Klette-Prozess: Entscheidung ĂŒber Verteidiger-AntrĂ€ge kommt
01.04.2025 - 05:00:40 | dpa.de
Mit mehreren AntrĂ€gen will die Verteidigung den Prozess um RaubĂŒberfĂ€lle gegen die frĂŒhere RAF-Terroristin Daniela Klette platzen lassen oder zumindest verzögern. Am heutigen zweiten Verhandlungstag können die Staatsanwaltschaft sowie die Nebenklage dazu Stellung nehmen. Nach Angaben einer Sprecherin des Landgerichts Verden wird danach eine Entscheidung der Richter ĂŒber die AntrĂ€ge erwartet. Zeugen sind fĂŒr den 1. April nicht geladen.
In einem Antrag argumentiert die Verteidigung, dass gegen die 66-JĂ€hrige kein fairer, rechtsstaatlicher Prozess möglich sei. Allein das AusmaĂ der SicherheitsmaĂnahmen weise Anzeichen eines Terrorismusverfahrens und damit einer Vorverurteilung Klettes auf, kritisieren ihre RechtsanwĂ€lte.Â
VorwĂŒrfe im Raubprozess haben nichts mit RAF zu tun
Klette wird der dritten Generation der linksterroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) zugerechnet. Wegen drei RAF-Taten besteht auch ein Haftbefehl der Bundesanwaltschaft gegen die gebĂŒrtige Karlsruherin, unter anderem wegen versuchten Mordes. Diese VorwĂŒrfe sind aber nicht Gegenstand des aktuellen Verfahrens vor dem Landgericht.Â
«Dieser Prozess wird mit politischem KalkĂŒl gefĂŒhrt», kritisierte Klette am ersten Prozesstag vor einer Woche. Die jahrelange Fahndung nach ihr und ihren Komplizen bezeichnete sie als «Jagd nach politischen Feind:innen, nicht nach RĂ€uber:innen».
Forscher: Klette will Staat die Legitimation absprechen
Nach Beobachtung des Extremismusforschers Alexander StraĂner erinnert die Verteidigungsstrategie der Ex-Terroristin an frĂŒhere RAF-Prozesse. «Ich lese Klettes Statement so, dass sie auf der einen Seite versucht, die linksextreme Szene zu mobilisieren. Es gibt noch diese Roten Hilfen, die sich fĂŒr Gefangene aus revolutionĂ€ren ZusammenhĂ€ngen einsetzen», sagte der Politikwissenschaftler der UniversitĂ€t Regensburg der Deutschen Presse-Agentur.
«Auf der anderen Seite dient dieses Statement der Diskreditierung des Verfahrens. Es geht darum, dem Staat die Legitimation abzusprechen und zu betonen, dass es eben kein Verfahren wegen schweren Raubes sei, sondern ein politisches Verfahren gegen jemand, der einen anderen Entwurf der Gesellschaft und politischen Ordnung habe.»
Falls das Gericht sich gegen eine Einstellung des Verfahrens entscheiden sollte, beantragen Klettes RechtsanwĂ€lte, den Prozess zu unterbrechen. Erst kurz vor Prozessbeginn hĂ€tten sie eine Festplatte mit 18 Terabyte zur VerfĂŒgung gestellt bekommen - der Umfang entspreche etwa zehn Millionen Aktenordner. Um die Inhalte zumindest rudimentĂ€r zu sichten, brauche es mehrere Monate.
Laut Antrag der Verteidigung sollte Klette zudem aus der Untersuchungshaft entlassen werden. Sie ist seit ihrer Festnahme im FrauengefÀngnis in Vechta untergebracht.
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