Gesellschaft, Bildung

Steinmeier fordert aktiven Einsatz gegen Extremismus in Schulen

30.10.2025 - 07:19:34

BundesprÀsident Frank-Walter Steinmeier fordert SolidaritÀt mit LehrkrÀften, die extremistische Angriffe gegen die Demokratie im Schulalltag erleben.

"Wir mĂŒssen sie unterstĂŒtzen", sagte Steinmeier dem "Stern" und RTL. Hintergrund der Forderung sind die steigenden Zahlen rechtsextremer VorfĂ€lle an Schulen. Lehrern gehe es zwar Ă€hnlich wie ihm, dem BundesprĂ€sidenten, auch er habe parteipolitisch neutral zu sein, sagte Steinmeier.

"Aber wenn Lehrer auf Situationen im Unterricht und auf dem Pausenhof treffen, bei denen Kinder sich rassistisch oder antisemitisch Ă€ußern, dann können sie nicht neutral wegschauen", so der BundesprĂ€sident. Laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind viele LehrkrĂ€fte verunsichert im Umgang mit rechtsextremen VorfĂ€llen in der Schule. Als Beamte fragen sie sich demnach, wie sie reagieren sollen und dĂŒrfen. Steinmeier unterstrich auch die Bedeutung von Demokratiebildung und Beteiligung in der Schule: "Demokratie ist nicht nur die Herrschaft der Mehrheit, sondern auch der Schutz von Minderheiten. DafĂŒr gibt es kein Unterrichtsfach. Das mĂŒssen wir in der ganzen Schule leben." Jede Schule in Deutschland mĂŒsse eine demokratische Schule sein. Mit Sorge beobachtet der BundesprĂ€sident die Herausforderungen durch die vielen Krisen der vergangenen Jahre: "Viele Menschen fĂŒhlen sich belastet, werden leiser, wenn es darum geht, fĂŒr die Demokratie einzustehen. Umso wichtiger wird es, dass wir SchĂŒler darauf vorbereiten, dass sich das gesellschaftliche Klima verĂ€ndert und dass es sich lohnt, fĂŒr sie und fĂŒr die Gesellschaft als Ganzes und fĂŒr die Demokratie einzutreten." Die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Maike Finnern, warnt unterdessen vor einer Einflussnahme der AfD an Schulen. "Die AfD hat den Fokus auf die Schulen in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert", sagte sie dem "Stern" und RTL. "Wir merken das an der steigenden Zahl Kleiner Anfragen." Es sei der AfD gelungen, immer wieder Aufmerksamkeit auf das Thema der politischen NeutralitĂ€t an Schulen zu lenken. Mit Kleinen Anfragen erkundigt sich die Partei regelmĂ€ĂŸig nach vermeintlichen VerstĂ¶ĂŸen gegen das NeutralitĂ€tsgebot. In den vergangenen Jahren hatte die AfD zudem mit Meldeportalen fĂŒr Aufsehen gesorgt, ĂŒber die LehrkrĂ€fte gemeldet werden konnten, die sich angeblich zu politisch geĂ€ußert hatten. "Die AfD nimmt mit der Debatte um das vermeintliche NeutralitĂ€tsgebot bereits massiven Einfluss auf LehrkrĂ€fte", so die EinschĂ€tzung der GEW-Vorsitzenden Finnern. "Viele sind verunsichert: Was darf ich sagen, was nicht? Das sind Fragen, die sich BeschĂ€ftigte an Schulen zunehmend stellen." Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) fordert derweil eine bundesweit einheitliche Erfassung von extremistischen VorfĂ€llen an Schulen. "Dass wir keine einheitliche Dokumentation haben, ist ein absolutes Manko", sagte Prien den beiden Medien. "In einzelnen BundeslĂ€ndern werden rechtsextremistische, antisemitische oder andere extremistische VorfĂ€lle als solche erfasst, in anderen nicht. Ich wĂŒrde es begrĂŒĂŸen, wenn die LĂ€nder dies nach einheitlichen Kriterien erheben wĂŒrden." Prien beobachtet nach eigener Aussage "mit großer Sorge", dass rechtsextremistische, rechtspopulistische, aber auch autokratische PolitikansĂ€tze und Antisemitismus - auch von links und aus migrantischen Milieus - gesellschaftsfĂ€hig wĂŒrden. Insbesondere die Zahl rechtsextremer VorfĂ€lle an Schulen steigt seit Jahren an.

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