CSU-Parteitag: Merz schweigt zu Söders Aigner-Vorschlag
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 13:38 Uhr | dpa, AD HOC NEWSUnionsauftritt in München
- Merz lobte Markus Söder und die drei CSU-Minister im Bundeskabinett.
- Rund 700 Delegierte hörten die knapp einstündige Rede des Kanzlers.
- Nach dem Auftritt spendeten die Delegierten Merz fast vier Minuten stehenden Applaus.
Merz wirbt in München für Geschlossenheit der Union
Bundeskanzler Friedrich Merz hat auf dem CSU-Parteitag in München den Zusammenhalt von CDU und CSU beschworen. Zur Unterstützung des CSU-Vorschlags für die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Bundespräsidentin äußerte er sich in seiner knapp einstündigen Rede nicht.
Aigner erhält großen Empfang
Merz begrüßte Aigner beim Einlaufen in die Münchner Messehalle mit zwei Wangenküssen und erwähnte sie zum Auftakt seiner Rede direkt nach CSU-Chef Markus Söder. Die Delegierten erhoben sich und spendeten Aigner erneut großen Beifall.
Söder hatte Aigner am Vortag erneut für das Amt vorgeschlagen. Die Entscheidung werde zwar „woanders gefällt“, sagte der CSU-Chef, nannte eine Kandidatur aber „eine tolle Sache“. Aus CDU-Parteikreisen hieß es kurz vor dem Parteitag, die Partei habe den Anspruch auf einen Kandidaten oder eine Kandidatin aus ihren Reihen nicht aufgegeben.
Fast vier Minuten Applaus für Merz
Die Delegierten begrüßten Merz freundlich und feierten ihn nach seiner Rede mit fast vier Minuten stehender Ovation. Söder begleitete den Kanzler zuvor zu „Eye of the Tiger“, gespielt von einer bayerischen Blaskapelle, in den Saal.
Merz sagte, die Union befinde sich in einer schwierigen Lage und habe keinen Exklusivanspruch auf das Kanzleramt. CDU und CSU müssten enger zusammenstehen, um das Land nicht extremistischen Kräften zu überlassen.
Abgrenzung von der AfD
Der Kanzler bekräftigte, eine Zusammenarbeit mit der AfD müsse ausgeschlossen bleiben. Für die Union gelte Freiheit statt Extremismus; wer AfD-Politik unterstütze, habe in der Union nichts zu suchen.
Merz lobte Söders klare Sprache und würdigte die CSU-Minister Alexander Dobrindt, Dorothee Bär und Alois Rainer. Die CSU bezeichnete er als eine besondere „Doppelgängerin“ der CDU und betonte, beide Parteien seien gemeinsam stärker.
Reformen und niedrigere Stromsteuer
Merz drängte auf eine schnelle Umsetzung des im Juli auf den Weg gebrachten Reformpakets. Die Union werde daran gemessen, ob sie die Reformen umsetze, sagte er, und formulierte diese Erwartung auch an die SPD.
Zudem bekräftigte der Kanzler das Ziel, die Energiekosten im kommenden Jahr für alle Verbraucher zu senken. Wenn es möglich sei, müsse die Stromsteuer sinken, damit den Menschen wieder mehr Geld zur Verfügung stehe.
Der CSU-Parteitag fällt in eine Phase, in der die Union ihre Geschlossenheit demonstrieren will. Nach dem Regierungswechsel und angesichts der Konkurrenz durch politische Kräfte an den Rändern verbindet Merz die Zusammenarbeit von CDU und CSU mit dem Anspruch, stärkste politische Kraft zu bleiben. Seine Rede zielte damit nicht nur auf die Delegierten in München, sondern auch auf die öffentliche Darstellung der Regierungsparteien.
Die offene Bundespräsidentenfrage
Besondere Aufmerksamkeit erhielt Ilse Aigner. Söder wirbt für die bayerische Landtagspräsidentin als mögliche Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier, dessen Amtszeit im Januar endet. Die Entscheidung über die Kandidatur ist jedoch eine Angelegenheit der Unionsparteien und muss anschließend in der Bundesversammlung eine Mehrheit finden. Dass Merz Aigner begrüßte und ausdrücklich erwähnte, ohne Söders Vorschlag aufzugreifen, hält die Frage politisch offen.
Für die CSU ist Aigner zugleich ein Symbol bayerischen Selbstbewusstseins innerhalb der Union. Für die CDU-Führung geht es um den Anspruch, bei einer gemeinsamen Kandidatur maßgeblich mitzuwirken. Der Parteitag zeigt damit die Nähe beider Parteien, aber auch ihre unterschiedlichen Interessen. Neben der Personalfrage stehen für Merz konkrete Regierungsprojekte im Vordergrund: Reformen sollen umgesetzt und die Belastung durch Energiekosten im kommenden Jahr gesenkt werden. Die weitere Entwicklung dürfte davon abhängen, wann CDU und CSU ihre Kandidatenfrage gemeinsam entscheiden.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „P-Frage: Merz begrüßt Aigner – und der CSU-Parteitag jubelt“ (24.10.2026)
Der Artikel berichtet ebenfalls über Merz’ Begrüßung Aigners und den Jubel der Delegierten. Im Mittelpunkt steht stärker als in der dpa-Meldung die offene Präsidentenfrage und die politische Wirkung des gemeinsamen Auftritts.
n-tv: „Folgt Aigner auf Steinmeier?: CDU will Bundespräsidenten selbst bestimmen – Söder widersetzt sich“ (24.10.2026)
n-tv ordnet Söders Vorstoß stärker als innerunionären Konflikt ein. Der Beitrag bestätigt die Unterstützung für Aigner, betont aber zugleich den Anspruch der CDU auf ein eigenes Vorschlagsrecht. Gemeinsam ist beiden Perspektiven, dass Merz’ Haltung zur Personalie offenbleibt.
Übereinstimmung besteht beim öffentlichen Werben der CSU für Aigner und bei Merz’ demonstrativer Nähe zur Schwesterpartei. Unterschiedliche Akzente setzen die Beiträge bei der Frage, ob daraus bereits eine gemeinsame Unionsposition folgt.
