Daniel Günther bleibt Schleswig-Holstein treu und schätzt Friedrich Merz ein
Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 04:13 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSchleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will nach eigener Aussage noch etwa fünf Jahre Regierungschef in Kiel bleiben und sieht Berlin derzeit nicht als Option.
Günther will in Schleswig-Holstein bleiben
Das sagte der 53-Jährige am Abend in der ARD-Sendung „Inas Nacht“. Günther regiert Schleswig-Holstein seit 2017; die nächste Landtagswahl in dem Bundesland findet im April 2027 statt.
Mit Blick auf einen möglichen Wechsel in die Bundespolitik erklärte Günther, er sei sehr gern Ministerpräsident in Schleswig-Holstein. Die politische Arbeit in Berlin reize ihn bislang nicht.
Kritik an politischer Arbeitsweise in Berlin
Günther sagte, er fremdele mit der Art und Weise, wie in Berlin Politik gemacht werde. In seiner schwarz-grünen Koalition in Schleswig-Holstein würden Streitpunkte montags hinter verschlossenen Türen beraten, damit anschließend nicht öffentlich übereinander geredet werde.
Er glaube, dieses Vorgehen könne auch in Berlin funktionieren, wenn es von Beginn an konsequent umgesetzt werde. Die Umfragewerte für Bundeskanzler Friedrich Merz und die schwarz-rote Koalition sind derzeit schlecht.
Günther über Merz: „Normal“ und „nett“
Günther gehört zu den acht Ministerpräsidenten, die vor den vergangenen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin ein Unterstützungsschreiben für Merz unterzeichnet hatten. Über den Bundeskanzler sagte er, Merz habe ihn bereits zum Essen eingeladen.
Auf die Frage von Moderatorin Ina Müller, wie Merz sei, antwortete Günther nach kurzem Zögern: „Normal, ja, auch nett im Umgang.“ Das Publikum reagierte mit Gelächter.
Gemeinsamer Auftritt mit Ina Müller
Zuvor hatte Günther gemeinsam mit Müller den Schlager „Verdammt, ich lieb Dich“ von Matthias Reim gesungen.
Günthers Kurs bleibt landespolitisch
Daniel Günther führt Schleswig-Holstein seit 2017 und verweist im Gespräch auf das Ziel, auch nach der Landtagswahl im April 2027 weiter Ministerpräsident zu bleiben. Seine Absage an einen Wechsel nach Berlin steht damit zunächst für Kontinuität in Kiel: Der CDU-Politiker verbindet seine politische Zukunft ausdrücklich mit dem Land und nicht mit einem Amt im Bund.
Gleichzeitig ist Günther innerhalb der Union ein eigenständiges politisches Profil geblieben. Er beschreibt die schwarz-grüne Zusammenarbeit in Schleswig-Holstein als Modell, bei dem Konflikte intern ausgetragen werden. Diese Abgrenzung ist vor dem Hintergrund der öffentlichen Auseinandersetzungen in der Bundespolitik relevant, weil sie eine andere Arbeitsweise von Koalitionen betont, ohne einen unmittelbaren Führungsanspruch für Berlin zu formulieren.
Spannungsfeld zwischen Kiel und Berlin
Das Verhältnis zur Bundesregierung ist für Schleswig-Holstein auch sachpolitisch wichtig. Günther hatte zuletzt Änderungen an den Energieplänen des Bundes kritisiert und vor möglichen Folgen für den Ausbau erneuerbarer Energien im Land gewarnt. Schleswig-Holstein gehört zu den Ländern, in denen Wind- und Solarenergie, Netzausbau sowie die Akzeptanz vor Ort eine besonders große Rolle spielen.
Für die politische Debatte bedeutet Günthers Auftritt daher zweierlei: Er weist Spekulationen über einen kurzfristigen Wechsel in die Bundespolitik zurück und zeigt zugleich, dass die Zusammenarbeit zwischen Landes- und Bundesebene politisch sensibel bleibt. Die nächste Landtagswahl wird damit auch zum Test, ob sein landespolitischer Kurs die Unterstützung in Schleswig-Holstein sichern kann.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
NDR: „Inas Nacht - Daniel Günther mit "Verdammt ich lieb Dich"“ (08.10.2026)
Der NDR-Bericht bestätige Günthers Auftritt in der Sendung und hebe den gemeinsamen Gesangsauftritt mit Ina Müller hervor. Anders als die dpa-Meldung konzentriere sich der Beitrag auf die musikalische Seite der Sendung; die politischen Aussagen zu Berlin und Friedrich Merz stünden dort nicht im Mittelpunkt.
Medienübergreifend werde damit der Fernsehauftritt als Anlass bestätigt, während unterschiedliche Schwerpunkte offenblieben: Die dpa-Meldung betone Günthers politische Zukunft und seine Einschätzung des Bundeskanzlers, der NDR-Beitrag die Unterhaltung und den Auftritt im „Schellfischposten“.
