CDU-Abgeordnete widersprechen sich bei Rausch-Wahl
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 15:43 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWSMindestens drei CDU-Abgeordnete im Landtag von Sachsen-Anhalt haben nach einem Bericht der âtazâ falsche Angaben zu ihrem Abstimmungsverhalten bei der Wahl des AfD-Politikers Tobias Rausch zum LandtagsprĂ€sidenten gemacht. Acht Christdemokraten erklĂ€rten, sich enthalten zu haben, obwohl am Dienstag nur fĂŒnf Enthaltungen gezĂ€hlt wurden.
Rausch erhÀlt 48 Ja-Stimmen
Rausch erhielt bei der Wahl 48 Ja-Stimmen und kam damit ins Amt. AfD und BSW verfĂŒgen zusammen ĂŒber 44 Abgeordnete, sodass mindestens vier Stimmen aus anderen Fraktionen stammen mĂŒssen.
Die AfD hatte vor und nach der Wahl von Absprachen mit CDU-Abgeordneten gesprochen. CDU-Fraktionsvorsitzender Sven Schulze hatte seiner Fraktion empfohlen, sich zu enthalten. Von den insgesamt 15 CDU-Abgeordneten wurden letztlich fĂŒnf Enthaltungen gezĂ€hlt.
Acht Abgeordnete nennen Enthaltung
GegenĂŒber der âtazâ erklĂ€rten Chris Schulenburg, Guido Heuer, Lars-Jörn Zimmer, Daniel Sturm, Marco Tullner, Stefan Ruland, Karin Tschernich-Weiske und Carsten Borchert mĂŒndlich, schriftlich oder telefonisch, sie hĂ€tten sich enthalten.
Ulrich Thomas und RenĂ© Barthel beantworteten mehrere Anfragen nicht. Sven Schulze, Sandra Hietel-Heuer, Tobias Krull und Tim TeĂmann gaben dagegen an, mit Nein gestimmt zu haben. Frank Bommersbach fehlte krankheitsbedingt.
Auch VizeprÀsident mit AfD-Stimmen gewÀhlt
Bei der Wahl des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider zum Vize-LandtagsprĂ€sidenten erklĂ€rten alle antwortenden CDU-Abgeordneten, mit Nein gestimmt zu haben. Tillschneider erhielt 44 Stimmen â genauso viele, wie AfD und BSW zusammen aufbringen können.
Damit bleibt bei dieser Wahl offen, ob zusÀtzliche Stimmen aus dem BSW kamen. Die Abstimmungen waren geheim; individuelle Stimmabgaben wurden nicht öffentlich dokumentiert.
Die Wahl von Tobias Rausch markiert einen Einschnitt fĂŒr den Landtag Sachsen-Anhalts: Erstmals steht in Deutschland ein AfD-Abgeordneter an der Spitze eines Landesparlaments. Rausch erhielt 48 Ja-Stimmen; AfD und BSW verfĂŒgen zusammen ĂŒber 44 Mandate. Weil die Abstimmung geheim war, lĂ€sst sich die Herkunft der zusĂ€tzlichen Stimmen politisch nicht unmittelbar einzelnen Abgeordneten zuordnen.
Die Angaben der CDU-Abgeordneten verschĂ€rfen jedoch die innerparteiliche Krise. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Sven Schulze hatte eine Enthaltung empfohlen, gezĂ€hlt wurden fĂŒnf Enthaltungen. Acht Abgeordnete erklĂ€rten dagegen, sich enthalten zu haben. Damit geht es nicht nur um die Wahl Rauschs, sondern auch um die VerlĂ€sslichkeit der FraktionsfĂŒhrung und das Vertrauen zwischen den 15 CDU-Abgeordneten.
Folgen fĂŒr die Landespolitik
ZusĂ€tzliche Bedeutung erhĂ€lt der Vorgang durch die Wahl des AfD-Politikers Hans-Thomas Tillschneider zum VizeprĂ€sidenten. FĂŒr ihn reichten 44 Stimmen, also genau die Zahl, die AfD und BSW gemeinsam stellen. Die Wahl lĂ€sst deshalb unterschiedliche politische Deutungen zu, wĂ€hrend die geheime Abstimmung eine eindeutige Zuordnung verhindert.
Im Zentrum steht nun die Frage, wie die CDU-Fraktion mit den widersprĂŒchlichen Angaben und dem beschĂ€digten Vertrauen umgeht. Der Vorgang dĂŒrfte die Debatte ĂŒber die Abgrenzung der Union zur AfD in Sachsen-Anhalt sowie ĂŒber die MehrheitsverhĂ€ltnisse vor weiteren wichtigen Entscheidungen im Landtag prĂ€gen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
taz: âLandtagsprĂ€sidentenwahl in Magdeburg: Die CDU ist nur noch einen Schritt vom Abgrund entferntâ (07.10.2026)
Der Kommentar hebt hervor, dass Rausch vier Stimmen mehr erhielt als AfD und BSW zusammen und dass die CDU als einzige Fraktion eine Enthaltung angekĂŒndigt hatte. Anders als die dts-Meldung konzentriert sich der Beitrag auf die politische Verantwortung der CDU und die Folgen fĂŒr ihre Abgrenzung zur AfD.
ZDFheute: âCDU-Stimmen fĂŒr AfD? Abgeordnete Ă€uĂern sich zu VorwĂŒrfenâ (08.10.2026)
Der Beitrag bestĂ€tigt die geheime Wahl, die 48 Ja-Stimmen fĂŒr Rausch und die fĂŒnf Enthaltungen. Er stellt auĂerdem einzelne Dementis und Aussagen von CDU-Abgeordneten gegenĂŒber und betont, dass die geheime Abstimmung keinen direkten Beweis fĂŒr das individuelle Wahlverhalten liefert.
Gemeinsam ist beiden BeitrĂ€gen der Hinweis auf die zusĂ€tzlichen Stimmen fĂŒr Rausch und die Belastung der CDU. Unterschiede bestehen beim Schwerpunkt: Die taz bewertet die politische Tragweite, wĂ€hrend ZDFheute stĂ€rker die Aussagen einzelner Abgeordneter und die Grenzen einer Zuordnung dokumentiert.

