BSW-Landesvorstand in Sachsen-Anhalt nimmt Gespräche mit AfD an
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 21:37 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSDer Landesvorstand des Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) in Sachsen-Anhalt hat sich am Mittwochabend einstimmig dafür ausgesprochen, Gespräche mit der AfD aufzunehmen. Die Einladung zu einem solchen Austausch war nach Angaben des BSW bereits am Dienstag als Schreiben der AfD eingegangen.
BSW will über zentrale Politikfelder sprechen
Bei dem geplanten Treffen soll es nach Angaben eines Parteisprechers gegenüber dem MDR um die Themen Energieversorgung, Bildung und Friedenspolitik gehen. Das BSW betont damit seinen Anspruch, über konkrete Sachfragen mit der AfD ins Gespräch zu kommen. Auch CDU, SPD, Grüne und Linke erhielten eine entsprechende Einladung der AfD, lehnten Gespräche aber ab.
Schulze kritisiert Absage anderer Parteien
BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze kritisierte die Entscheidung der übrigen Parteien, das Angebot der AfD auszuschlagen. Dass andere Parteien bereits „das Gespräch an sich“ ablehnten, halte man für einen „schlechten politischen Umgang“ und „kein gutes Zeichen für die demokratische Kultur in unserem Land“, sagte Schulze. Das BSW stellt sich damit bewusst gegen eine gemeinsame Linie der übrigen Landtagsfraktionen, die Kontakte zur AfD vermeiden wollen.
AfD bleibt für Regierungsbildung auf Partner angewiesen
Die AfD hatte die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit deutlichem Vorsprung gewonnen, verpasste jedoch die absolute Mehrheit der Sitze im Landtag. Für eine Regierungsbildung benötigt sie daher entweder einen Koalitionspartner, die Unterstützung einzelner Abgeordneter anderer Fraktionen oder sie muss eine Minderheitsregierung anstreben. Vor diesem Hintergrund kommt den Gesprächen mit dem BSW besondere Bedeutung zu, da die Partei als einzige zu einem strukturierten Austausch mit der AfD bereit ist.
Die Entscheidung des BSW-Landesvorstands in Sachsen-Anhalt, als einzige Partei auf die Einladung der AfD zu Gesprächen einzugehen, verschiebt die Kräfteverhältnisse nach der Landtagswahl merklich. Die AfD hat die Wahl zwar klar gewonnen, verfehlte aber die absolute Mehrheit und ist für die Bildung einer Regierung auf Unterstützung anderer Fraktionen oder einzelner Abgeordneter angewiesen.
Schlüsselrolle des BSW im neuen Landtag
Mit seinem Einzug in den Landtag und der Bereitschaft zu Gesprächen nimmt das BSW eine zentrale Rolle in der Frage ein, ob und wie die AfD regieren kann. Bislang haben CDU, SPD, Grüne und Linke eine Zusammenarbeit mit der AfD ausgeschlossen. Das BSW stellt sich bewusst gegen eine solche gemeinsame Aussperrungsstrategie und begründet dies mit dem Hinweis auf den Stimmenanteil der AfD und den Respekt vor dem Wählervotum.
Schon in den Tagen nach der Wahl haben AfD-Vertreter angekündigt, mit allen Fraktionen beziehungsweise Abgeordneten über mögliche Mehrheiten sprechen zu wollen. Das BSW hatte zuvor signalisiert, sich nicht an einer „Brandmauer“-Politik zu beteiligen und Sachgespräche mit der AfD nicht auszuschließen. In der Debatte steht deshalb die Frage, ob das BSW der AfD indirekt zur Regierungsmacht verhelfen könnte – etwa durch Enthaltungen bei der Wahl eines Ministerpräsidenten.
Konfliktlinie zwischen Dialog und Abgrenzung
Die nun geplanten Gespräche zu Energieversorgung, Bildung und Friedenspolitik markieren eine neue Stufe dieses Konflikts zwischen Dialogbereitschaft und Abgrenzung. Gewerkschaften und andere Akteure warnen vor jeder Form der Unterstützung einer AfD-geführten Regierung, während das BSW die Ablehnung „des Gesprächs an sich“ als beschädigend für die demokratische Kultur kritisiert. Für die Leser bedeutet dies, dass die kommenden Wochen entscheidend dafür sein dürften, ob in Sachsen-Anhalt eine Minderheitsregierung, eine AfD-geführte Konstellation mit Unterstützung des BSW oder ein anderer, überparteilicher Ansatz zustande kommt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
n-tv: „BSW würde sich Siegmund nicht in den Weg stellen" (07.09.2026)
Der Artikel berichtet, dass BSW-Spitzenkandidat Thomas Schulze im Deutschlandfunk bekräftigt, dem AfD-Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund im dritten Wahlgang zur Wahl zum Ministerpräsidenten nicht aktiv im Weg zu stehen, sondern sich zu enthalten. Zudem hebt n-tv hervor, dass das BSW sich nicht an einer Brandmauer gegen die AfD beteiligen und mit allen Parteien sprechen will. Damit bestätigt der Beitrag die Gesprächsbereitschaft des BSW und zeigt, wie Enthaltungen im Landtag für die AfD entscheidend werden könnten.
Deutschlandfunk: „AfD gewinnt Sachsen-Anhalt klar, verfehlt Mehrheit: BSW wird zum Schlüssel der Regierungsbildung" (07.09.2026)
Deutschlandfunk ordnet das Wahlergebnis ein und beschreibt das BSW als Schlüsselpartei für die Regierungsbildung, weil die AfD keine absolute Mehrheit erreicht. Der Beitrag referiert die Offenheit des BSW für gemeinsame Projekte mit der AfD, betont aber zugleich die Forderung nach einem überparteilichen Ministerpräsidenten. Damit wird die Spannung zwischen möglicher Zusammenarbeit und dem Anspruch auf eine breitere, die Spaltung überwindende Lösung deutlich.
stern.de: „Wahl: Verdi fordert klare Haltung gegen AfD-Zusammenarbeit" (07.09.2026)
stern.de hebt die Kritik des Verdi-Vorsitzenden hervor, der eine klare Abgrenzung aller demokratischen Parteien von einer Zusammenarbeit mit der AfD fordert und insbesondere das BSW auffordert, nicht zum „Steigbügelhalter“ zu werden. Der Beitrag setzt damit einen deutlichen Kontrapunkt zur Dialogbereitschaft des BSW und fokussiert die gesellschaftliche Debatte über Verantwortung und Grenzen politischer Kooperation mit der AfD.
Insgesamt zeigen die Beiträge, dass die Rolle des BSW zwischen potenzieller Unterstützung der AfD, dem Vorschlag eines überparteilichen Ministerpräsidenten und massiver Kritik aus Teilen der Zivilgesellschaft umstritten ist; zugleich bestätigen sie die zentrale Bedeutung des BSW für jede zukünftige Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt.
