Sachsen-Anhalt, CDU

CDU-Abgeordneter Krull stoppt Enthaltungsplan bei AfD-Kandidaten

Veröffentlicht am: 08.09.2026 um 18:45 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

CDU-Landtagsabgeordneter Tobias Krull korrigiert seine zunĂ€chst missverstĂ€ndliche Aussage zur Enthaltung bei einer möglichen Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten. Damit setzt er ein klares Signal gegen eine UnterstĂŒtzung des AfD-Kandidaten durch Stimmenthaltung.

Sachsen-Anhalt: CDU-Politiker rudert nach Enthaltungs-Aussage zurĂŒck
Tobias Krull (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Der CDU-Landtagsabgeordnete Tobias Krull hat seine ursprĂŒngliche Aussage zur Enthaltung bei einer möglichen Wahl des AfD-Kandidaten Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten Sachsen-Anhalts zurĂŒckgenommen. Statt sich zu enthalten, kĂŒndigte er nun an, im Landtag gegen Siegmund zu stimmen.

Krulls ursprĂŒngliche und korrigierte Aussage

Nach Angaben des „Redaktionsnetzwerks Deutschland" soll Krull zunĂ€chst auf die Frage, ob er fĂŒr Siegmund stimmen werde und ob er sich andernfalls enthalten werde, geantwortet haben: „Nein und ich werde mich enthalten." Diese Formulierung hĂ€tte im Fall einer tatsĂ€chlichen Wahl eine Enthaltung bedeutet, die die HĂŒrde fĂŒr eine erfolgreiche Abstimmung senkt. In einer zweiten schriftlichen Antwort am Abend stellte Krull jedoch klar, dass er sich „natĂŒrlich nicht enthalten" und gegen den AfD-Kandidaten stimmen werde.

Regeln fĂŒr die Wahl des MinisterprĂ€sidenten

FĂŒr die Wahl des MinisterprĂ€sidenten in Sachsen-Anhalt sind im Landtag klare Stufen vorgesehen. In den ersten beiden WahlgĂ€ngen benötigt ein Kandidat jeweils 42 Stimmen, um gewĂ€hlt zu werden. Kommt diese Mehrheit in beiden WahlgĂ€ngen nicht zustande, entscheidet der Landtag darĂŒber, ob die laufende Wahlperiode beendet wird oder fortgesetzt werden soll.

Dritter Wahlgang mit einfacher Mehrheit

Wird die Wahlperiode nicht beendet, erfolgt ein dritter Wahlgang. In dieser Runde genĂŒgt die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Enthaltungen zĂ€hlen dabei nicht als abgegebene Stimmen und senken somit die absolute Zahl, die fĂŒr eine Wahl erforderlich ist. Eine Enthaltung erhöht daher rechnerisch die Wahrscheinlichkeit, dass die Stimmen der AfD-Fraktion ausreichen könnten, um Ulrich Siegmund zum MinisterprĂ€sidenten zu wĂ€hlen.

Politische Brisanz der Enthaltungsfrage

Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob Abgeordnete sich enthalten oder klar gegen einen Kandidaten stimmen, von erheblicher politischer Bedeutung. Dass Tobias Krull seine zunĂ€chst missverstĂ€ndliche Aussage nun ausdrĂŒcklich korrigiert und ein Nein zu Siegmund ankĂŒndigt, dĂŒrfte in der weiteren Diskussion ĂŒber mögliche Mehrheiten und die Haltung der CDU zur AfD im Landtag von Sachsen-Anhalt eine Rolle spielen.

Die RĂŒcknahme der EnthaltungsankĂŒndigung von Tobias Krull fĂ€llt in eine Ă€ußerst zugespitzte politische Lage in Sachsen-Anhalt. Die AfD stellt mit Ulrich Siegmund einen Kandidaten fĂŒr das Amt des MinisterprĂ€sidenten und könnte in einem dritten Wahlgang mit einfacher Mehrheit der abgegebenen Stimmen zum Zuge kommen, wenn sich ausreichend Abgeordnete enthalten oder fehlen. Damit rĂŒckt jede einzelne Stimme und Enthaltung in den Fokus der landespolitischen Debatte.

Parlamentarische Mechanik und politische Signalwirkung

Die dts-Meldung macht deutlich, wie stark das Wahlverfahren im Landtag die Dynamik beeinflusst: In den ersten beiden WahlgĂ€ngen ist eine feste Stimmenzahl erforderlich, im dritten Wahlgang hĂ€ngt alles von den tatsĂ€chlich abgegebenen Stimmen ab. Enthaltungen senken dabei die notwendige HĂŒrde und erhöhen rechnerisch die Chancen des AfD-Kandidaten. Dass Krull nun klar erklĂ€rt, „nicht enthalten und dagegen stimmen“ zu wollen, ist deshalb nicht nur eine persönliche Klarstellung, sondern auch ein öffentliches Signal zur Abgrenzung gegenĂŒber der AfD.

Bedeutung fĂŒr CDU und Landespolitik

Innerhalb der CDU steht seit Jahren die Frage im Raum, wie strikt sich die Partei von der AfD distanziert. Einzelne Stimmen, die mit Enthaltungen oder UnterstĂŒtzung fĂŒr AfD-Initiativen auffallen, lösen regelmĂ€ĂŸig parteiinterne Diskussionen aus. Der Vorgang um Krulls zunĂ€chst missverstĂ€ndliche, dann korrigierte Aussage reiht sich in diese Debatten ein und dĂŒrfte innerhalb der Landtagsfraktion und in der Landespolitik aufmerksam verfolgt werden. FĂŒr die BĂŒrgerinnen und BĂŒrger zeigt der Fall, wie sehr taktische Überlegungen bei Landtagswahlen institutionelle AblĂ€ufe und politische Positionierungen prĂ€gen können, insbesondere wenn ein AfD-Kandidat realistische Chancen auf ein Spitzenamt erhĂ€lt.

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