Kliniken warnen vor Finanznöten - Debatte um ReformplÀne
29.05.2023 - 16:45:49Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat vor akuten Finanznöten vieler Kliniken gewarnt. «Wir gehen davon aus, dass sich aktuell 20 bis 30 Prozent der Kliniken mit der Frage der Insolvenz befassen, weil sie keine klare FortfĂŒhrungsprognose haben oder nicht mehr kreditwĂŒrdig sind», sagte der Vorstandsvorsitzende Gerald GaĂ der «Rheinischen Post».
Die von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) geplante Krankenhausreform sei «nicht geeignet, das ungeordnete Kliniksterben zu verhindern». Der Minister wolle Geld nur umverteilen, aber kein zusÀtzliches bereitstellen. Dabei drÀnge die Zeit, den Kliniken fehlten bis Jahresende zehn Milliarden Euro.
Geplante Neuaufstellung der KrankenhÀuser
Lauterbach will an diesem Donnerstag erneut mit den LĂ€ndern ĂŒber die geplante Neuaufstellung der KrankenhĂ€user beraten und strebt ĂŒber den Sommer konkretere VorschlĂ€ge an. Im Kern soll das VergĂŒtungssystem mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle geĂ€ndert werden, um Kliniken von ökonomischem Druck zu lösen. Um nicht auf immer mehr FĂ€lle angewiesen zu sein, sollen sie einen gröĂeren Anteil schon fĂŒr das Vorhalten von Leistungsangeboten bekommen. Im Blick steht auch, das Kliniknetz in drei Versorgungsstufen einzuordnen und entsprechend zu finanzieren - von der wohnortnahen Grundversorgung ĂŒber eine zweite Stufe mit weiteren Angeboten bis zu Maximalversorgern wie UniversitĂ€tskliniken.
GaĂ sagte, die Spezialisierung bei komplexen Behandlungen sei richtig und finde auch bereits statt. «Doch es ist ein Fehler, eine Bundesschablone ĂŒber die Kliniklandschaft zu legen und funktionierende Strukturen zu zerschlagen.»
ĂrzteprĂ€sident Klaus Reinhardt sprach von einer notwendigen Reform. «Wenn man das dem Markt und dem freien Spiel der KrĂ€fte ĂŒberlĂ€sst, dann fĂŒhrt das nicht zu einer vernĂŒnftigen und sinnvollen Anpassung an die Erfordernisse», sagte er im Deutschlandfunk. Sonst könnten unter UmstĂ€nden KrankenhĂ€user vom Netz gehen, die man hĂ€tte behalten wollen. Er unterstĂŒtzte es, hoch spezialisierte Angebote stĂ€rker in Ballungszentren zu konzentrieren. Da mĂŒsse ein Patient in bestimmten Fragestellungen tatsĂ€chlich etwas mehr Distanz ĂŒberwinden, werde aber sicher an einem Ort versorgt, an dem Expertise herrsche. «Das, glaube ich, ist im Sinne von Patientinnen und Patienten.»
Besonderes Augemerk fĂŒr dĂŒnn besiedelte Regionen gefordert
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz forderte besonderes Augenmerk auch fĂŒr dĂŒnner besiedelte Regionen. «Die Ballungszentren sind ĂŒberversorgt. Doch der lĂ€ndliche Raum blutet aus», sagte Vorstand Eugen Brysch am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Er forderte, mit einem Sofortprogramm mindestens 250 lĂ€ndliche KrankenhĂ€user zu stĂŒtzen. Ohne PrioritĂ€tenliste fĂŒr Investitionen und Sondermittel zeichne sich fĂŒr Kranke eine gefĂ€hrliche Entwicklung ab.
Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek mahnte einen «angemessenen Zeitplan» an. Der Bund dĂŒrfe in der Vorbereitung wie auch in der Umsetzung keine ĂŒberhastete Reform hinlegen, sondern mĂŒsse grĂŒndlich auf Bedenken der LĂ€nder und Praktiker eingehen, sagte der CSU-Politiker am Montag. Wichtig sei auch, den FachkrĂ€ftemangel im Gesundheitswesen zu entschĂ€rfen. Nötig sei ein klares Bekenntnis zu einer guten medizinischen Versorgung auch in lĂ€ndlichen RĂ€umen.


