CDU-Basis trifft Merz: 160 Kreisvorsitzende fordern Kurswechsel
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 14:43 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCDU-Kreisverbände und Personaldebatten
- Rund 160 Kreisvorsitzende kamen am 2. November im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin zusammen.
- Die CDU hat knapp 330 Kreisverbände, von denen etwa die Hälfte zur Konferenz angemeldet war.
- Am 9. November sollen die CDU-Spitzengremien über die Bundespräsidentenkandidatur beraten.
CDU-Kreisvorsitzende konfrontieren Merz mit Basisfrust
Rund 160 CDU-Kreisvorsitzende sind in Berlin mit Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz zusammengetroffen. Bei der nichtöffentlichen Konferenz geht es um Wahlniederlagen, schwache Umfragewerte, den Koalitionsstreit und wachsenden Unmut in der Partei.
Führung soll stärker zuhören
Vor dem Treffen forderten Kreisvorsitzende mehr Einfluss der Basis, weniger interne Auseinandersetzungen und politische Entscheidungen, die Bürger unmittelbar wahrnehmen. Besonders bei den Energiepreisen erwarten sie Entlastungen; eine allgemeine Senkung des Strompreises hat die CDU in der Koalition bislang nicht durchgesetzt.
Die Aussprache begann mit einem Treffen mit CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann. Am frühen Abend war eine Rede von Merz mit anschließender Diskussion vorgesehen.
Kritik an Merz’ Doppelrolle
Einzelne Kreisvorsitzende stellten die Führungsstärke des Kanzlers infrage und brachten eine Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft ins Gespräch. Als mögliches Modell wurde angeführt, dass Angela Merkel den CDU-Vorsitz abgegeben und das Kanzleramt behalten hatte.
Die CDU hat knapp 330 Kreisverbände. Ihre Vorsitzenden gelten als Bindeglied zwischen Orts-, Bezirks- und Landesverbänden und als wichtige Sprachrohre der Parteibasis.
Bundespräsidentenfrage belastet die Kommunikation
Bei der Konferenz könnte auch die Suche nach einem Kandidaten oder einer Kandidatin für das Bundespräsidentenamt Thema werden. Die CSU unterstützt die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner, während Merz bislang keine Stellung bezogen hat.
Am 9. November sollen die CDU-Spitzengremien über die Kandidatur beraten. Aus den Reihen der Kreisvorsitzenden gibt es bereits Unterstützung für Aigner.
Die Konferenz fällt in eine Phase, in der die CDU mehrere Belastungen gleichzeitig bewältigen muss: schwache Wahlergebnisse, nachlassende Zustimmung und Konflikte innerhalb der Bundesregierung. Für die Kreisvorsitzenden ist die Bundespolitik nicht nur ein abstraktes Thema. Sie müssen vor Ort erklären, warum angekündigte Entlastungen – insbesondere bei den Energiepreisen – bislang nicht vollständig umgesetzt sind.
Mit etwa 160 anwesenden Kreisvorsitzenden erreicht der Unmut eine Ebene, die für die Parteiführung politisch besonders relevant ist. Die Kreisverbände verbinden Orts- und Landesorganisationen und geben Rückmeldungen aus der Mitgliedschaft weiter. Forderungen nach mehr Mitsprache zielen deshalb nicht nur auf den Ablauf künftiger Parteientscheidungen, sondern auch auf die politische Vermittlung in den Wahlkreisen.
Personalfragen erhöhen den Druck
Die Debatte über eine Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft reicht über eine einzelne Personalentscheidung hinaus. Sie berührt die Frage, wie Merz seine Doppelrolle ausfüllt und ob die Parteiorganisation angesichts der Krise ausreichend Aufmerksamkeit erhält. Ein solcher Schritt würde zugleich die Machtverteilung und die öffentliche Führung der CDU verändern.
Zusätzliche Bedeutung erhält das Treffen durch die anstehende Entscheidung über die Bundespräsidentenkandidatur. Die Diskussion um Ilse Aigner kann damit zum Prüfstein für den Umgang der CDU mit der CSU und für die innerparteiliche Kommunikation werden. Für die Parteibasis stehen jedoch vor allem konkrete politische Ergebnisse und eine erkennbare Reaktion der Führung auf die Kritik im Mittelpunkt.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag bestätige den Frust über Wahlniederlagen, Umfragewerte und den Koalitionsstreit und stelle die Konferenz als Bewährungsprobe für Merz dar. Einen zugespitzteren Schwerpunkt lege er auf die mögliche politische Konsequenz für den Kanzler.
Focus: „CDU-Kreischefs treffen Merz und schlagen vorher Alarm“ (02.11.2026)
Der Bericht bestätige den zeitlichen Ablauf der Gespräche mit Franziska Hoppermann und Friedrich Merz. Anders als die Frankfurter Rundschau rücke er stärker die konkreten Treffen und den angekündigten Austausch in den Mittelpunkt.
Beide Beiträge stimmten im Ausgangspunkt überein: Die CDU-Basis verbinde die Konferenz mit deutlicher Kritik an der Bundespolitik. Unterschiede zeigten sich vor allem bei der Gewichtung zwischen organisatorischem Ablauf und der möglichen personalpolitischen Tragweite.
