Wie viele der russischen Opfer nach EinschĂ€tzung der Nato Tote sind, sagte Rutte allerdings nicht. Auch zu den ukrainischen Verlusten Ă€uĂerte er sich nicht. Opferzahlen in solchen Konflikten lassen sich in der Regel nicht unabhĂ€ngig verifizieren.
Nordkoreaner Nato zufolge schon in grenznaher Region Kursk
Rutte Ă€uĂerte sich unmittelbar nach Beratungen ĂŒber die in den letzten Tagen bekanntgewordene Entsendung nordkoreanischer Soldaten nach Russland. Sowohl die Ukraine als auch westliche Partner befĂŒrchten, dass sie sich in KĂŒrze auch an KĂ€mpfen mit ukrainischen Truppen beteiligen sollen. Rutte sagte, er könne nun bestĂ€tigen, dass nordkoreanische MilitĂ€reinheiten in der Region Kursk stationiert seien. Dorthin hatten die ukrainischen StreitkrĂ€fte im Sommer eine Art Entlastungsangriff gestartet und ein Teil der Region unter ihre Kontrolle gebracht.
Unklar blieb am Montag zunĂ€chst, ob die Nato hofft, Russland mit den provokativen ĂuĂerungen von einem Einsatz nordkoreanischer Soldaten abhalten zu können. Ziel könnte es in einem solchen Fall sein, Putin bei der Ehre zu packen, indem man kommuniziert, dass er alleine mittlerweile zu schwach ist, um den Krieg weiterzufĂŒhren. Alternativ könnte es sein, dass es vor allem um eine Botschaft an die Bevölkerung in Russland gehen soll. Diese bekommt nach westlicher EinschĂ€tzung bislang keinerlei realistische Zahlen zu den verheerenden russischen Verlusten an der Front.
Bei dem Termin in BrĂŒssel hatten Experten aus SĂŒdkorea Vertreter der Nato-Staaten und andere Partner ĂŒber Erkenntnisse zu den nordkoreanischen UnterstĂŒtzungsplĂ€nen fĂŒr Russland gebrieft. Laut dem sĂŒdkoreanischen Geheimdienst hat Nordkorea bereits Tausende Soldaten nach Russland geschickt und den Einsatz von insgesamt rund 12.000 Soldaten geplant.
Rutte sieht erhebliche Eskalation
Aus Sicht des VerteidigungsbĂŒndnisses stellt dies eine erhebliche Eskalation und eine gefĂ€hrliche Ausweitung von Russlands Krieg dar. "Die vertiefte militĂ€rische Zusammenarbeit zwischen Russland und Nordkorea ist eine Bedrohung sowohl fĂŒr die Sicherheit im Indopazifik als auch im euro-atlantischen Raum", sagte Rutte. Er verwies darauf, dass Nordkorea Russland bereits zuvor mit Millionen Schuss Munition und ballistischen Raketen versorgt habe. Diese heizten einen schweren Konflikt im Herzen Europas weiter an.
Russland und Nordkorea weisen die Absicht eines Kampfeinsatzes im russisch-ukrainischen Krieg bislang als Spekulation zurĂŒck. Putin hatte lange allerdings auch PlĂ€ne fĂŒr einen Krieg gegen die Ukraine abgestritten. Der russische Angriffskrieg dauert nun schon seit mehr als zweieinhalb Jahren an.
Selenskyj bittet um Hilfe
Der ukrainische PrĂ€sident Wolodymyr Selenskyj forderte zuletzt angesichts eines möglichen Einsatzes nordkoreanischer Soldaten auf der Seite Russlands eine internationale Reaktion. "Die Ukraine wird faktisch gezwungen sein, in Europa gegen Nordkorea zu kĂ€mpfen", konstatierte der Staatschef. Ohne entschlossene Schritte der VerbĂŒndeten werde Russlands PrĂ€sident Wladimir Putin nur zu weiterem "Terror" ermutigt, warnte er.
Der Handlungsspielraum von Partnern wie der EU und Nato ist allerdings begrenzt. Wegen Nordkoreas Streben nach Atomwaffen und der schon erfolgten UnterstĂŒtzung des russischen Angriffskriegs wurden bereits in der Vergangenheit zahlreiche Sanktionen verhĂ€ngt. Eine signifikante VerschĂ€rfung ist kaum mehr möglich. Es bliebe damit vor allem noch die Option, im Gegenzug die militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine deutlich auszubauen.
Rutte stellte am Montag genau das in Aussicht, ohne allerdings Details zu nennen. Man habe ĂŒber die Notwendigkeit gesprochen, die militĂ€rische UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine weiter zu verstĂ€rken, sagte er nach den Beratungen.

