CDU-Krise, Friedrich Merz

CDU-Klausur nach Wahl-Debakel: Merz sucht Ausweg aus der Krise

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Nach drei verlorenen Landtagswahlen und Umfragewerten unter 20 Prozent berät die CDU-Führung über Konsequenzen. Im Mittelpunkt stehen der Kurs der Partei, die Belastungen für die schwarz-rote Koalition und die politische Zukunft von Friedrich Merz.

Hier tagt ab Sonntag das CDU-Präsidium. - Bild: Michael Kappeler/dpa
Hier tagt ab Sonntag das CDU-Präsidium. - Bild: Michael Kappeler/dpa

Die CDU-Führung berät am Sonntag und Montag bei einer Klausurtagung über Konsequenzen aus drei verlorenen Landtagswahlen, sinkenden Umfragewerten und der angeschlagenen Stellung von Parteichef und Bundeskanzler Friedrich Merz.

Beratung nach der Wahlniederlagenserie

Das Treffen des Parteipräsidiums mit etwa 25 Mitgliedern beginnt um 13.00 Uhr. Anlass ist vor allem das Ergebnis der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Ende September, bei der die CDU erstmals aus einem Landtag flog.

In der Aussprache geht es um die Unzufriedenheit vieler Bürger mit der Arbeit der schwarz-roten Bundesregierung und um die langfristige strategische Ausrichtung der Partei. Bei der Wahl in Berlin wurde die CDU von der Linken von Platz eins verdrängt; dort laufen Gespräche über eine mögliche Regierung mit SPD und Grünen.

Umfragewerte unter 20 Prozent

In Sachsen-Anhalt verlor die CDU zwei Wochen vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern fast 20 Prozentpunkte. Der AfD-Politiker Ulrich Siegmund tritt dort im Dezember zur Wahl für das Ministerpräsidentenamt an.

Auch bundesweit liegt die CDU in mehreren Umfragen 17 Monate nach der Vereidigung der schwarz-roten Bundesregierung unter 20 Prozent. Bei der Bundestagswahl Anfang 2025 hatte sie 28,5 Prozent erreicht.

Streit über Kurs und Brandmauer

Die Parteiführung will zunächst über inhaltliche Konsequenzen beraten. Zur Debatte stehen der weitere Reformkurs bei Rente, Pflege und Gesundheit sowie zusätzliche Maßnahmen gegen hohe Lebenshaltungskosten. Hessens Ministerpräsident Boris Rhein nannte außerdem Sicherheit, Migration und Arbeitsplätze als wichtige Themen.

Grundsätzlicher ist die Frage, ob die CDU konservativer werden muss oder andere Wählerschichten stärker ansprechen sollte. Auch der Umgang mit der AfD und der Linken dürfte eine Rolle spielen. In der Union wird über die sogenannte Brandmauer und den geltenden Unvereinbarkeitsbeschluss gestritten.

Belastungsprobe für Schwarz-Rot

Die Folgen der Wahlen verschärfen zugleich die Spannungen in der Bundesregierung. Die SPD verlangt von der CDU Aufklärung über den Verdacht, CDU-Abgeordnete könnten in Sachsen-Anhalt den AfD-Politiker zum Landtagspräsidenten mitgewählt haben.

Die Union warnt die SPD ihrerseits vor einer Zusammenarbeit mit der Linken in Berlin. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer bezeichnete die dortigen Sondierungen als direkte Belastungsprobe für die Koalition.

Rückhalt für Merz auf dem Prüfstand

Merz will bei der Klausur verlorenes Vertrauen zurückgewinnen. Unterstützung könnte dabei auch vom früheren Bundespräsidenten Joachim Gauck kommen, der als Gast zum Abendessen eingeladen ist und Rücktrittsforderungen an den Kanzler zuletzt zurückgewiesen hatte. Wie die Beratungen ausgehen, ist offen.

Eine Krise mit mehreren Ebenen

Die CDU steht nicht nur wegen einzelner Wahlergebnisse unter Druck. Die Niederlagen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin verbinden sich mit schwachen Umfragewerten, enttäuschten Erwartungen an den angekündigten Politikwechsel und einem Vertrauensverlust in die Handlungsfähigkeit der Partei. Zugleich muss Friedrich Merz die Regierung führen und die innerparteilichen Flügel zusammenhalten.

Streit über die politische Abgrenzung

Besonders konfliktträchtig ist der Umgang mit der AfD. Der CDU-Unvereinbarkeitsbeschluss schließt Koalitionen und ähnliche Formen der Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken aus. In der Union wird jedoch darüber gestritten, ob die bisherige Abgrenzung politisch ausreicht oder ob eine stärkere Konzentration auf Inhalte und Alltagsprobleme nötig ist.

Folgen für Regierung und Wähler

Für die schwarz-rote Koalition verschärft die Krise den Abstimmungsbedarf. Streit über Migration, Lebenshaltungskosten, Reformen und mögliche Kontakte zur AfD kann die Zusammenarbeit zusätzlich belasten. Für Bürger ist entscheidend, ob die CDU aus den Wahlniederlagen konkrete politische Prioritäten ableitet: bezahlbares Leben, Sicherheit, Arbeitsplätze und verlässliche staatliche Leistungen. Die Klausur dürfte deshalb weniger an einzelnen Personalfragen als an der Frage gemessen werden, ob die Partei wieder ein verständliches und geschlossenes Zukunftsangebot entwickelt.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

tagesschau: „CDU diskutiert über Umgang mit AfD Bröckelt die Brandmauer?“ (10.10.2026)

Der Bericht bestätige, dass die CDU-Führung nach den Wahlniederlagen über ihre inhaltliche und strategische Ausrichtung berate. Er setze den Schwerpunkt auf den Streit über die Brandmauer zur AfD und stelle unterschiedlichen Positionen innerhalb der Union die weiterhin klare Ablehnung einer Zusammenarbeit durch Teile der Parteiführung gegenüber.

BR24: „Brandmauer: Welchen Kurs nimmt die CDU im Umgang mit der AfD?“ (10.10.2026)

Der Bericht bestätige ebenfalls die bevorstehende Klausur und die Debatte über den Umgang mit der AfD. Anders als der tagesschau-Bericht hebe er zusätzlich die Forderungen von CSU-Vize Manfred Weber nach einer weniger starren Abgrenzung sowie die Gegenpositionen von Karin Prien und Günter Krings hervor; offen bleibe, ob daraus eine gemeinsame Linie entstehen könne.

Beide Berichte beschrieben die Wahlniederlagen und die AfD-Frage als zentrale Belastungen für die CDU. Unterschiedlich gewichteten sie den innerparteilichen Richtungsstreit; eine Entscheidung über eine Änderung der bisherigen Beschlusslage sei in beiden Darstellungen noch nicht erkennbar.

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