Krankenkassen, Deutschland

Krankenkassen fĂŒr stĂ€rkere Konzentration des Kliniknetzes

02.06.2023 - 14:13:43

Bund und LĂ€nder ringen um eine Neuaufstellung der KrankenhĂ€user. Sie soll ĂŒber mehr Spezialisierung auch die QualitĂ€t verbessern. Eine heikle Frage lautet nur: Wie viele Standorte braucht es dann noch?

Die gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) werben fĂŒr die Umsetzung der umstrittenen Krankenhausreform und dabei auch eine stĂ€rkere Konzentration des bundesweiten Netzes. «Mit etwa 1250 Kliniken, die schon existieren, wĂ€re eine gute Versorgung in Deutschland gesichert», sagte Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstand des GKV-Spitzenverbands, am Freitag im brandenburgischen Kremmen. Dies gehe aus einem Modell des Verbands hervor, das ein aktuelles Netz von 1675 HĂ€usern zugrunde legt. Die restliche mĂŒssten erklĂ€ren, wofĂŒr sie kĂŒnftig noch gebraucht wĂŒrden. Sie könnten etwa auch umgebaut werden.

Wichtig aus Patientensicht sei: «Irgendein Krankenhaus genĂŒgt nicht, um sich versorgen zu lassen», sagte Stoff-Ahnis. Wenn man schnell in einer schlechten Klinik sei, nutze es nichts. Gebraucht werde eine «bundesweit einheitliche Planungssprache» zur QualitĂ€t und zum Bedarf. Damit wĂŒrden sich komplexe Operationen an geeigneten Kliniken konzentrieren, statt bei «Gelegenheitsversorgern» gemacht zu werden. Ziel sei: «Wer etwas oft macht, der kann es einfach besser».

GKV-Modell mit 1247 KrankenhÀusern

Konkret schlĂ€gt das GKV-Modell noch ein Netz von 1247 KrankenhĂ€usern vor und damit 428 weniger als jetzt. Dazu gehören 422 Kliniken mit einer «erweiterten oder umfassenden Notfallversorgung», 358 mit einer Notfallstufe und einem Erreichbarkeitsradius mit 30 Minuten Fahrzeit. Hinzukommen könnten 272 grĂ¶ĂŸere FachkrankenhĂ€user und 64 Standorte mit besonderen Zielgruppen wie Kinderkliniken, Spezialabteilungen fĂŒr SchlaganfĂ€lle oder Traumazentren. Weitere 131 KrankenhĂ€user wĂŒrden dem Konzept zufolge benötigt, um die regionale Versorgung zu sichern.

Von der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) kam Kritik am Modell der Kassen. «Die Zahlenspiele sind ĂŒberflĂŒssig und verunsichern völlig unnötig deren eigene Versicherte und die Mitarbeitenden der KrankenhĂ€user», sagte die stellvertretende DKG-Chefin Henriette Neumeyer dem «Handelsblatt». Ein grundlegender Umbau der Krankenhauslandschaft sei dennoch nötig, dabei werde auch die Zahl der Standorte reduziert werden.

Stoff-Ahnis warb dafĂŒr, dass die Krankenhausreform zustande kommt. Es mĂŒsse auch stĂ€rker darĂŒber diskutiert werden, wo die Chancen lĂ€gen. VerĂ€nderung bedeute nicht nur Abbau, dies könne auch Investitionen in neue Abteilungen an bestimmten Standorten zur Folge haben. Bisher werde die Debatte oft aus Perspektive der Kliniken gefĂŒhrt. Es mĂŒsse aber darum gehen: «Wie kommt der Patient zum Krankenhaus - nicht, wie kommt das Krankenhaus zu seinen Patienten.» Die LĂ€nder betonten ihre Planungshoheit fĂŒr die Kliniken. Ausgeklammert werde aber, dass sie auch Verpflichtungen zur Finanzierung von Investitionen hĂ€tten. Alle LĂ€nder leisteten nötige Milliardenzahlungen jedoch nicht ausreichend.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte nach Beratungen mit den LĂ€ndern am Donnerstag von einem Durchbruch fĂŒr die PlĂ€ne gesprochen. Geplant ist, ĂŒber den Sommer einen Gesetzentwurf zu erstellen, damit die Reform Anfang 2024 in Kraft treten kann. Im Blick stehen unter anderem einheitliche QualitĂ€tskriterien und Einstufungen des Kliniknetzes. Außerdem soll das VergĂŒtungssystem mit Pauschalen fĂŒr BehandlungsfĂ€lle geĂ€ndert werden, um Kliniken von wirtschaftlichem Druck zu immer mehr FĂ€llen auf Kosten der QualitĂ€t zu lösen. KĂŒnftig sollen sie eine gesicherte Finanzierung allein fĂŒr das Vorhalten bestimmter Leistungen bekommen.

@ dpa.de