Merz lehnt 60-Prozent-Aufwuchs des EU-Haushalts strikt ab
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 19:19 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSBundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat den aktuellen Vorschlag der EU-Kommission fĂŒr den kĂŒnftigen EU-Haushalt scharf kritisiert und als âschlicht nicht bezahlbar" bezeichnet. Nach seinen Angaben sieht der Entwurf einen Anstieg des Finanzrahmens um 60 Prozent vor, was er mit Blick auf laufende Haushaltseinsparungen in den Mitgliedstaaten ablehnt.
Merz fordert KĂŒrzungen in dreistelliger Milliardenhöhe
Merz erklĂ€rte nach einem Treffen mit dem PrĂ€sidenten des EuropĂ€ischen Rates, Antonio Costa, in Berlin, die vorliegenden VorschlĂ€ge mĂŒssten um mehrere hundert Milliarden Euro zurĂŒckgefĂŒhrt werden. Dabei dĂŒrfe es nach seiner Vorstellung keine Tabubereiche geben; alle Politikfelder im EU-Haushalt sollen von möglichen KĂŒrzungen betroffen sein.
Der Bundeskanzler warnte zudem vor einer âĂŒbermĂ€Ăigen Verschuldung" der EuropĂ€ischen Union. Diese könne nach seinen Worten die âSouverĂ€nitĂ€t und HandlungsfĂ€higkeit" der EU beeintrĂ€chtigen und ihre politischen SpielrĂ€ume einengen.
PrioritÀten und Reformen zur StÀrkung Europas
Merz sprach mit Blick auf die anstehenden Entscheidungen von einer âschmerzhaften Aufgabe", neue PrioritĂ€ten zu setzen. Reformen bei den politischen Schwerpunkten seien aus seiner Sicht notwendig, um Europas KonkurrenzfĂ€higkeit zu erhöhen und zugleich die VerteidigungsfĂ€higkeit der Union zu stĂ€rken.
Die EuropĂ€ische Union stehe daher nach seiner Darstellung vor âweitreichenden Entscheidungen" ĂŒber Umfang und Ausrichtung ihrer gemeinsamen Finanzen. Diese Weichenstellungen sollen nach Merz das Fundament fĂŒr die wirtschaftliche und sicherheitspolitische StĂ€rke Europas in den kommenden Jahren bilden.
Koordinierung mit finanzstarken Mitgliedstaaten
Im Zusammenhang mit den HaushaltsplĂ€nen hat Merz Vertreter aus Schweden, DĂ€nemark, den Niederlanden, Ăsterreich und Finnland nach Berlin eingeladen, um dort ĂŒber die kĂŒnftige Finanzierung zu beraten. Diese LĂ€nder zĂ€hlen zu den gröĂten Nettozahlern und finanzieren nach seinen Angaben gemeinsam rund 40 Prozent des EU-Haushalts.
Zugleich leisten sie etwa 70 Prozent der bilateralen Ukraine-Hilfe. Die Beratungen in Berlin sollen dazu dienen, eine gemeinsame Linie der finanzstarken Staaten zu den BudgetvorschlÀgen der EU-Kommission zu entwickeln und in die anstehenden europÀischen Verhandlungen einzubringen.
Die deutliche Kritik von Bundeskanzler Friedrich Merz am Vorschlag der EU-Kommission fĂŒr den nĂ€chsten mehrjĂ€hrigen Finanzrahmen fĂ€llt in eine Phase, in der die Haushaltslage vieler Mitgliedstaaten angespannt ist. Merz knĂŒpft an seine innenpolitische Linie strenger Ausgabendisziplin an und ĂŒbertrĂ€gt diese nun sichtbar auf die europĂ€ische Ebene. Ein Anstieg des EU-Finanzrahmens um 60 Prozent wĂŒrde nach seiner Darstellung die Budgets der gröĂten Beitragszahler erheblich belasten und zusĂ€tzliche Verschuldung nötig machen.
Haushaltskonflikt im Kreis der âFrugal Statesâ
Mit der Einladung von Vertretern aus Schweden, DĂ€nemark, den Niederlanden, Ăsterreich und Finnland setzt Merz bewusst auf den Schulterschluss jener LĂ€nder, die bereits in frĂŒheren EU-Haushaltsrunden fĂŒr zurĂŒckhaltende Steigerungen, Rabatte und eine strikte Mittelverwendung eingetreten sind. Gemeinsam tragen diese Staaten einen groĂen Teil der Nettozahlungen in den EU-Haushalt und leisten zugleich erhebliche bilaterale UnterstĂŒtzung fĂŒr die Ukraine. Der Hinweis auf 40 Prozent des EU-Haushalts und 70 Prozent der Ukraine-Hilfe unterstreicht die fiskalische Gewichts- und Verantwortungslage dieses Blocks.
Spannungsfeld zwischen Sicherheitslage und Finanzdisziplin
Die Forderung nach KĂŒrzungen âin allen Bereichenâ steht im Spannungsfeld zu anderen Stimmen in der EU, die angesichts von Krieg in der Ukraine, wachsender Verteidigungsanforderungen, Klima- und Transformationsinvestitionen eher auf ein gröĂeres gemeinsames Budget drĂ€ngen. Merz betont dagegen, ĂŒbermĂ€Ăige Verschuldung könne die SouverĂ€nitĂ€t und HandlungsfĂ€higkeit der Union schwĂ€chen. FĂŒr Leser bedeutet dies: Die anstehenden Verhandlungen ĂŒber den nĂ€chsten EU-Haushalt werden nicht nur technische Budgetfragen berĂŒhren, sondern zentrale politische Weichenstellungen fĂŒr Europas WettbewerbsfĂ€higkeit, Sicherheit und SolidaritĂ€t mit der Ukraine â und sie werden stark durch die Position der finanzstarken Mitgliedstaaten geprĂ€gt.
