Bundeswehr, Sexualisiertes Fehlverhalten

Bundeswehr meldet 469 FĂ€lle sexualisierten Fehlverhaltens

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 07:48 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS
Die Bundeswehr registrierte 2025 deutlich mehr Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten als zwei Jahre zuvor. Parallel laufen Ermittlungen gegen zehn Beschuldigte in einem SanitĂ€tsregiment in Weißenfels.

Bundeswehr meldet 2025 mehr FĂ€lle

  • Das Verteidigungsministerium legte die Zahlen auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag vor.
  • 2025 wurden 186 sexuelle BelĂ€stigungen, 15 sexuelle Übergriffe und 29 Vergewaltigungen gemeldet.
  • Die Dunkelfeldstudie des Zentrums fĂŒr MilitĂ€rgeschichte und Sozialwissenschaften soll Ende 2026 Ergebnisse vorlegen.
Bundeswehr-Soldat (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten steigen

Die Zahl der Meldungen zu sexualisiertem Fehlverhalten in der Bundeswehr ist von 402 im Jahr 2023 auf 469 im Jahr 2025 gestiegen. Das geht aus der Antwort des Verteidigungsministeriums auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, aus der das Redaktionsnetzwerk Deutschland zitiert.

186 FÀlle sexueller BelÀstigung im Jahr 2025

Allein im vergangenen Jahr wurden demnach 186 sexuelle BelĂ€stigungen, 15 sexuelle Übergriffe und 29 Vergewaltigungen gemeldet. In den vergangenen drei Jahren wurden 91 Soldaten wegen ihrer Taten aus dem Dienst entlassen.

Frauenanteil bleibt in vielen Bereichen niedrig

Die Meldungen stehen laut Ministeriumsantwort im Zusammenhang mit der anhaltenden UnterreprÀsentation von Frauen in der Truppe. Ihr Anteil betrÀgt unter Berufssoldaten 10,3 Prozent, unter Zeitsoldaten 15,3 Prozent und unter freiwillig Wehrdienstleistenden 15,5 Prozent.

Höhere Anteile gibt es im MilitÀrmusikdienst mit 23,5 Prozent und im SanitÀtsdienst mit 44,2 Prozent. Der parlamentarische StaatssekretÀr Sebastian Hartmann (SPD) weist zugleich darauf hin, dass sexualisiertes Fehlverhalten nicht immer gemeldet werde.

Dunkelfeldstudie soll nicht gemeldete FĂ€lle erfassen

Das Zentrum fĂŒr MilitĂ€rgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr fĂŒhrt deshalb eine Dunkelfeldstudie durch. Die Ergebnisse sollen Ende 2026 vorgelegt werden und zeigen, welche VorfĂ€lle im offiziellen Meldewesen bislang nicht oder nur unzureichend erfasst wurden.

Hartmann betonte, sexualisiertes Fehlverhalten verursache individuelles Leid, schĂ€dige das innere GefĂŒge und untergrabe den Zusammenhalt der Bundeswehr. Die Linksfraktions-Sprecherin fĂŒr Bundeswehrpolitik, Zada Salihovic, forderte unabhĂ€ngige Meldestellen, transparente Verfahren und einen verlĂ€sslichen Schutz der Betroffenen.

Ermittlungen in Weißenfels dauern an

Am Dienstag waren VorwĂŒrfe sexueller Übergriffe aus dem SanitĂ€tsregiment 1 der Sachsen-Anhalt-Kaserne in Weißenfels bekannt geworden. Bislang gibt es zehn Beschuldigte; fĂŒnf FĂ€lle liegen bei der Staatsanwaltschaft in Naumburg.

In einem Fall soll eine minderjÀhrige Soldatin zum Sex gezwungen worden sein.

Die steigenden Meldungszahlen markieren zunÀchst die Entwicklung des offiziellen Meldewesens: Von 402 FÀllen im Jahr 2023 erhöhte sich der Wert auf 469 im Jahr 2025. Daraus lÀsst sich unmittelbar weder ableiten, dass sexualisiertes Fehlverhalten im gleichen Umfang zugenommen hat, noch dass die Truppe insgesamt unsicherer geworden ist. Eine höhere Zahl kann auch darauf hindeuten, dass Betroffene VorfÀlle hÀufiger anzeigen oder Vorgesetzte Meldungen konsequenter erfassen.

Gleichzeitig zeigen die fĂŒr 2025 genannten 186 FĂ€lle sexueller BelĂ€stigung, 15 sexuellen Übergriffe und 29 Vergewaltigungen, dass es um unterschiedliche Schweregrade und TatvorwĂŒrfe geht. Die 91 Entlassungen aus dem Dienst innerhalb von drei Jahren verdeutlichen die möglichen dienstrechtlichen Folgen. FĂŒr Betroffene ist entscheidend, ob sie unabhĂ€ngig von Hierarchie und Einsatzort Zugang zu geschĂŒtzten Beschwerdewegen erhalten.

AufklÀrung und Schutz

Die angekĂŒndigte Dunkelfeldstudie soll Ende 2026 zusĂ€tzliche Erkenntnisse liefern. Sie kann sichtbar machen, wie groß der nicht gemeldete Anteil ist und an welchen Stellen Betroffene bisher auf HĂŒrden stoßen. Der geringe Frauenanteil in vielen Bereichen der Bundeswehr bildet dabei einen strukturellen Hintergrund, erklĂ€rt einzelne Taten aber nicht. FĂŒr die politische Debatte stehen damit neben PrĂ€vention vor allem unabhĂ€ngige Meldestellen, transparente Verfahren und verlĂ€sslicher Schutz vor beruflichen Nachteilen im Mittelpunkt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDFheute: „Sexualisiertes Fehlverhalten? Bundeswehr bestĂ€tigt VorwĂŒrfe“ (16.10.2026)

Der Beitrag konzentriert sich auf die VorwĂŒrfe gegen zehn Personen im SanitĂ€tsregiment 1 und darauf, dass fĂŒnf FĂ€lle an die Staatsanwaltschaft abgegeben wurden. Damit bestĂ€tigt er den regionalen Vorgang, setzt den Schwerpunkt aber stĂ€rker auf die laufenden Ermittlungen als auf die bundesweiten Meldungszahlen.

Deutschlandfunk: „‚WiderwĂ€rtiger‘ Sex-Wettbewerb in Bundeswehr gemeldet: Pistorius droht Soldaten mit HĂ€rte“ (16.10.2026)

Der Bericht ordnet die Weißenfelser VorgĂ€nge ĂŒber einen konkreten Wettbewerb unter Soldaten sowie weitere VorwĂŒrfe ein. Anders als die vorliegende Meldung richtet er den Blick vor allem auf mögliche Konsequenzen und die Reaktion der militĂ€rischen FĂŒhrung.

Übereinstimmung besteht beim Bezug zum SanitĂ€tsregiment 1 in Weißenfels und zu laufenden Untersuchungen. Offen bleiben insbesondere die abschließende Bewertung der einzelnen VorwĂŒrfe und die Ergebnisse der angekĂŒndigten Dunkelfeldstudie.

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