Deutschland, Verkehr

Wissing: Kein flächendeckendes Tempo 30 in Städten

20.06.2023 - 14:15:40 | dpa.de

Das Straßenverkehrsgesetz ist die Grundlage für das Verkehrsrecht. Experten erwarten von einer geplanten Reform einen «Modernisierungsschub». Der Minister schlägt Pflöcke ein.

Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h gilt zu bestimmten Zeiten. - Foto: Paul Zinken/dpa
Die Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 km/h gilt zu bestimmten Zeiten. - Foto: Paul Zinken/dpa

Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) will Kommunen bei der Verkehrsplanung neue Entscheidungsspielräume vor Ort ermöglichen. «Erleichterungen schaffen wir vor allem für Sicherheitsmaßnahmen an Spielplätzen, hochfrequentierten Schulwegen und Fußgängerüberwegen. Ein flächendeckendes Tempo 30 wird es aber nicht geben», sagte Wissing am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Das Ministerium hatte einen Gesetzentwurf zur Reform des Straßenverkehrsgesetzes vorgelegt. «Wir erweitern das Straßenverkehrsgesetz, indem wir auch die Ziele des Umweltschutzes, der Gesundheit und der städtebaulichen Ordnung mit aufnehmen. Weiterhin bleiben aber die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs Hauptziele des Straßenverkehrsgesetzes», so Wissing. «Sie müssen auch in Zukunft immer beachtet werden.» Bei den neuen Entscheidungsspielräumen vor Ort sollten die Interessen des Straßenverkehrs nicht vernachlässigt werden.

Länder und Kommunen könnten künftig schneller und flexibler auf die besonderen Anforderungen vor Ort reagieren. Wichtig sei aber, dass es bei der Regelgeschwindigkeit von 50 Stundenkilometern innerorts bleibe, sagte der Minister. Das sei unter anderem wichtig für die Durchgangsverkehre, die sich sonst ihren Weg durch Wohngebiete suchen würden.

Der Gesetzentwurf soll am Mittwoch vom Kabinett verabschiedet werden. Wissing setzt damit eine Vorgabe des Koalitionsvertrags um. Neben dem Bundestag muss auch der Bundesrat zustimmen.

Denkfabrik erhofft sich «Paradigmenwechsel»

Die Reform könne die Grundlage für einen Modernisierungsschub im städtischen Verkehr bilden, sagte der Direktor der Denkfabrik Agora Verkehrswende, Christian Hochfeld. Er sprach von einem «Paradigmenwechsel». Der öffentliche Raum in den Städten könne fairer zwischen den einzelnen Verkehrsträgern verteilt werden. Viele Städte warteten auf eine Modernisierung, zum Beispiel für einfachere Ausweisungen von Tempo-30-Zonen und für die Einrichtung von Busspuren und Radwegen. Im einem weiteren Schritt aber müsse die untergeordnete Straßenverkehrsordnung geändert werden.

Der Rechtsanwalt Roman Ringwald von der Kanzlei Becker Büttner Held sagte, an den geltenden Vorgaben der Straßenverkehrsordnung scheiterten derzeit in der Praxis viele Änderungen etwa zur Einrichtung von Busspuren. «Erst wenn wir da rangehen, dann ändern sich wirklich die Handlungsspielräume von Kommunen sehr stark.»

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, sagte, die Städte forderten seit langem vom Bund mehr Entscheidungs- und Gestaltungsspielräume im Verkehrssektor. «Das gilt für ein Parkraummanagement und Gebühren ebenso wie für Geschwindigkeitsbeschränkungen und neue Verkehrskonzepte.» Der Gesetzentwurf lasse erste Anzeichen für ein Umdenken erkennen und gehe für die Städte in die richtige Richtung.

Ein von Städten gegründetes Bündnis hatte sich bereits für mehr Entscheidungsfreiheit bei der Anordnung von Höchstgeschwindigkeiten innerhalb geschlossener Ortschaften eingesetzt. Städten und Gemeinden müsse es ermöglicht werden, Tempo 30 als «verkehrlich, sozial, ökologisch und baukulturell angemessene Höchstgeschwindigkeit» dort anzuordnen, wo sie es für sinnvoll erachten - auch für ganze Straßenzüge im Hauptverkehrsstraßennetz und gegebenenfalls auch stadtweit als neue Regelhöchstgeschwindigkeit.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
de | politik | 63797505 |

Weitere Meldungen

BlaBlaCar beendet Fernbusbetrieb. Gründe sind wirtschaftliche Probleme und starke Konkurrenz. Das französische Unternehmen BlaBlaCar zieht sich aus dem Fernbusgeschäft zurück. (Wirtschaft, 21.04.2026 - 17:58) weiterlesen...

12-Uhr-Regel: Tanken ist schon am Morgen relativ günstig. Wer sparen will, tankt vormittags. Bis zum letzten Moment zu warten lohnt aber kaum. Der Spritpreis stagniert. Der Preisverlauf beim Sprit hat sich grundlegend verändert. (Wirtschaft, 21.04.2026 - 13:08) weiterlesen...

Günstig Tanken: Es muss nicht knapp vor 12.00 Uhr sein. Wer sparen will, tankt vormittags. Bis zum letzten Moment zu warten lohnt aber kaum. Der Spritpreis stagniert. Der Preisverlauf beim Sprit hat sich grundlegend verändert. (Wirtschaft, 21.04.2026 - 10:45) weiterlesen...

Frontalzusammenstoß auf Landstraße – Drei Frauen sterben Auf einer Landstraße bei Celle kommt es zu einer folgenschweren Kollision: Ein Auto stößt frontal mit einem Lastwagen zusammen – für drei Frauen in dem Auto kommt jede Hilfe zu spät. (Unterhaltung, 20.04.2026 - 17:15) weiterlesen...

Tankrabatt könnte nur mit Verzögerung wirken. Zuletzt sanken die Spritpreise nur noch langsam. Hintergrund ist die Konstruktion der Steuer, die laut Tankstellenverband bft sogar zu Versorgungsengpässen führen könnte. (Wirtschaft, 20.04.2026 - 15:04) weiterlesen...

Spritpreise - es geht nur noch langsam nach unten. Es geht nur noch minimal nach unten und der Sprung zur Mittagszeit deutet eher in Richtung Stagnation. Bei den Spritpreisen ist nach der Talfahrt der vergangenen zwei Wochen die Luft raus. (Wirtschaft, 20.04.2026 - 13:35) weiterlesen...