Drogen, Deutschland

Wie neue PlĂ€ne fĂŒr Medizin-Cannabis polarisieren

Veröffentlicht am: 14.01.2026 um 04:45 Uhr | dpa.de

Cannabis zu medizinischen Zwecken ist nicht schwer zu bekommen. Die Einfuhren sind verdÀchtig stark angestiegen. Doch PlÀne zur VerschÀrfung rufen ein geteiltes Echo hervor.

  • Cannabiskonsum - hier ein Joint - mit Hilfe der Apotheke findet nicht nur aus medizinischen GrĂŒnden statt. (Illustration)  - Bild: Fabian Sommer/dpa
    Cannabiskonsum - hier ein Joint - mit Hilfe der Apotheke findet nicht nur aus medizinischen GrĂŒnden statt. (Illustration) - Bild: Fabian Sommer/dpa
  • In einem Medizinalcannabis-Unternehmen werden Cannabis-BlĂŒten gezeigt. (Archivfoto) - Bild: Daniel Karmann/dpa
    In einem Medizinalcannabis-Unternehmen werden Cannabis-BlĂŒten gezeigt. (Archivfoto) - Bild: Daniel Karmann/dpa
  • Ort der Anhörung zu Cannabis ist das Paul-Löbe-Haus des Bundestags. (Archivfoto) - Bild: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa
    Ort der Anhörung zu Cannabis ist das Paul-Löbe-Haus des Bundestags. (Archivfoto) - Bild: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa
Cannabiskonsum - hier ein Joint - mit Hilfe der Apotheke findet nicht nur aus medizinischen GrĂŒnden statt. (Illustration)  - Bild: Fabian Sommer/dpa In einem Medizinalcannabis-Unternehmen werden Cannabis-BlĂŒten gezeigt. (Archivfoto) - Bild: Daniel Karmann/dpa Ort der Anhörung zu Cannabis ist das Paul-Löbe-Haus des Bundestags. (Archivfoto) - Bild: Kira Hofmann/dpa-Zentralbild/dpa

Legales Cannabis wird tonnenweise fĂŒr Konsum auf Rezept importiert - doch RegierungsplĂ€ne gegen Missbrauch stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Polizei- und Ärzte-Vertreter begrĂŒĂŸen einen Gesetzentwurf von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) fĂŒr VerschĂ€rfungen bei Medizinal-Cannabis. PatientenverbĂ€nde und die Cannabisbranche warnen gegenĂŒber dem Gesundheitsausschuss des Bundestags dagegen vor einer solchen VerschĂ€rfung. Das zeigen Stellungnahmen zu einer Anhörung des Gesundheitsausschusses heute in Berlin.

Die Stellungnahmen der von den Fraktionen vorgeschlagenen SachverstĂ€ndigen geben Einblicke in Gebrauch und AuswĂŒchse der psychoaktiven Pflanze als Medikament. Seit April 2024 fĂ€llt Medizinal-Cannabis nicht mehr unter das BetĂ€ubungsmittelgesetz. Nun soll es per Gesetz strenger reguliert werden.

Die Gewerkschaft der Polizei skizziert, was falsch gelaufen sei: «In Verbindung mit der erleichterten Online-Bestellpraxis wurde ein unvorhergesehener Effekt der Teillegalisierung sichtbar», so die GdP. «Immer mehr Menschen, die Cannabis zu Genusszwecken konsumieren, nutzen Privatrezepte aus dem Internet, um sich den Zugang auf scheinbar legalem Weg zu verschaffen.» Immer mehr Plattformen wĂŒrden gleich das Rezept mitorganisieren. Wenige Klicks, ein kurzer Online-Fragebogen - und Cannabis sei bestellt. 

Warum Regeln verschÀrft werden sollen

Bereits der Drogenbeauftragte Hendrik Streeck (CDU) hatte in einem Interview von explodierenden Verschreibungszahlen und «Dealern im weißen Kittel» gesprochen. Die Importe nahmen laut Regierung im ersten Halbjahr 2025 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ĂŒber 400 Prozent zu: auf 80 Tonnen Medizinal-Cannabis. KĂŒnftig soll es nur noch nach persönlichem Arzt-Patienten-Kontakt verschrieben und nach Apotheker-Beratung abgegeben werden dĂŒrfen. Per Versand soll es die Substanz gar nicht mehr geben.

Die Gewerkschaft der Polizei findet das nötig, ebenso die BundesĂ€rztekammer. Den Ärztevertretern geht der Entwurf sogar nicht weit genug: Im Gegensatz zu Arzneimitteln mit dem Cannabiswirkstoff hĂ€tten CannabisblĂŒten «hohes Missbrauchs- und AbhĂ€ngigkeitspotenzial» und sollten gar nicht mehr verordnet werden dĂŒrfen.

Große Rolle des Schwarzmarkts 

Ganz anders der Branchenverband Cannabiswirtschaft. Er fĂŒrchtet «eine massive Verschlechterung» des Zuganges fĂŒr Patientinnen und Patienten. Stark gestiegene Einfuhrmengen rĂ€umt er zwar ein. Außer Acht gelassen wĂŒrden unter anderem aber «wissenschaftliche Verwendungen und notwendige Vernichtungen» sowie Nachholeffekte. Folge des Gesetzes wĂ€re laut Verband «ein erneutes Ausweichen auf den Schwarzmarkt».

Der spielt trotz Teillegalisierung wohl schon fĂŒr viele Freizeitkonsumenten eine Hauptrolle. Der Zugang zu legalem Cannabis sei fĂŒr sie «sehr hochschwellig», wie aus der Darstellung der Deutschen Hauptstelle fĂŒr Suchtfragen hervorgeht. 

Patienten finden VerschÀrfung unnötig

Patientenvertreter warnen vor den RegierungsplĂ€nen. «Wir alle fĂŒhren dank Cannabis-Medizin ein besseres Leben», so das CannabisSelbsthilfeNetzwerk (CSN). Ein Arzt-GesprĂ€ch oder persönliche Beratung seien in der Regel nach Jahren mit so einer Therapie nicht notwendig. Der Deutsche Hanfverband warnt, viele HausĂ€rzte und Apotheker seien angesichts von hunderten Cannabissorten auch ĂŒberfordert.

Cannabis als Medizin kann laut Ärztekammer bei dauerhaften Schmerzen helfen, bei MuskelkrĂ€mpfen bei Multipler Sklerose, Übelkeit und Erbrechen infolge einer Chemotherapie oder ungewolltem Gewichtsverlust, etwa bei AIDS. 

Nicht berauscht im Dienst und auf der Straße

Auch der Straßenverkehr rĂŒckt in den Blick. «Jede Cannabis-Fahrt ohne Ă€rztliche Kontrolle ist ein rollendes Pulverfass auf unseren Straßen», warnt der PrĂ€sident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats, Manfred Wirsch. Das Gesetz solle ohne Abstriche kommen.

Auf den Umstand, dass auch PolizeibeschĂ€ftigte Medizinal-Cannabis «zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit benötigen» können, weist ferner die Gewerkschaft der Polizei hin. Hier sei eine Nulltoleranz-Strategie angebracht: «Der Dienst kann - um nicht nur die Allgemeinheit, sondern auch die eigenen Kolleg:innen zu schĂŒtzen - nicht berauscht abgeleistet werden.»

de | politik | 68484850 |