Gesellschaft

CDU und FDP loben Ex-BundesprÀsident Joachim Gauck

17.10.2023 - 01:00:00

CDU und FDP loben die klaren Äußerungen von Ex-BundesprĂ€sident Joachim Gauck in der Migrationsfrage.

"Joachim Gauck war als BundesprĂ€sident im besten Sinne ĂŒberraschend, ungewöhnlich und anders", sagte der parlamentarische GeschĂ€ftsfĂŒhrer der CDU-Bundestagsfraktion, Thorsten Frei, dem "Tagesspiegel" (Dienstagsausgabe). "Er hat sich stets mutig der Versuchung der formelhaften und alle Konflikte zudeckenden Rede entzogen, ohne dabei je plump, grob oder gar verletzend und spalterisch zu sein."

Im Gegenteil, sagte Frei. "Ich glaube, das macht einen großen BundesprĂ€sidenten aus." Auch FDP-Fraktionschef Christian DĂŒrr lobt den ehemaligen BundesprĂ€sidenten: "Die Äußerungen vom ehemaligen BundesprĂ€sidenten Gauck kamen zu einem entscheidenden Zeitpunkt in der Debatte", sagte DĂŒrr dem "Tagesspiegel". "Ich bin Herrn Gauck fĂŒr seine klare Positionierung sehr dankbar." DĂŒrr erklĂ€rte, er teile die Forderung von Gauck nach "neuer Entschlossenheit" ausdrĂŒcklich, denn diese brauche es, "damit die Politik in der Sache mehrheitsfĂ€hig bleiben kann". Der ehemalige BundesprĂ€sident Gauck hatte im September von einem Kontrollverlust in der Migrationsfrage gesprochen, der eingetreten sei. Die Bevölkerung habe das GefĂŒhl, sagte Gauck damals im ZDF, die Regierenden verstĂŒnden ihre BedĂŒrfnisse nicht mehr. "Es ist moralisch ĂŒberhaupt nicht verwerflich und politisch sogar geboten, eine Begrenzungsstrategie zu fahren", sagte er. Kurz darauf hatte auch der jetzige BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier in einem Interview mit einer italienischen Zeitung erstmals von einer "Belastungsgrenze" gesprochen. Der Politikwissenschaftler Karl-Rudolf Korte erklĂ€rt Gaucks Rolle: "Gauck nutzt den Sprachgewinn fĂŒr Machtgewinn. Seine Begriffe und BegrĂŒndungen entspringen einem kĂ€mpferischen, demokratischen Trotz." Der Politologe beschĂ€ftigt sich wissenschaftlich schon lĂ€nger mit der Rolle von BundesprĂ€sidenten. Gauck liefere gerade wichtige Legitimationsgrundlagen, auf die sich operative Politik beziehen könne. "PrĂ€sidiale AutoritĂ€t hilft der Tagespolitik, jetzt konkrete Wege in Richtung Ordnung und HumanitĂ€t einzuschlagen", glaubt Korte. Der Politikwissenschaftler beschreibt die Rolle des BundesprĂ€sidenten so: "Der BundesprĂ€sident ist Meinungsbildner, ZivilitĂ€tswĂ€chter und Weiterdenker." Das Amt sei zwar formal kompetenzarm, doch ein AmtstrĂ€ger könne mit gezielten Kommunikationsauftritten Impulse setzen, Gemeinschaft schaffen. "Er ist Anwalt fĂŒr Zumutungen: Denn er kann und sollte eine inspirierende Integration durch organisierten Dissens anfĂŒhren", sagte Korte. BundesprĂ€sident Frank-Walter Steinmeier bricht am Dienstag ins thĂŒringische Meinungen auf. Die Reise dauert vom 17. bis zum 19. Oktober. Steinmeier fĂŒhrt in dieser Zeit seine AmtsgeschĂ€fte von Meiningen aus. Die Reise dorthin ist die neunte "Ortszeit Deutschland" des BundesprĂ€sidenten.

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