Bund will Klinik-Atlas nach Kritik weiter aktualisieren
05.06.2024 - 16:46:29 | dpa.deDas Bundesgesundheitsministerium erklÀrte am Mittwoch in Berlin, ein Update finde kontinuierlich statt. Man nehme Kritik etwa medizinischer Fachgesellschaften mit wichtigen Hinweisen sehr ernst, um den Klinik-Atlas zu verbessern. Zuletzt hatten auch die LÀnder Korrekturen veralteter Daten verlangt. Patientenvertreter mahnten, Vertrauen in das Portal herzustellen. Die Union forderte eine sofortige Abschaltung.
Der Sozialverband VdK erklĂ€rte, Patientinnen und Patienten hĂ€tten das Recht, die Ursachen des "Fehlstarts" zu erfahren. Wichtig sei, dass die Bevölkerung jetzt wieder Vertrauen in den Atlas fassen könne. Dazu seien Fehlerbehebungen dringend erforderlich. "Wird der Klinik-Atlas komplett abgeschaltet, werden ihnen Daten, die von unabhĂ€ngiger Seite zur VerfĂŒgung gestellt werden, vorenthalten", warnte PrĂ€sidentin Verena Bentele. Viele Kliniken hĂ€tten auf die Ministeriumsaufforderung, Daten zu aktualisieren, nicht reagiert. Diese "Blockadehaltung" schade dem Atlas.
Der Mitte Mai von Minister Karl Lauterbach (SPD) gestartete "Bundes-Klinik-Atlas" soll ĂŒber Leistungen und BehandlungsqualitĂ€t der rund 1700 KrankenhĂ€user in Deutschland informieren. Zum Vergleichen werden die Zahl der fĂŒr die jeweilige Behandlung erbrachten FĂ€lle und die Personalausstattung in einer Tacho-Anzeige abgebildet. Das Portal hatte nach einer Woche bereits ein Update bekommen. Die Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsminister der LĂ€nder forderten danach, weiterhin vorhandene Fehler in kĂŒrzester Zeit zu beheben, um Patienten nicht durch Falschinformationen zu gefĂ€hrden. Grund seien nicht mehr aussagefĂ€hige Daten.
Das Ministerium machte klar, dass nicht vorgesehen sei, das Portal vom Netz zu nehmen. Kritik aufzunehmen, gehöre zum SelbstverstĂ€ndnis des Projekts, das als lernendes System angelegt sei, sagte ein Sprecher. "Sollten sich Ănderungen ergeben oder sollten wir auf Ănderungen hingewiesen werden, dann werden diese auch eingefĂŒgt." Dies gelte etwa, wenn eine Klinik auf veraltete Daten hinweise und neue ĂŒbermittele. Der Atlas könne nur so gut sein wie die Daten, die zur VerfĂŒgung gestellt wĂŒrden. Insofern wĂŒrden die Angaben kontinuierlich weiter verbessert. Die Klinikbranche betreibt bereits seit lĂ€ngerem ein eigenes Informationsportal.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz betonte, Patienten mĂŒssten darauf vertrauen, dass staatliche Informationen stimmen. "Wenn nicht, muss der Atlas in die Werkstatt, um Produktreife zu bekommen", sagte Vorstand Eugen Brysch. Der Unions-Gesundheitsexperte Tino Sorge (CDU) forderte, das Portal sofort vom Netz zu nehmen. "In seiner jetzigen Form stellt der Atlas eine akute Gefahr fĂŒr die Patientensicherheit dar." Wenn Lauterbach ihn als lernendes System bezeichne, verhöhne er Menschen, die von den Daten in eine falsche Klinik gefĂŒhrt wĂŒrden.
