ROUNDUPIfo-Forscher, Rentenbeginn

Rentenbeginn an Lebenserwartung koppeln

16.01.2024 - 15:06:42 | dpa.de

Das Ifo-Institut plĂ€diert fĂŒr die Kopplung des Rentenalters an die Lebenserwartung.

Die Niederlande, Schweden und Finnland hĂ€tten das bereits beschlossen, sagte Ifo-Rentenexperte Joachim Ragnitz am Dienstag. Die NiederlĂ€nder mĂŒssten bei einer VerlĂ€ngerung der Lebenserwartung um drei Jahre zwei Jahre lĂ€nger arbeiten, ein Jahr lĂ€nger bekĂ€men sie Rente. Das VerhĂ€ltnis von Rentnern zu ErwerbstĂ€tigen bleibe damit stabil bei rund 40 Prozent, statt auf fast 50 Prozent zu steigen, schrieben die Dresdner Wirtschaftsforscher in einem Aufsatz.

Wenn die Rentensteigerungen an die Inflationsrate gekoppelt wĂŒrden statt wie heute an die Lohnsteigerungen, wĂŒrde das den Anstieg der Rentenausgaben ebenfalls bremsen. Dagegen halten es die Ifo-Forscher fĂŒr nicht sinnvoll, die SelbststĂ€ndigen und Beamten in die Beitragszahlung einzubeziehen. Kurzfristig wĂŒrde das die Rentenkassen zwar entlasten. "Langfristig jedoch wĂŒrden die Auszahlungen fĂŒr diese Gruppen erheblich höher ausfallen, unter anderem, weil sie eine höhere Lebenserwartung hĂ€tten."

In Deutschland könnten 65-JĂ€hrige heute mit durchschnittlich zehn bis elf Jahren "Lebenserwartung bei guter Gesundheit" rechnen. Nach dem niederlĂ€ndischen Modell wĂŒrde sich das Renteneintrittsalter bis 2061 schrittweise auf 69 Jahre erhöhen.

In den 1990er Jahren kamen 20 Rentnerinnen und Rentner auf 100 ErwerbsfĂ€hige, nach 2030 werden es 40 Rentner sein, Mitte der 2060er Jahre kommen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes sogar mehr als 45 Rentner auf 100 ErwerbsfĂ€hige. Das heutige Rentensystem fĂŒhrt zu einer hohen Belastung der erwerbstĂ€tigen Bevölkerung, die die Renten finanziert.

Die IG Metall lehnte die VorschlĂ€ge der Ifo-Rentenexperten rundweg ab. "Eine steigende Regelaltersgrenze fĂŒhrt zu mehr AbschlĂ€gen und weniger Rente. Das ist der falsche Weg", sagte Vorstandsmitglied Hans-JĂŒrgen Urban. Eine Kopplung der Rentenerhöhung an die Preissteigerung statt an die Löhne wĂŒrde zu "sozialen Verwerfungen" fĂŒhren.

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