UNHCR, Libanon

UNHCR: 865.000 Libanon-Vertriebene kehren zurück

Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 00:00 Uhr | dts-nachrichtenagentur, AD HOC NEWS

Das UNHCR warnt vor einer Rückkehr unter Bedingungen, die durch anhaltende Angriffe, zerstörte Wohnorte und fehlende sichere Unterkünfte geprägt sind. Auch bei syrischen Flüchtlingen im Libanon stagniert die Bereitschaft zur Rückkehr nach Syrien.

UNHCR: Nachhaltige Rückkehr in den Libanon derzeit nicht möglich
Libanon (Archiv) - Bild: via dts Nachrichtenagentur

Eine nachhaltige Rückkehr von Menschen, die wegen der Kämpfe im Libanon geflohen sind, ist nach Einschätzung des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR derzeit nicht möglich. Wegen täglicher Verstöße gegen die Waffenruhe mit Israel und neuer Angriffe sei die Lage äußerst instabil, sagte die UNHCR-Vertreterin im Libanon, Karolina Lindholm Billing, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Hunderttausende kehren in unsichere Gebiete zurück

Auf dem Höhepunkt der Kämpfe Mitte April waren nach UNHCR-Angaben mehr als eine Million Menschen im Libanon auf der Flucht. Rund 865.000 von ihnen seien inzwischen in ihre Heimatgebiete zurückgekehrt oder befänden sich auf dem Weg dorthin, sagte Lindholm Billing. Viele kehrten jedoch nicht in ihre früheren Häuser zurück.

Besonders schwierig ist die Lage demnach im Südlibanon. In Orten wie Bint Dschubail seien fast alle Häuser zerstört oder beschädigt, ganze Straßen seien menschenleer. Im Land gibt es weiterhin mehr als 160 Sammelunterkünfte für Binnenvertriebene, viele davon in Schulen.

Keine Sicherheit in vielen Notunterkünften

Eine Garantie für die Sicherheit der Unterkünfte gebe es nicht. Während der Eskalation seien viele Schulen angegriffen, beschädigt oder zerstört worden, ebenso Krankenhäuser, sagte die UNHCR-Vertreterin. Die Zahl der Vertriebenen und Rückkehrer verändere sich wegen der instabilen Lage täglich.

Viele Menschen wollten dennoch unbedingt in ihre Heimatdörfer zurück und nähmen dafür auch das Leben in provisorischen Unterkünften in Kauf.

132.000 Syrer seit Assads Sturz in den Libanon geflohen

Seit dem Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad sind nach UNHCR-Angaben zudem rund 132.000 Syrer aus lokalen Minderheiten in den Libanon geflohen. Darunter seien Alawiten, Schiiten, Drusen und Christen. Als Hauptgrund hätten die Betroffenen die Sicherheitslage genannt.

Gleichzeitig kehren weiterhin zahlreiche syrische Flüchtlinge aus dem Libanon nach Syrien zurück. Nach UNHCR-Daten wurden inzwischen mehr als 681.000 Syrer als Rückkehrer registriert. Die Rückkehrabsichten stagnierten zuletzt jedoch, sagte Lindholm Billing.

Rückkehr nach Syrien bleibt für viele unsicher

„Viele haben noch nicht das Vertrauen, dass sie dauerhaft und nachhaltig zurückkehren können“, sagte die UNHCR-Vertreterin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Einige seien nach der Rückkehr wegen zerstörter Häuser und fehlender Arbeit irregulär in den Libanon zurückgekehrt und lebten dort nun ohne Aufenthaltserlaubnis und außerhalb staatlicher Register.

Die UNHCR-Einschätzung fällt in die deutsche Debatte über die Rückkehr syrischer Flüchtlinge. Die Bundesregierung drängt auf eine stärkere freiwillige Rückkehr und kündigt Rückführungen zunächst insbesondere von Straftätern an, während das UNHCR weiterhin fehlende Voraussetzungen für eine sichere und nachhaltige Rückkehr sieht.

Die UNHCR-Einschätzung betrifft zwei miteinander verbundene, aber unterschiedliche Rückkehrbewegungen: die Rückkehr libanesischer Binnenvertriebener in ihre Heimatorte und die Rückkehr syrischer Flüchtlinge aus dem Libanon nach Syrien. In beiden Fällen hängen dauerhafte Rückkehrentscheidungen nicht allein von einer Waffenruhe oder der Öffnung von Verkehrswegen ab. Entscheidend sind auch die Sicherheit vor weiterer Gewalt, bewohnbare Häuser, funktionierende Schulen und Krankenhäuser sowie Zugang zu Arbeit und grundlegenden staatlichen Leistungen.

Besonders deutlich wird diese Verbindung im Südlibanon. Wenn Wohnviertel und Infrastruktur zerstört sind, können Menschen zwar in ihre Herkunftsorte zurückkehren, dort aber nicht automatisch wieder ein stabiles Leben aufbauen. Sammelunterkünfte bleiben deshalb trotz erheblicher Belastungen eine wichtige Übergangslösung. Dass ihre Sicherheit nicht garantiert ist, verschärft den Druck auf Familien, die zwischen riskanter Rückkehr und prekären Bedingungen in Notunterkünften abwägen müssen.

Rückkehr als politische Herausforderung

Für syrische Flüchtlinge kommt die unsichere Sicherheits- und Versorgungslage in Syrien hinzu. Die hohe Zahl registrierter Rückkehrer zeigt eine anhaltende Bewegung, sagt aber allein nichts über ihre Dauerhaftigkeit aus. Wenn Menschen wegen zerstörter Häuser oder fehlender Arbeit erneut in den Libanon zurückkehren, entstehen irreguläre Aufenthaltsverhältnisse und zusätzliche humanitäre Risiken.

Damit berührt die UNHCR-Position unmittelbar die deutsche Rückkehrdebatte. Politische Programme zur freiwilligen Rückkehr können finanzielle und organisatorische Anreize schaffen; sie ersetzen jedoch keine verlässlichen Bedingungen vor Ort. Für Betroffene bleibt daher maßgeblich, ob Sicherheit, Unterkunft und Existenzsicherung tatsächlich über längere Zeit gewährleistet sind.

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